Die Zweifarbige Schneckenhausbiene
01.01.2013

Stuttgart. Im Rahmen der 10. Hymenopterologen-Tagung (Fachtagung über Bienen, Wespen, Ameisen) am Staatlichen Museum für Naturkunde wurde am 07.10.2012 die Wildbiene des Jahres 2013 der Öffentlichkeit präsentiert. Die Wahl fiel auf die „Zweifarbige Schneckenhausbiene“.

Warum die „Wildbiene des Jahres“?

Wildbienen spielen im Naturhaushalt eine Schlüsselrolle. Sie sorgen gemeinsam mit der Honigbiene für die Bestäubung unserer Wild- und Kulturpflanzen. Viele Wildbienen sind heute in hohem Maße bedroht, weil ihre Lebensräume vielfach verloren gegangen sind und der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft zu erheblichen Bestandsverlusten geführt hat. Mit der „Wildbiene des Jahres“ machen der Arbeitskreis „Wildbienen-Kataster“ am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, die Landesanstalt für Bienenkunde sowie die Imkerverbände Badens und Württembergs jährlich auf eine Bienenart aufmerksam, deren Lebensweise außerordentlich spannend oder die besonders bedroht ist.

Lebensweise

Der Nestbau der Zweifarbigen Schneckenhausbiene ist ausgesprochen spannend. Die Weibchen suchen ab März/April leere Schneckenhäuser und tragen hier Pollen und Nektar ein, um darauf ein Ei abzulegen. Sie füllen dann den restlichen Hohlraum des Gehäuses mit Steinchen aus und verschließen das Nest mit einem Pfropf aus zerkauten Pflanzenblättern. Schließlich tarnen sie ihr „Fertighaus“ mit Grashalmen oder den Nadeln von Bäumen – eine bei Wildbienen einzigartige Brutfürsorge. Nach Versorgung von etwa 5 bis 7 Nestern stirbt das Weibchen. In den Schneckenhäusern wachsen die Larven heran, und die nächste Generation schlüpft im kommenden Frühjahr.

Aussehen

Wie der wissenschaftliche Name schon sagt, ist die Wildbiene des Jahres 2013 deutlich zweifarbig. Kopf- und Brustteil sind bei Osmia bicolor schwarz, der Hinterleib dagegen leuchtend rostrot gefärbt, einschließlich der bürstenartig behaarten Bauchunterseite. In dieser „Bauchbürste“ trägt das Weibchen den Blütenstaub in sein Nest. Die Weibchen sind etwa 1 cm groß, die Männchen kleiner und insgesamt blasser gefärbt.

Verbreitung

Die Zweifarbige Schneckenhausbiene ist in Baden-Württemberg weit verbreitet, spart aber den Schwarzwald, Teile der Schwäbischen Alb und Oberschwabens aus. Nach dem bisherigen Kenntnisstand ist sie in Deutschland mit Ausnahme von Schleswig-Holstein noch überall vorhanden.

Weitere Informationen unter:

www.wildbienen-kataster.de

Foto: Zweifarbige Schneckenhausbiene, Dr. Heiko Bellmann