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Neuer urzeitlicher "Vampirhirsch" aus dem Schwabenland.

Forscher haben ca. 14 Mio. Jahre alte Fossilien aus dem Meteoritenkrater von Steinheim am Albuch ausgewertet und haben eine neue Art der damals dort lebenden Moschustiere wissenschaftlich beschrieben.

Stuttgart, 20.10.2017. Vor circa 15 Millionen Jahren durchschlugen zwei Himmelskörper die Hochfläche der schwäbischen Alb und löschten im Umkreis von mehreren hundert Kilometern jegliches Leben aus. Doch das Leben kehrte auf die Alb zurück und im Kessel des Meteoritenkraters von Steinheim am Albuch bei Heidenheim bildete sich ein See, in dessen Ablagerungen zahlreiche Fossilien hervorragend erhalten blieben. Sie bilden ein einzigartiges Fenster zur exotischen Welt des Mittleren Miozäns und haben seit über hundert Jahren Forscher in ihren Bann gezogen. Neben Elefantenverwandten und Nashörnern lebten hier auch die rehkitzgroßen Moschustiere, die aufgrund der verlängerten Eckzähne der Männchen den Spitznamen „Vampirhirsche“ haben. Die Zähne dienten aber weder dem Blutsaugen noch dem Erlegen von Beute, sondern im Wesentlichen dazu, dem weiblichen Geschlecht zu imponieren.

In Steinheim am Albuch gibt es weltweit die meisten Moschustier-Fossilien. Dr. Manuela Aiglstorfer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Naturkundemuseum Stuttgart und Kollegen aus Stuttgart, Basel und Wien, haben nun eine neue Art der Säbelzahnhirsche entdeckt, die den wissenschaftlichen Namen Micromeryx? eiselei trägt. Die Art ist zu Ehren von Dieter Eisele benannt, der von 1972 bis 2002 Bürgermeister in Steinheim am Albuch war und die Ausgrabungen sowie die Errichtung des Meteorkrater-Museums in Sontheim unterstützt hat. Bisher war nur die Art Micromeryx flourensianus dieser Säugetiergruppe aus der Zeit des Miozäns von Steinheim am Albuch bekannt.

Die Publikation von Dr. Manuela Aiglstorfer (Stuttgart), Dr. Loïc Costeur (Basel), Dr. Bastien Mennecart (Basel und Wien) und Dr. Elmar Heizmann (Stuttgart) ist jetzt in der online frei zugänglichen Fachzeitschrift PLOS ONE erschienen. Im Sinne von open science verknüpften die Forscher die traditionelle Beschreibung der neuen Art mit einem frei zugänglichen 3D-Modell des fossilen Schädels in der online Zeitschrift MorphoMuseuM.

Links zu den Artikeln:

https://doi.org/10.1371/journal.pone.0185679

https://doi.org/10.18563/m3.3.4.e4

Weitere Informationen:

Dr. Manuela Aiglstorfer ist Wirbeltierpaläontologin. Sie arbeitet am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart an der Untersuchung der fossilen Großsäuger von Steinheim am Albuch und kooperiert in internationalen Projekten zum Eurasischen Faunenaustausch während des Miozäns. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt hierbei auf der Phylogenie und Ökologie der Moschustiere.

Kontakt:

Dr. Manuela Aiglstorfer, Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart,  Rosenstein 1,  70191 Stuttgart,  T: 0711/ 8936-169,  Email: manuela [dot] aiglstorfer [at] smns-bw [dot] de

Dr. Manuela Aiglstorfer steht Ihnen für Fragen und Interviews gerne zur Verfügung.

Publikationen:

Aiglstorfer M, Costeur L, Mennecart B, Heizmann EPJ (2017) Micromeryx? eiselei - A new moschid species from Steinheim am Albuch, Germany, and the first comprehensive description of moschid cranial material from the Miocene of Central Europe. PLoS ONE12(10): e0185679. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0185679

Aiglstorfer M, Costeur L, Mennecart B, Heizmann EPJ (2017) 3D models related to the publication: Micromeryx? eiselei - a new moschid species from Steinheim am Albuch, Germany, and the first comprehensive description of moschid cranial material from the Miocene of Central Europe. MorphoMuseuM 3 (4)-e4. https://doi.org/10.18563/m3.3.4.e4

Bildnachweise:

Fig_1_Micromeryx: Rekonstruktion eines fossilen Moschustiers im Staatlichen Museum für Naturkunde, Stuttgart Urhebervermerk: Staatliches Museum für Naturkunde Fig_2_Micromeryx: 3D-Modell des fossilen Schädels von Micromeryx? eiselei, Urhebervermerk: www.morphomuseum.com

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung der Bilder nur mit Nennung des Urhebervermerks gestattet ist.

Bildmaterial und Presseinformationen zum Download finden Sie hier:

http://www.naturkundemuseum-bw.de/service/presse/forschung

Pressevorbesichtigung und Pressegespräch am 18.10.2017 um 11 Uhr im Schloss Rosenstein.

