Im Fokus - Jan/Feb 2012 - Aktuelle Forschung - Mannstreu

Feld-Mannstreu und Stranddistel sind die beiden einzigen heimischen Arten der Gattung Eryngium, die mit etwa 250 Arten weltweit verbreitet ist. Sie gehört zur Pflanzenfamilie der Doldenblütler (Apiaceae), zu der z.B. auch Karotten oder Dill gezählt werden. Allerdings sehen die Eryngium-Arten völlig anders aus. Viele europäische Arten erinnern eher an Disteln („Stranddistel“), mit denen sie aber nicht näher verwandt sind. Weil viele Eryngien sehr dekorativ sind, werden sie auch gerne in Gärten angepflanzt. Das Flachblättrige Mannstreu (Eryngium planum) können Sie mittlerweile in jedem deutschen Garten-Center günstig erstehen.

Ordnung in die Vielfalt zu bringen gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Wissenschaftler an naturkundlichen Forschungsmuseen mit ihren großen Sammlungen. Neue, bisher unbekannte Arten zu beschreiben ist das eine. Mindestens ebenso wichtig ist es, die zu Gattungen oder Familien gruppierten Arten in ihrer Gesamtheit zu betrachten: Wie viele Arten gehören wirklich in die Gattung? Es werden nämlich öfters auch Arten von mehreren Forschern unabhängig voneinander beschrieben – das muss geprüft und der gültige Name festgelegt werden. Welche Art ist wo verbreitet? Wie häufig ist sie und welche ökologischen Ansprüche stellt sie? Welche Arten sind näher miteinander verwandt, bilden also eine Abstammungsgemeinschaft? Das wirft Licht auf die Evolutionsgeschichte der Gattung.

Eine solche umfassende Zusammenschau kostet viel Zeit, hat aber auch lange Bestand. Auf die Arbeit, die Dr. Arno Wörz vom Museum für Naturkunde Stuttgart jetzt abgeschlossen hat, werden Botaniker viele Jahrzehnte zurückgreifen. Sie behandelt im allgemeinen Teil die Systematik der gesamten Gattung. Dabei werden sowohl klassische Methoden – Bau der Pflanze, Fruchtanatomie – als auch Daten von molekulargenetischen Untersuchungen einbezogen. Chromosomenzahlen und chemotaxonomische Daten dienen als weitere Kriterien für die neue Gliederung der Gattung.

Im speziellen Teil werden die 61 eurasischen und nordafrikanischen Arten eingehend beschrieben und mit Zeichnungen und Verbreitungskarten illustriert. Der Schwerpunkt des altweltlichen Verbreitungsgebietes liegt um das Mittelmeergebiet herum bis nach Südwest-Asien. Im Gegensatz zu den amerikanischen Arten wachsen die meisten Eryngien dort auf trockenen Standorten. Eine Gruppe westmediterraner Arten gedeiht in kleinen Seen, die im Sommer vollständig austrocknen – ein extremer Lebensraum. Auch der heimische Feld-Mannstreu kommt typischerweise auf Trockenrasen vor.

Information zur Mannstreu finden Sie im Januar und Februar im Eingangsbereich des Museums am Löwentor in der Vitrine „Im Fokus“.