Indikator Flechte - Naturschutz aus der Flechtenperspektive

V. Wirth

Im öffentlichen Bewusstsein spielten Flechten schon seit jeher ein Schattendasein. Den Doppel-Lebewesen, die aus Symbiose zwischen Algen und Pilzen hervorgehen, fehlen die bunten Blüten, mit denen die meisten Pflanzen Insekten und Menschen auf sich aufmerksam machen. Ist man nicht im Fjell unterwegs, wo Rentierflechten ganze Landschaften prägen, entfaltet sich ihre Schönheit eher unter der Lupe. Und als Besiedler äußerst unwirtlicher Extremlebensräume ringen sie denen Respekt ab, die sie bemerken.

Die allgemeine Aufmerksamkeit war den Flechten erst sicher, als sie in Ballungsräumen rapide abnahmen, als vor allem hochindustrialisierte Gebiete zu Flechtenwüsten wurden. Nun galten sie plötzlich als wertvolle Bio-Indikatoren, die uns schnell und sicher Auskunft Über die Luftqualität geben. Doch Flechten reagieren nicht nur empfindlich auf Luftverschmutzung. Das Vorkommen bestimmter Arten ist darÜber hinaus so eng mit gefährdeten Lebensräumen und Lebensgemeinschaften verknÜpft, dass sie auch damit wertvolle Hinweise auf schutzwürdige Gebiete und Strukturen geben. Mit ästhetisch bestechenden Fotos von Lebensräumen und ihren Flechten gibt dieser Band einen überblick über gefährdete Flechtenbiotope in Südwestdeutschland.

Eine Einführung in die Biologie der Flechten gibt das vom selben Autor verfasste Heft 12 (Flechten) dieser Reihe.