"baubionik - biologie beflügelt architektur"

Laufzeit: 19.10.2017 - 06.05.2018 im Schloss Rosenstein

Bionik gehört zu den interessantesten Kombinationen von Grundlagenforschung und praktischen Anwendungen. Die Analyse von biologischen Konstruktionen kann zu verblüffenden neuen technischen Lösungen führen. Aber kann Biologie auch Architektur beflügeln? In der neuen Sonderausstellung „baubionik – biologie beflügelt architektur“ im Naturkundemuseum Stuttgart – Schloss Rosenstein begegnen Ihnen auf 600 m² neue Forschungsansätze und konkrete Ergebnisse aktueller Forschungsarbeiten: Beispiele für spannende Ideen und Visionen, die entstehen, wenn Biologie und Architektur aufeinandertreffen.

Partner und Sponsoren der Ausstellung:

Partner: Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Stuttgart, Universität Freiburg, Universität Tübingen und dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik realisiert.

Gefördert von:  Die Ausstellung ist Teil und Schaufenster des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereichs „Biological Design and Integrative Structures – Analysis, Simulation and Implementation in Architecture“ (www.trr141.de).

Hauptsponsor der Ausstellung: Baden-Württembergische Bank.

Sponsoren der Ausstellung: Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg e.V., Fachverband Beton und Fertigteilwerke Baden-Württemberg e.V., InformationsZentrum Beton GmbH, fischerwerke GmbH & Co. KG.

 Wir danken unserem Hauptsponsor und unseren Sponsoren, Förderern und Partnern sehr herzlich für die Unterstützung der Ausstellung.

Pressevorbesichtigung der Ausstellung und Pressegespräch am 18.10.2017 um 11 Uhr im Schloss Rosenstein. Bitte melden Sie sich bei der Pressestelle des Museums an.

„Außerirdischer“ in Baden-Württemberg entdeckt

Forscher identifizieren die ersten Reste eines Meteoriten in Baden-Württemberg. Einer der seltensten Meteoritentypen überhaupt liefert Erkenntnisse zu den Meteoriteneinschlägen in Steinheim am Albuch und Nördlinger Ries vor 14,8 Millionen Jahren.

Stuttgart, 11.09.17. Objekten aus dem Weltall haftete immer schon etwas Besonderes an: Sei es durch die Romantik von Sternschnuppen am Nachthimmel oder auch durch ihre zerstörerische Kraft, die vor 65 Millionen Jahren durch einen Impakt zum Aussterben der Dinosaurier führte. So bietet der Sommerhimmel jedes Jahr ein besonderes Schauspiel: Die Meteorschauer der Plejaden, die auch mit bloßem Auge gut zu sehen sind und deren Sternschnuppen immer wieder für ein paar Wünsche gut sind.

Es klingt fast unglaublich: Ende des Jahres 2016 kam es zu einer weiteren astronomischen Sensation. Es wurde ein etwa zwei Zentimeter langes Bruchstück des Meteoriten gefunden, der den Meteoritenkrater Steinheimer Becken bei Heidenheim vor knapp 15 Millionen Jahren schlug. Der erste „Außerirdische“ in Baden-Württemberg war entdeckt. Und wo? Ausgerechnet im Meteorkrater-Museum im Sontheim, Steinheim am Albuch. Es kamen schon einige Zufälle zusammen, denn ein etwa einen Meter großer Kalksteinblock, der den Meteoriten umschloss, ist von so genannten Strahlenkegeln durchsetzt und konnte von den Museumsbesuchern nicht nur betrachtet, sondern auch angefasst werden. Ein Umstand, der vermutlich dazu beitrug, dass sich ein vorhandener Riss im Gestein öffnete. Aus Sicherheitsgründen wurde daraufhin ein kleiner Teil des Blocks entfernte. Die Überraschung war groß: Sowohl auf dem entfernten Stück als auch auf dem verbliebenen Block wurde ein metallisch glänzendes Bruchstück sichtbar, was auf einen Meteoriten hindeutete.

Entdeckter Meteorit schuf das Steinheimer Becken

Vom Meteorkrater-Museum aus fand das abgebrochene Stück Kalkstein, samt dem metallischen Bruchstück, seinen Weg an das Naturkundemuseum Stuttgart. Dort nahm es der Paläontologe Dr. Michael Rasser in Augenschein. Er informierte daraufhin einen weiteren Kollegen, den Meteoriten- und Impaktforscher Dr. Elmar Buchner, der weitere Untersuchungen an der Universität Stuttgart durchführte. Weitere Untersuchungsergebnisse von Wissenschaftlern aus Houston und Kiel wiesen alle in dieselbe Richtung: Bei dem metallischen Bruchstück, das in einer Spalte des Kalksteinblocks steckte, handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein Bruchstück des Meteoriten, der im Gebiet des heutigen Steinheim am Albuch einschlug und das Steinheimer Becken schuf.

Erste Reste eines Meteoriten in Baden-Württemberg entdeckt

„Interessant in dem Zusammenhang ist vor allem, dass obwohl wir mit dem Steinheimer Becken den am besten erhaltenen Meteoritenkrater Deutschlands besitzen, Baden-Württemberg bislang das einzige Bundesland ohne einen erhaltenen Meteoriten war. Man hatte immer angenommen, dieser wäre beim Einschlag vollständig verdampft. Auch wenn es sich bei dem jetzigen Fund nur um ein wenige Zentimeter großes Metallfragment handelt, können wir sagen, dass es einer der seltensten Meteoritentypen überhaupt ist“, freut sich Dr. Michael Rasser.

Neue Erkenntnisse zu den Meteoriteneinschlägen in Steinheim und Nördlinger Ries

Der neue Fund lässt auch deshalb aufhorchen, da eine Frage, die die Wissenschaftler seit längerem beschäftigte, nun geklärt werden konnte: Sind das Steinheimer Becken und das Nördlinger Ries durch einen einzelnen Meteoriten, der in zwei Teile zerbrochen war, entstanden? Oder war der kleinere Steinheimer Meteorit beispielsweise ein „Mond“ des größeren Nördlinger Meteoriten?, so die Überlegungen der Geowissenschaftler. Nun konnte festgestellt werden, dass der Nördlinger und der Steinheimer Meteorit wohl zwei verschiedene astronomische Objekte waren. Während der Nördlinger Meteorit vermutlich ein so genannter Steinmeteorit war, handelte es sich bei dem Steinheimer Meteoriten um einen deutlich kleineren aber sehr schweren Eisenmeteoriten. Diese Art von Stein-Eisen-Meteorit (Pallasit) ist einer der seltensten Meteoritentypen überhaupt.

Für die Besucher zu sehen

Nächstes Jahr werden die Überreste des Meteoriten im Steinheimer Meteorkratermuseum anlässlich dessen 40 jährigen Bestehens zu sehen sein.

 

Weitere Informationen für die Redaktionen

Kontakt für Fragen:

Dr. Michael Rasser

Kurator für Känozoische Invertebraten

Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart 

Rosenstein 1,

D-70191 Stuttgart, Germany

Email: michael [dot] rasser [at] smns-bw [dot] de

Fon: 0711 – 89 36 - 146

Dr. Michael Rasser ist für die wissenschaftliche Betreuung des Meteorkrater-Museums zuständig. Das Museum ist ein Zweigmuseum des Naturkundemuseums Stuttgart.

Zur Entdeckungsgeschichte des Meteoriten:

Der Fund stammt aus einem großen Kalksteinblock, der ursprünglich am östlichen Kraterrand gefunden wurde und schon seit etwa 20 Jahren Teil der Ausstellung zum Steinheimer Becken ist. Dem Geologen und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Meteorkrater-Museums Michael Hölzel war aufgefallen, dass sich in einem großen Kalksteinblock ein deutlicher Riss gebildet hatte, woraufhin er aus Sicherheitsgründen einen kleineren Teil des Blocks entfernte. Vom Meteorkrater-Museum aus fand das abgebrochene Stück Kalkstein, samt dem metallischen Bruchstück, seinen Weg in das Naturkundemuseum Stuttgart, wo es Dr. Michael Rasser in Augenschein nahm. Paläontologe Rasser, der die Fossilien des Steinheimer Beckens wissenschaftlich untersucht und unter anderem für die wissenschaftliche Betreuung des Meteorkrater-Museums zuständig ist, informierte einen weiteren Kollegen, den Meteoriten- und Impaktforscher Dr. Elmar Buchner von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Neu-Ulm. Buchner, der zudem Privatdozent am Institut für Mineralogie und Kristallchemie der Universität Stuttgart ist, nahm erste Untersuchungen an der Universität Stuttgart vor. Buchner berichtet: „Ich war von diesem metallisch glänzenden Stück wie elektrisiert. Allerdings sah es zunächst gar nicht so aus, als ob es sich um einen Meteoriten handelt, da Teile davon stark verwittert sind“. Aufwändige Präparationsmaßnahmen und umfangreiche Elektronenstrahlanalysen waren erforderlich, bis sich bei Dr. Buchner der Verdacht erhärtete, es könne sich tatsächlich um den Meteoriten von Steinheim handeln. Ein weiterer Wissenschaftler, Dr. Martin Schmieder vom renommierten Lunar and Planetary Science Institute in Houston, stieß beratend zum Forscherteam hinzu.

Letzte Gewissheit ergaben schließlich aufwendige Analysen mittels einer Laser-gestützten Mikrosonde, die von drei weiteren Teammitgliedern (Dr. Steffen Kutterolf, Dr. Jan Fietzke und Dr. Matthias Frische) vom GEOMAR-Forschungszentrum in Kiel durchgeführt wurden. Analysiert wurden dort die diagnostischen Platingruppenelemente, die auf der Erde sehr selten, in Meteoriten aber stark angereichert sind. Eines der Platingruppenelemente, Iridium, war schon zum Nachweis des weltweit wirksamen Meteoriteneinschlags vor rund 65 Millionen Jahren verwendet worden. Dieser gigantische Asteroideneinschlag ließ nicht nur die Dinosaurier aussterben, sondern hinterließ global eine sogenannte Iridium-Anomalie in Gesteinen der Kreide/Tertiär-Grenze. Die Untersuchungsergebnisse aus Stuttgart, Houston und Kiel wiesen alle in dieselbe Richtung: bei dem metallischen Bruchstück, das in einer Spalte des Kalksteinblocks aus dem Meteorkrater-Museum steckte, handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein Bruchstück des Meteoriten, der im Gebiet des heutigen Steinheim am Albuch einschlug und das Steinheimer Becken schuf! Dieses aufsehenerregende Ergebnis wurde von Buchner auf der diesjährigen Tagung der Meteoritical Society präsentiert, die im Juli 2017 in Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexico stattfand.

