Herbar Sautermeister

29.06.2018

„Citizen Science“ ist ein neuer Begriff für etwas, das es schon lange gibt: Bürger als Wissenschaftler. Die systematische Erforschung der Natur in Württemberg verdanken wir vom 18. bis ins beginnende 20. Jahrhundert überwiegend hochgebildeten Laien. Lehrer und Apotheker waren oft die besten Kenner der lokalen Flora und mancher Pfarrer stand öfter im Steinbruch als auf der Kanzel. Durchaus typisch der Werdegang von Oscar Fraas (1824–1897), der sich nach mehreren Jahren als Pfarrer, seinen Neigungen nachgebend, der Paläontologie verschrieb und schließlich zum Direktor des Stuttgarter Naturalienkabinetts aufstieg, des heutigen Naturkundemuseums.

Viele dieser Bürgerwissenschaftler trugen bedeutende Sammlungen zusammen, die sie später dem Museum vermachten, wohl wissend, dass biologische Sammlungen, werden sie nicht gepflegt, sehr schnell dem Verfall anheim fallen. Langfristig können nur Museen sicherstellen, dass solche historischen Belege und Daten erhalten bleiben – unschätzbar wertvoll in einer Zeit des rasanten Biodiversitätswandels und Artensterbens.

Mit Hilfe früher Herbarien lässt sich zum Beispiel die Flora der vor- und frühindustriellen Zeit rekonstruieren und mit Daten der aktuellen floristischen Kartierung des Landes vergleichen (www.flora.naturkundemuseum-bw.de). Nur so lässt sich die langfristige Dynamik der Flora beschreiben und verstehen, eine wichtige Grundlage nicht zuletzt für Naturschutzstrategien.

Deshalb freuen wir uns besonders über das wissenschaftliche Vermächtnis der Familie Sautermeister, die ab dem frühen 19. Jahrhundert fünf Generationen lang als Apotheker wirkte, zunächst im oberschwäbischen Kloster Wald, ab 1870 dann in Rottweil. Das Herbar des Seniors Heinrich Joseph Sautermeister (1812 –1874) kam schon im Jahr 1929 ans Museum, nun folgten die Belege des Sohnes Otto – vor allem Moose, Flechten und Algen – und der folgenden Generatio-
nen, sowie eine Bibliothek mit seltenen botanischen Werken, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen.