Fossile Steinfliegen in Bernstein nach den Rolling Stones benannt

Geschenk für Mick Jagger zum 75. Geburtstag: Fossile Steinfliegen in Bernstein nach den Rolling Stones benannt

Stuttgart, 26.07.2018. Pünktlich zum 75. Geburtstag von Mick Jagger hat der Insektenforscher am Naturkundemuseum Stuttgart und bekennende Rolling-Stones-Fan Dr. Arnold Staniczek seinen Rockhelden eine ganz besondere Ehre erwiesen: Er benannte nicht nur eine neu entdeckte, in Jahrmillionen altem Bernstein konservierte Steinfliegenfamilie nach der britischen Kultband, auch allen derzeitigen und ehemaligen Mitgliedern der Band wurde je eine fossile Steinfliegenart gewidmet. So trägt eine der ca. 100 Millionen Jahre alten „Rolling Stoneflies“ nun den Namen „Petroperla mickjaggeri“ aus der Steinfliegenfamilie der „Petroperlidae“, was sich vom Griechischen „Petra“ (= Stein) ableitet.

„Burmesischer Bernstein ist eines der ältesten fossilen Harze - und Steinfliegen sind eine der ältesten Gruppen der geflügelten Insekten“, sagt Dr. Arnold Staniczek. „So liegt es nahe, fossile Steinfliegen in uralten Versteinerungen mit den Rolling Stones zu verbinden und die neu entdeckten Arten nach den Mitgliedern der ältesten und größten Rock 'n‘ Roll Band der Welt zu benennen.“

Das Timing der wissenschaftlichen Publikation dazu ist perfekt: Das Erscheinungsdatum, der 26. Juli, deckt sich mit dem Geburtstag von Mick Jagger. Arnold Staniczek sagt dazu: "Ich möchte den Rolling Stones für den Soundtrack meines Lebens danken und Mick Jagger auf meine persönliche Weise zu seinem 75. Geburtstag gratulieren."

Die Entdeckung der „Rolling Stoneflies“ sei darüber hinaus nicht nur ein Gag, versichert Dr. Staniczek: „Diese fossilen Insekten vertiefen unser Wissen über das Leben in kreidezeitlichen Bernsteinwäldern und beleuchten auch die Evolution der Steinfliegen, die sich damals die Erde noch mit den Dinosauriern teilten.“

Alle „Rolling Stoneflies“ sind derzeit als Vorschau zur Großen Landesausstellung „Leben im Bernsteinwald“, die am 5.12.2018 eröffnet wird, im Museum am Löwentor ausgestellt. Ein Sonderexemplar der Veröffentlichung wurde übrigens an das Management der Rolling Stones geschickt – auch als Anreiz für die Band, bei der nächsten Tour wieder nach Stuttgart zu kommen.

Die wissenschaftliche Publikation ist online frei verfügbar: Sroka, P., Staniczek, A.H. & Kondratieff, B.C. (2018): ‘Rolling’ stoneflies (Insecta: Plecoptera) from mid-Cretaceous Burmese amber.

PeerJ 6:e5354; DOI 10.7717/peerj.5354

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Dr. Arnold Staniczek ist Kurator für aquatische Insekten am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart und u.a. Experte für Steinfliegen.

 

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Bildnachweise:

Bild 1: Bild_1_A_Staniczek_Rolling_Stoneflies.jpg:

Der Stuttgarter Insektenforscher Dr. Arnold Staniczek präsentiert in der Bernsteinsammlung des Naturkundemuseums Stuttgart „seine“ Rolling Stoneflies.

Urhebervermerk: SMNS / T. Wilhelm

 

Bild 2: Bild_2_Petroperla_mickjaggeri_Rolling_Stonefly.jpg:

Petroperla mickjaggeri – eine fossile, neu entdeckte Steinfliegenart, eingeschlossen in ca. 100 Millionen Jahre altem Burmesischem Bernstein und benannt nach dem Sänger der Rolling Stones.

Urhebervermerk: SMNS / A. Staniczek

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Invasion giftiger Kröten bedroht Madagaskars Tierwelt

05.06.2018. Die Einschleppung der asiatischen Schwarznarbenkröte nach Madagaskar lässt befürchten, dass die giftige Amphibie verheerende Auswirkungen auf die bereits stark bedrohte Tierwelt der Insel haben könnte. Jetzt berichtet ein internationales Forscherteam in der Zeitschrift Current Biology über genetische Befunde, die zeigen, dass diese Ängste begründet sind: Fast alle in Madagaskar heimischen potentiellen Fressfeinde sind empfindlich für das Krötengift. Wenn sie die Kröten fressen, könnte das für sie tödlich sein. An der Studie sind u.a. Forscher der Zoologischen Staatssammlung München, des Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart und der Technischen Universität Braunschweig beteiligt.