Der Meteoriten Fund in Steinheim:

Die Bildung des Steinheimer Beckens fand vor rund 14,8 Millionen Jahren, wahrscheinlich gleichzeitig mit dem etwa 40 km nordöstlich gelegenen und viel größeren Impaktkrater Nördlinger Ries als Doppeleinschlag statt. Spannend ist, dass im Nördlinger Ries mit einem Steinmeteorit ein ganz anderer Meteoritentyp für den Einschlag verantwortlich gemacht wird. „Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass es sich um zwei unabhängige Meteoriteneinschläge gehandelt haben muss“, erklärt Buchner. „In unserem Sonnensystem sind relativ kleine Asteroiden unterwegs, die einen oder mehrere winzige Monde mit sich führen. Ein solcher Doppelasteroid aus zwei unterschiedlichen Körpern könnte auch in Süddeutschland eingeschlagen sein“. Ein mögliches Szenario, das Buchner und Schmieder bereits in einer früheren wissenschaftlichen Publikation 2010 ins Spiel brachten. Eine weitere Besonderheit des Funds von Steinheim ist, dass unter den etwa 190 irdischen Impaktkratern bislang nur bei sehr kleinen und jungen Strukturen Meteoritenreste gefunden wurden. Kleine Asteroiden werden nämlich durch die Erdatmosphäre abgebremst und daher beim Einschlag meist nicht völlig zerstört. Weltbekannt ist der etwa einen Kilometer kleine und nur rund 50.000 Jahre junge Meteor Crater in Arizona, um den tonnenweise kleine Eisenmeteorite gefunden wurden. Weltweit wurde bisher nur in einem großen Impaktkrater, dem Morokweng-Krater in Südafrika, der erhaltene Rest des einschlagenden Meteoriten gefunden – und nun eben auch in Steinheim. Ebenfalls kaum zu glauben ist, dass in der Vergangenheit in jedem Flächenstaat der Bundesrepublik ein oder mehrere Meteoriten gefunden wurden, nur in Baden-Württemberg nicht. Mit dem Fund des Meteoriten von Steinheim in Baden-Württemberg ist nun diese Lücke geschlossen.

Meteorkrater-Museum:

Internet: https://www.steinheim-am-albuch.de/p/55/meteorkrater-museum

Wissenschaftliche Veröffentlichung zum Thema:

Buchner, E., Hölzel, M., Schmieder, M., Rasser, M., Fietzke, J., Frische, M. & Kutterolf, S. 2017. A meteorite fragment trapped between positive and negative shatter cones in a limestone block stored at the Meteorkrater-Museum Steinheim, Germany. Meteoritics and Planetary Science. Special Issue: 80th Annual Meeting of the Meteoritical Society, Santa Fe, New Mexico, USA (23rd–28th July 2017), Volume 52, Issue Supplement S1, p. 6014.

 

Bildmaterial:

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung der Bildnachweise nur mit Nennung des Urhebervermerks gestattet ist. Vielen Dank.

Bild 1_Kalksteinblock mit Strahlenkegel_Michael Hölzel: Der etwa einen Meter große Kalksteinblock mit Strahlenkegeln im Meteorkrater-Museum in Sontheim mit Resten des Steinheim-Meteoriten (dunkles Material oberhalb der Bildmitte), kurz nach dem Fund des Meteoriten. Foto/Urhebervermerk: Michael Hölzel.

Bild 2_Bruchstück Kalksteinblock mit Meteorit_Michael Hölzel: Das etwa zwei Zentimeter lange Bruchstück des Meteoriten von Steinheim auf dem abgebrochenen Stück des Kalksteinblocks aus der Ausstellung des Meteorkrater-Museums Sontheim. Foto/Urhebervermerk: Michael Hölzel.

Presseeinladung: Tag der offenen Tür, 02.07.2017, 10 - 17 Uhr

Am 02.07.2017 von 10 Uhr bis 17 Uhr findet der Tag der offenen Tür im Museum am Löwentor und im Schloss Rosenstein statt. Bis 22 Uhr gibt es einen Ausklang mit Musik, Programm und Foodtrucks vor dem Schloss Rosenstein. Der Eintritt ist frei.

Hallen voller Saurier, Regal an Regal, 20.000 Insektenkästen, mehr als vier Millionen Exemplare. Schrank an Schrank, 70.000 Präparate von Vögeln. Über eine Million Bögen mit präparierten Pflanzen in Fahrregalanlagen. Alle zwei Jahre öffnet das Naturkundemuseum seine Sammlungsräume, Labore und Werkstätten. Und es ist zu sehen, was sonst nicht zu sehen ist: Der Kosmos hinter den Kulissen der Ausstellungen im Museum am Löwentor und Schloss Rosenstein. Hinter den offenen Türen treffen Besucher auf Forscher und Präparatoren und viele andere Mitarbeiter des Museums – eine wunderbare Gelegenheit, alle Aspekte eines großen naturkundlichen Forschungsmuseums kennen zu lernen und mit den Menschen, die „Museum machen“, ins Gespräch zu kommen.

