A. Staniczek, U. Schmid, T. Mika

Seien wir ehrlich: Ein Leben ohne Sex wäre wesentlich einfacher. Sex ist aufwendig, kompliziert und mit hohen biologischen Kosten verbunden. Partnersuche, Partnerwahl, Balz und Paarung verschlingen viel Zeit und Energie. Und zur reinen Vermehrung könnte man gut auf Sex verzichten. Warum also hat die Natur den Sex erfunden?

Die Frage ist einfach, die Antwort nicht. Es gibt mehrere verschiedene Erklärungsansätze; keiner überzeugt für sich alleine vollständig. Zusammen genommen machen sie aber doch eines deutlich: Es gibt viele gute Gründe für die Erfindung von Sex! Erst mit der Erfindung der geschlechtlichen Fortpflanzung bekam die Entwicklung des Lebens die enorme Dynamik, der wir die heutige ungeheure Formenvielfalt verdanken. Sex ermöglicht nämlich nicht nur die Weitergabe der eigenen Gene, sondern sorgt für neue Gen-Mischungen – eine wichtige Voraussetzung, um in einer sich ändernden Umwelt zu bestehen. Damit wird Sex zum Motor der Evolution.

Sex ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Meist wird er aber nur aus einem engen männlichen oder weiblichen – auf jeden Fall menschlichen – Blickwinkel betrachtet. Hier wird der Bogen viel weiter gespannt. Eine evolutionsbiologische Sicht auf die Mechanismen der Fortpflanzung deckt viele überraschend neue Aspekte eines uralten Themas auf. Mit Raffinesse und unterschiedlichsten Methoden versuchen Tiere und Pflanzen, möglichst erfolgreich für Nachkommenschaft zu sorgen. Dass es hierbei auch zu einem Kampf zwischen den Geschlechtern kommen kann und zuweilen sogar vor Mord nicht zurückgeschreckt wird, erscheint nur auf den ersten Blick skurril und seltsam.