"In Australien hat die Einschleppung von Agakröten zu einer tiefgreifenden Störung vieler Ökosysteme geführt, indem wichtige Räuber durch die Krötengifte aus lokalen Nahrungsnetzen entfernt wurden", sagt Wolfgang Wüster von der Universität Bangor, Vereinigtes Königreich. "Ähnliche Auswirkungen werden wahrscheinlich auch in Madagaskar auftreten, wo Kröten ebenfalls niemals vorkamen. Fressfeinde, die häufiger Kröten erbeuten und nicht schnell lernen, sie zu vermeiden, werden wahrscheinlich seltener oder könnten sogar aussterben."

Kröten können giftige Substanzen (Bufadienolide) absondern, die viele Arten von Räubern töten, indem sie die Natrium-Kalium-Pumpe (Na + / K + -ATPase), eine essentielle Komponente tierischer Zellmembranen, hemmen. Es ist jedoch bekannt, dass einige Spezies eine Resistenz gegen diese Toxine entwickelt haben, die sich an spezifischen Punktmutationen im Gen für dieses Enzym erkennen lässt. Die Ankunft der giftigen und invasiven Schwarznarbenkröten (Duttaphrynus melanostictus) in Madagaskar führte zu heftigen Diskussionen über ihre wahrscheinlichen Auswirkungen und die Maßnahmen, die ergriffen werden sollten, um sie zu kontrollieren oder auszurotten.

 "Bisher war völlig unklar, ob in Madagaskar heimische Räuber tatsächlich empfindlich für das Krötengift sind. Dies wurde zwar von Naturschützern generell angenommen, aber konkrete Beweise gab es dafür nicht", sagt Co-Autorin Andolalao Rakotoarison, Biologin an der Technischen Universität Braunschweig und der Universität Antananarivo. Um diese Wissenslücke zu schließen, analysierten die Forscher Sequenzen des Na + / K + -ATPase-Gen von 77 madagassischen Arten, die sich möglicherweise von Kröten ernähren, darunter 27 Schlangen, zwei Echsen, 12 Frösche, acht Säugetiere und 28 Vögel. Ihre Studien zeigten, dass nur eine einheimische Art, ein Nagetier, Anzeichen einer Resistenz gegen das neue Toxin zeigte.

"Unsere Ergebnisse bestätigen, dass die invasiven Kröten wahrscheinlich große Auswirkungen auf viele endemische Arten in Madagaskar haben werden, was die bestehenden Naturschutzprobleme des Landes weiter verschärft und möglicherweise viele bekannte Arten wie zum Beispiel Tenrecs und Fossas gefährdet ", sagt Co-Autorin Friederike Woog vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart. Es ist daher von großer Wichtigkeit, die Verbreitung dieser gebietsfremden Art zu kontrollieren, um eine größere Biodiversitätskrise zu verhindern.

Co-Autor Frank Glaw, Spezialist für madagassische Amphibien an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), weist darauf hin, dass die giftigen Kaulquappen der Kröte auch endemische Fische und wirbellose Räuber wie Wasserkäfer, Libellenlarven und Krebstiere gefährden könnten. Eine ähnliche Studie wird daher benötigt, um die Anfälligkeit der aquatischen Prädatoren Madagaskars zu bewerten.

"Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Arten, die von einem Teil der Welt in einen anderen eingeführt werden, natürliche Ökosysteme stören können", sagt Ben Marshall, Master-Student an der Universität Bangor und Erstautor der neuen Studie. "Die Verhinderung von Einschleppungen invasiver Arten muss für die Erhaltung der biologischen Vielfalt oberste Priorität haben."

Publikation:Marshall, B. M., N. R. Casewell, M. Vences, F. Glaw, F. Andreone, A. Rakotoarison, G. Zancolli, F. Woog & W. Wüster (2018): Widespread vulnerability of Malagasy predators to the toxins of an introduced toad. Current Biology 28, R1–R3. https://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(18)30452-4 DOI: https://doi.org/10.1016/j.cub.2018.04.024 

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Abb.1: Die Abbildung der asiatischen Schwarznarbenkröte überschattet die Artenvielfalt Madagaskars und bedroht die Zukunft vieler dort endemischer Arten. Neben der Abholzung von Regen- und Trockenwäldern ist die einzigartige Biodiversität der Insel nun auch durch eine weitere invasive Art bedroht. Foto: Wolfgang Wüster, Bangor University.