Bei „Wissenschaft in zehn Minuten“ erhalten Interessierte Einblicke in die Welt der Forscher. Museumstouren mit Quiz für Kinder in beiden Häusern machen den Tag der offenen Tür zum Erlebnistag für die ganze Familie. Das Programm wird abgerundet durch ausgewählte Naturfilme vom NaturVision Filmfestival Ludwigsburg.

Wir würden uns freuen, wenn Ihr Medium auf unseren Tag der offenen Tür hinweist. Zudem sind Pressevertreter herzlich eingeladen, unseren Tag der offenen Tür zu begleiten. Es darf fotografiert werden. Bitte melden Sie sich an der Kasse im Museum am Löwentor.

Ministerpräsident Kretschmann besucht das Naturkundemuseum

Besuch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Staatssekretärin Petra Olschowski im Naturkundemuseum Stuttgart anlässlich des Internationalen Tags der biologischen Vielfalt.

Stuttgart, 22.05.2017

Wir freuen uns sehr, dass Ministerpräsident Kretschmann und Staatssekretärin Olschowski den Internationalen Tag der biologischen Vielfalt zum Anlass nahmen, das Naturkundemuseum Stuttgart zu besuchen und sich bei einem Rundgang durch die Sammlungen und das Gen-Labor über den aktuellen Stand der Biodiversitätsforschung, die Forschungs- und Vermittlungsarbeit am Naturkundemuseum sowie laufende Projekte zu diesem Thema informieren.

Zum Download finden Sie unten eine Pressemitteilung des Staatsministeriums Baden-Württemberg sowie Bildmaterial zum Besuch des Ministerpräsidenten und der Staatssekretärin im Naturkundemuseum.

Bild 1: Staatssekretärin Petra Olschowski, Museumsdirektorin Prof. Johanna Eder, Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Insektenkundler Dr. Arnold Staniczek in der Insektensammlung des Naturkundemuseums Stuttgart, Bild: Max Kovalenko.

Bild 2: Museumsdirektorin Prof. Johanna Eder, Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Insektenkundler Dr. Arnold Staniczek in der Insektensammlung des Naturkundemuseums Stuttgart, Bild: Max Kovalenko.

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung des Bildmaterials nur mit Nennung des Urhebervermerks gestattet ist. Vielen Dank.

Wissenschaftler entdeckten neue fossile Insektenarten im Indischen Bernstein.

Die 54 Millionen Jahre alten Funde liefern neue Erkenntnisse über die geologische Geschichte Indiens.

Stuttgart, 17.05.2017. Cambay Bernstein aus dem Nordwesten Indiens wird zwar erst seit wenigen Jahren wissenschaftlich untersucht. Die darin eingeschlossenen 54 Millionen Jahre alten Insekten haben sich aber immer wieder als wichtiges Puzzleteil in der Debatte um die Entwicklung von Indiens Fauna erwiesen.

Der Indische Subkontinent, welcher einst Teil Gondwanas (Ur-Kontinent) war, trennte sich vor etwa 130 Millionen Jahren von diesem Superkontinent und machte sich auf den Weg Richtung Norden, um etwa 80 Millionen Jahre später mit Asien zu kollidieren. Lange wurde in der Wissenschaft davon ausgegangen, dass Indien während seiner Reise weitestgehend abgeschnitten vom Rest der Welt war, so dass sich eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt entwickelte.

Untersuchungen von fossilen Insekten im Cambay Bernstein liefern allerdings Hinweise darauf, dass es vor der Entstehung des Indischen Bernsteins einen regen Faunenaustausch zwischen Indien und Europa gab. Frauke Stebner, Insektenkundlerin und Bernsteinexpertin, konnte dies in einer Arbeit über die Lygistorrhiniden im Indischen Bernstein zeigen. Bei den Lygistorrhiniden handelt es sich um eine Familie von Zweiflüglern, zu denen die Mücken und Fliegen gehören.

Die Studie führte die Forscherin an der Universität Bonn und im Naturkundemuseum Stuttgart in Zusammenarbeit mit einem internationalen Wissenschaftlerteam durch.

Die Ergebnisse der Untersuchung, die der Theorie eines isolierten Indischen Subkontinents widersprechen, wurden nun in der Fachzeitschrift PeerJ veröffentlicht.

Die heutzutage ausschließlich in tropischen Regionen verbreiteten Lygistorrhiniden sind bisher nur mit sieben ausgestorbenen und acht lebenden Gattungen bekannt. Unter Berücksichtigung der Seltenheit dieser Gruppe hat die Untersuchung von acht Fossilien im Indischen Bernstein eine erstaunliche Vielfalt ergeben: Drei neue Arten aus drei unterschiedlichen Gattungen sind beschrieben worden. Das übertrifft sogar die Artenzahl aus dem wohl bekanntesten fossilen Harz, dem Baltischen Bernstein, aus welchem nur zwei Arten beschrieben sind.

