Herbarium

Ein Herbarium ist eine Sammlung von Pflanzen in getrockneter und gepresster Form. Auf diese Weise können Pflanzen nahezu unbegrenzt aufbewahrt werden.

Herbarien sind Archive und Datenquellen für wissenschaftliche Untersuchungen: auf jedem Herbarbogen sind Fundort, Sammler und Datum genau vermerkt. Jeder Pflanzenbeleg ist ein wichtiges Dokument in Zeit und Raum. Ebenfalls kann man an Hand historischer Herbarbelege die frühere Verbreitung von Pflanzen rekonstruieren. Herbarien dienen als Grundlage für die Beschreibung und Abgrenzung von Pflanzenarten, da hier Typusbelege hinterlegt werden.

Typenkatalog Samenpflanzen
Typenkatalog Farne
Typenkatalog Moose
Typenkatalog Flechten

Für Fachleute gibt es die Möglichkeit, im Stuttgarter Herbarium (STU, internationales Kürzel) zu arbeiten und Belege auszuleihen. Bei Interesse werden Führungen durch das Herbar angeboten.

Das Herbarium des Staatlichen Museum für Naturkunde umfasst insgesamt etwa 1.000.000 Einzelbelege. Davon entfallen auf:

Es ist damit ein Herbar mittlerer Größe. Die weltweit größten Herbarien umfassen 7 Millionen (Kew bei London) bzw. 8 Millionen Belege (Paris).

Wie viele andere Herbarien blickt auch unseres auf eine lange Geschichte zurück: Die ältesten Belege des STU stammen aus der Zeit um 1740-1742. Damals bereiste Johann Georg Gmelin zusammen mit dem Tübinger Gärtner Alexander Wilhelm Martini im Auftrag der russischen Zaren Sibirien. Martini sammelte dabei viel Pflanzenmaterial. Ein Teil dieser über 250 Jahre alten Belege gelangte an das Königliche Naturalien-Kabinett in Stuttgart, der Vorläuferinstitution des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart.    

Die Quellen des „Hauptherbars“  sind das „Herbarium des Königlichen Naturalienkabinetts“, das „Herbarium der Centralstelle des landwirtschaftl. Vereins“ (1865 bis Ende zweiter Weltkrieg) und das „Herbarium des Vereins für vaterländische Naturkunde“. 1907 kam das „Herbar Hegelmaier“ an das Museum, mit 700 Faszikeln und 25.000 Arten gilt es als größter und wissenschaftlich wertvollster Zugang. Vervollständigt wird das heutige Generalherbar (STU) durch weitere Herbarien privater Sammler.  

Wenn Sie das Herbar unterstützen möchten, können Sie Patenschaften für besondere Objekte übernehmen.

Projekt Floristische Kartierung von Baden-Württemberg

Von den über 2.100 wild wachsenden Pflanzenarten in Baden-Württemberg stehen mehr als ein Drittel (36,2 %) auf der Roten Liste, d. h. sie sind gefährdet und bedürfen des Schutzes. Schützen kann man nur das, was man kennt. Aus diesem Grund führte die Botanische Abteilung des Naturkundemuseums in Stuttgart zusammen mit dem Naturkundemuseum in Karlsruhe mit 250 ehrenamtlichen Mitarbeitern zwischen 1970 und 1998 eine floristische Kartierung durch, mit dem Ziel einer vollständigen Inventarisierung der Gefäßpflanzen Baden-Württembergs.


Die Ergebnisse dieser Kartierung wurden in dem achtbändigen Werk "Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs" zusammengefasst. Neben den Verbreitungskarten enthält dieses Werk eine genaue Abgrenzung und Beschreibung jeder Art, Angaben zur Verbreitung, Ökologie und Gefährdung sowie einem Foto. Diese Bestandsaufnahme der Flora Baden-Württembergs und ihrer Gefährdung diente als Grundlage für die Rote Liste Baden-Württembergs und für das Artenschutzprogramm der Landesanstalt für Umweltschutz. Sie ist auch die Basis für unser aktuelles Projekt, der Beteiligung am F+E-Vorhaben „Pflanzenverbreitung im Klimawandel“ des BfN, bei dem u.a. ein bundesweiter Atlas der Farn- und Blütenpflanzen erstellt wird.


Die Flora unterliegt ständigen Veränderungen: Neue Arten wandern ein, andere gehen zurück oder sterben ganz aus. Deshalb wurde seit 2008 eine komplette Neukartierung des ganzen Landes in Kooperation mit der BAS und AHO begonnen. Etwa 180 ehrenamtliche Mitarbeiter sind daran beteiligt. Die aktuellen Kartierergebnisse werden online veröffentlicht:

Aktuelle Verbreitungskarten der Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs

Im Zuge der floristischen Kartierung entstand nach und nach eine Datenbank mit über 1,2 Millionen Datensätzen, die am Stuttgarter Naturkundemuseum verwaltet und gepflegt wird.

Literatur:

Breunig, T. & S. Demuth (1999): Rote Liste der Farn- und Samenpflanzen Baden-Württembergs. - Fachdienst Naturschutz Naturschutz-Praxis, Artenschutz 2. 161 pp. Karlsruhe (LfU)

Sebald, O., S. Seybold & G. Philippi (1990-1992): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs Bde. 1-4. – Ulmer-Verlag Stuttgart.

Sebald, O., S. Seybold, G. Philippi & A. Wörz (1996-1998): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs Bde. 5-8. – Ulmer-Verlag Stuttgart.

Wörz, A. (2001): Using herbarium specimens for florsitic mapping in South-West Germany. - In: Rushton, B.S., P. Hackney & C.R. Tyrie (eds.): Biological Collections and Biodiversity. Linnean Society Occasional Publications 3: 51-54. The Linnean Society of London.

Wörz, A. (2000): Floristische Neu- und Wiederfunde aus Baden-Württemberg. - Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg 156: 223 - 231. Stuttgart.

Wörz, A. & T. Joßberger (2002): Corydalis intermedia (L.) Mérat (Papaveraceae) auf der Schwäbischen Alb. - Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg 158: 213-222. Stuttgart.

Wörz, A. (2005): Floristische Neu- und Wiederfunde aus Baden-Württemberg, 2. Teil. Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg 161: 259-265.

Wörz, A. (2007): Zum Stand der floristischen Kartierung in Baden-Württemberg. - Floristische Rundbriefe Beiheft 8: 189-194. Dülmen.

Wörz, A. (2008): Floristische Neu- und Wiederfunde aus Baden-Württemberg 3. Teil. - Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg 164: 143-151.

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