Die neu beschriebenen Fossilien des Cambay Bernsteins zeigen verschiedene Verbreitungsmuster: Indorrhina sahnii ist eine vollkommen neue Gattung und Art, welche nur aus dem Indischen Bernstein bekannt ist, wohingegen Lygistorrhina indica zu einer Gruppe von Zweiflüglern gehört, welche auch in deutlich jüngerem Dominikanischem Bernstein und in heutigen tropischen Regionen vorkommt. Der interessanteste Fund ist vermutlich Palaeognoriste orientale – dieses Fossil aus dem Indischen Bernstein hat seine nächsten Verwandten in etwas jüngerem Baltischem Bernstein aus Europa und untermauert somit die Theorie, dass es vor der Entstehung des Bernsteins einen Faunenaustausch zwischen beiden Regionen gab.

Die Ausbreitungswege der Tiere sind bislang noch unklar. Vorstellbar ist aber, dass die Insekten Inselkettensysteme zwischen Indien und Europa benutzt haben könnten, um sich auszubreiten. Ähnliche Überlegungen lieferte auch schon eine Untersuchung anderer Zweiflügler des Indischen Bernsteins.

Quelle:

PeerJ, DOI 10.7717/peerj.3313

Lygistorrhinidae (Diptera: Bibionomorpha: Sciaroidea) in early Eocene Cambay amber

Frauke Stebner Corresp., 1, 2, Hukam Singh 3, Jes Rust 1, David A Grimaldi 4

1 Steinmann-Institut, Abteilung Paläontologie, Bonn, Germany

2 Department of Entomology, Stuttgart State Museum of Natural History, Stuttgart, Germany

3 Birbal Sahni Institute of Palaeosciences, Lucknow, India

4 American Museum of Natural History, New York, USA

Corresponding Author: Frauke Stebner

https://peerj.com/articles/3313/

Bildmaterial:

Palaeognoriste orientale, eine neu beschriebene Art aus Indischem Bernstein. Die nächsten Verwandten dieser Mücke sind in Baltischem Bernstein aus Europa zu finden. Foto/Urhebervermerk: Frauke Stebner.

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung des Bildmaterials nur mit Nennung des Urhebervermerks gestattet ist. Vielen Dank.

 Kontakt für Fachinformationen:

Frauke Stebner

Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart

Rosenstein 1

70191 Stuttgart

Email: frauke [dot] stebner [at] smns-bw [dot] de

Tel: 0049 (0)711 – 89 36 - 242

Die Evolutionsgeschichte der Wespen, Bienen und Ameisen erstmals entschlüsselt.

GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG

Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig

Naturkundemuseum Stuttgart

Universität Freiburg  

Die Evolutionsgeschichte der Wespen, Bienen und Ameisen erstmals entschlüsselt.

Neuer Stammbaum der Hautflügler trägt zum Verständnis der Artenvielfalt auf unserem Planeten bei.  

(Bonn/Freiburg/Stuttgart 23.03.2017) Mit über 150.000 bekannten Arten stellen Wespen, Bienen und Ameisen, die sogenannten Hautflügler (Hymenoptera), eine der artenreichsten und bekanntesten Insektengruppen dar. Viele Hautflügler haben eine große wirtschaftliche Bedeutung als Bestäuber von Nutzpflanzen oder als Gegenspieler von Schadinsekten. Nun ist es einem internationalen Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter Leitung von Forschern aus Bonn, Freiburg und Stuttgart gelungen, in einer Studie die Entstehungsgeschichte der Hautflügler zu klären und die wichtigsten Evolutionsschritte in der Gruppe zeitlich präzise einzuordnen. Die Arbeit der Biologen wurde in der renommierten Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht und entstand im Rahmen der internationalen Forschungsinitiative 1KITE (1K Insect Transcriptome Evolution; http://www.1kite.org).  

Die Ergebnisse der Wissenschaftler liefern grundlegend wichtige Erkenntnisse zur Entwicklung der Artenvielfalt und zur Entstehung von ökologischen Wechselbeziehungen zwischen Hautflüglern und anderen Tieren sowie Pflanzen. Der aufwändig rekonstruierte neue Stammbaum der Hautflügler erlaubte insbesondere den Ursprung der parasitoiden Lebensweise – eine Form von Parasitismus, bei der sich die Larven der Hautflügler von einem Wirtstier ernähren, das dadurch stirbt – zu klären. Parasitoide Hautflügler tragen in erheblichem Maße zum Erhalt des ökologischen Gleichgewichts auf der Erde bei. Die geschieht z. B. durch die Regulation der Bestände pflanzenfressender Insektengruppen, die sich ohne gegensteuernde parasitoide Wespen unter Umständen explosionsartig vermehren würden. Die Ergebnisse der Forscher legen nahe, dass sich das Heer der heute existierenden parasitoiden Hymenopteren von einem Vorfahren ableitet, der vermutlich bereits vor 247 Millionen Jahren als Holzschädling die Erde bewohnt hat. Wichtig ist hierbei für die Forscher der Übergang von Pflanzen- oder Holzfressern zu parasitoiden Wespen, die sich von anderen Insekten ernähren.

„Ohne Hautflügler sähe unsere Welt völlig anders aus“, erklärt Ralph S. Peters, Leiter der Sektion Hautflügler am Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere in Bonn. „Auch der Mensch hätte, wenn – hypothetisch gesprochen – die Hautflügler von der Erde verschwänden, sehr große Schwierigkeiten bei der Nahrungssicherung und wahrscheinlich auch beim Überleben.“

Das neue Wissen um den Ablauf der Evolutionsgeschichte der Bienen, Wespen und Ameisen leistet einen wesentlichen Beitrag zur biologischen Grundlagenforschung und beantwortet, warum einige Hautflüglergruppen evolutionäre Erfolgsmodelle wurden und andere nicht.  

„Wir wollen ganz generell verstehen, wie die Evolution dieser artenreichen Gruppen abgelaufen ist und benötigen zudem die Ergebnisse, um den direkten Nutzen der Hautflügler für die Menschen richtig einordnen, würdigen und eventuell optimieren zu können“, erläutert Oliver Niehuis, Professor für Ökologie, Evolutionsbiologie und Biodiversität an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.   Die Gruppe der parasitoiden Wespen dominiert in ihrer Artenanzahl die Hautflügler, doch hat eine andere Gruppe den größten Bekanntheitsgrad erlangt: die einen Stachel tragenden Stechimmen. Dazu gehören u. a. die sozialen Faltenwespen, die Bienen und Ameisen. Die Arbeit der Forscher wirft auch Licht auf die Entstehungsgeschichte dieser Gruppe, deren unmittelbare Vorfahren nach den nun vorliegenden Daten vermutlich bereits vor über 190 Millionen Jahren wussten, sich mit Stichen zu wehren. 

„Die Entstehung der großen Vielfalt an Formen, Farben, Lebensweisen und genetischen Variationen, die die Hautflügler hervorgebracht haben, ist etwas, das wir seit Jahrhunderten versuchen zu verstehen“, sagt Lars Krogmann, Experte für Hautflügler am Naturkundemuseum Stuttgart. „Mit dieser Arbeit, in der wir die neuesten Techniken und Methoden im Labor und aufwändige Analysen nutzen, sind wir jetzt bei dieser Insektengruppe ein großes Stück vorangekommen.“  

Um zu den veröffentlichten Ergebnissen zu gelangen, haben die Wissenschaftler die Information von über 3.000 Genen in mehr als 150 unterschiedlichen Arten von Hautflüglern verglichen und ausgewertet. Zudem wurden Fossilbelege in die Analysen einbezogen, die eine Datierung der Stammbäume erlauben. Damit konnten auch Aussagen über das Alter der verschiedenen Hautflüglergruppen gemacht werden. Für alles, was die Forscher bisher noch nicht wissen, stellt die Arbeit ebenfalls einen wichtigen Rahmen dar, beispielsweise um zukünftige Erkenntnisse aus der vergleichenden Erbgutforschung (Genomik und Genetik) richtig zu interpretieren.  

Quelle: Peters RS, Krogmann L, Mayer C, Donath A, Gunkel S, Meusemann K, Kozlov A, Podsiadlowski L, Petersen M, Lanfear R, Diez PA, Heraty J, Kjer KM, Klopfstein S, Meier R, Polidori C, Schmitt T, Liu S, Zhou X, Wappler T, Rust J, Misof B, Niehuis O. 2017. Evolutionary history of the Hymenoptera. Current Biology 27, 1–6 http://dx.doi.org/10.1016/j.cub.2017.01.027  

Kontakt für Fachinformationen:

Dr. Ralph S. Peters, Leiter Sektion Hymenoptera, Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere, Adenauerallee 160, 53113 Bonn, Tel: 0228 / 9122-290, Email: r [dot] peters [at] leibniz-zfmk [dot] de  

Prof. Dr. Oliver Niehuis, Leiter des Lehrstuhls Ökologie, Evolutionsbiologie und Biodiversität Abteilung Evolutionsbiologie und Ökologie Institut für Biologie I (Zoologie) Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Hauptstraße 1, 79104 Freiburg, Tel.: 0761 / 203-2506, Email: oliver [dot] niehuis [at] biologie [dot] uni-freiburg [dot] de  

Dr. Lars Krogmann Entomologe, Experte und Kurator für Hautflügler, Naturkundemuseum Stuttgart, Rosenstein 1, 70191 Stuttgart, Tel: 0711 / 8936-219, Email: lars [dot] krogmann [at] smns-bw [dot] de

Bildmaterial:

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Stuttgarter Forscherin erhält Alexander-von-Humboldt-Gedächtnispreis

Stuttgart/ Frankfurt, 01.12.2016. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, Dr. Manuela Aiglstorfer, wurde am 30.11.2016 gemeinsam mit Gertrud Rößner (München) und Madelaine Böhme (Tübingen) mit dem Alexander-von-Humboldt-Gedächtnispreis der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ausgezeichnet. Die Wissenschaftlerinnen erhielten den Preis für ihre Publikation zu außergewöhnlichen fossilen Säugetier-Funden aus einer Fundstelle in Österreich aus dem späten Mittelmiozän (Gratkorn). Die beschriebenen Fundstücke wurden den Vertretern der damaligen Hirschferkel, Hirsche, Moschustiere, dem Okapi-ähnlichen Palaeomeryx und dem horntragenden Tethytragus zugeordnet. Die Fossilien liefern einen einzigartigen Einblick in die Lebenswelt vor 12 Mio. Jahren vor heute, geben Aufschluss über ökologische Nischen, Nahrungsquellen der damaligen Wiederkäuer und helfen dabei, die Stammesgeschichte der Tiergruppe nachzuvollziehen. Die Ergebnisse ihrer nun ausgezeichneten Forschungsarbeit haben Manuela Aiglstorfer, Gertrud Rößner und Madelaine Böhme in der Senckenberg-Zeitschrift „Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments“ im Jahr 2014 veröffentlicht.

Weitere Informationen:
Dr. Manuela Aiglstorfer ist Wirbeltierpaläontologin. Sie stammt aus dem Meteoritenkrater Nördlinger Ries, studierte an der Ludwig-Maximillians-Universität München und promovierte an der Eberhard Karls Universität Tübingen über die Taxonomie und Paläoökologie der herbivoren Großsäuger der Fundstelle Gratkorn (Österreich). Nach einem wissenschaftlichen Volontariat in der Abteilung Bildung und Öffentlichkeitsarbeit am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart arbeitet sie dort seit 2016 an der Untersuchung der fossilen Großsäuger von Steinheim am Albuch und kooperiert an internationalen Projekten zum  Eurasischen Faunenaustausch während des Miozäns. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt hierbei auf der Phylogenie und Ökologie der Moschustiere.

Der Alexander-von-Humboldt-Gedächtnispreis wurde 1992 vom Ehrenpräsidenten der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Herrn Dr. Hanns Christian Schroeder-Hohenwarth, gestiftet. Mit dem Preis wird der beste wissenschaftliche Artikel in einem Senckenberg-Publikationsorgan geehrt. Der Preis wird einmal jährlich für eine Publikation aus dem Vorjahr verliehen und ist mit 6.000 EUR dotiert.

Kontakt:

Dr. Manuela Aiglstorfer, Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart, Rosenstein 1, 70191 Stuttgart, T: 0711/ 8936-169,  Email: manuela [dot] aiglstorfer [at] smns-bw [dot] de  

Dr. Manuela Aiglstorfer steht Ihnen für Fragen und Interviews gerne zur Verfügung.  

Publikation:

 Manuela Aiglstorfer, Gertrud E. Rössner and Madelaine Böhme (2014), Dorcatherium naui and pecoran ruminants from the late Middle Miocene Gratkorn locality (Austria). Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments 94(1):83-123; DOI: 10.1007/s12549-013-0141-9  

Bildmaterial und die Presseinformationen zum Download finden Sie hier:

http://www.naturkundemuseum-bw.de/service/presse/forschung

Ausstellung Naturdetektive gewinnt Kulturmarken-Award 2016

PM: Die Große Landesausstellung Baden-Württemberg 2016 „NATURDETEKTIVE“ gewinnt den diesjährigen Kulturmarken-Award in der Kategorie „Europäisches Bildungsprogramm des Jahres 2016“.

Stuttgart, 04.11.2016. Die Freude ist groß bei den Museumsverantwortlichen des Naturkundemuseums in Stuttgart. Die derzeit im Schloss Rosenstein laufende Große Landesausstellung Baden-Württemberg „Naturdetektive“ wurde gestern, 03.11.2016, in Berlin mit dem Kulturmarken-Award 2016 ausgezeichnet. Die Ausstellung gewann den 1. Preis in der Kategorie „Europäisches Bildungsprogramm des Jahres“. Der Preis ist im Besonderen eine Auszeichnung für das innovative Vermittlungskonzept der Ausstellung: Die große Detektivrallye für die ganze Familie rund um die Rätsel der Natur macht Wissenschaft erlebbar und begeistert spielerisch für die Tier- und Pflanzenwelt. Ganz besonderen Wert haben die Ausstellungsmacher auf das eigenständige aktive Entdecken und viele Mitmach-Stationen gelegt. Im Vordergrund steht der Spaß, den man beim Spurenlesen und Erkunden hat. Die Besucher sammeln Beweise, ermitteln, sichern Spuren, ordnen Indizien zu, befragen Zeugen und überführen am Schluss die Täter und lösen die Rätsel.

Der Mix aus spannenden Storys aus der Natur, verblüffenden Wendungen und witzigen Auflösungen haben die Jury und die Besucher überzeugt. Die Ausstellung schaffe es, so die Jury, „die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Generationen zu stärken, zwischen Objekt und Besucher zu intensivieren und den Austausch zwischen Museum und Gesellschaft zu fördern“. Die Kulturmarken-Awards wurden in diesem Jahr bereits zum 11. Mal von einer 34-köpfigen Expertenjury aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Medien vergeben.

Stimmen zum Gewinn des Kulturmarken-Awards 2016:

Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg Winfried Kretschmann, Schirmherr der Ausstellung: „‘Warum?‘ ist eine bei Kindern beliebte Frage. Und die Antwort: ‚Das ist halt so‘, stellt kein Kind wirklich zufrieden. Kinder wollen erfassen, begreifen und verstehen. Sie sind schlicht neugierig! Die Große Landesausstellung ‚Naturdetektive’ des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart stillt dank ihres ungewöhnlichen Konzepts auf spielerische Art den natürlichen Wissensdurst der kleinen und großen Besucherinnen und Besucher. Eine wirklich gelungene Ausstellung, für die ich gerne die Schirmherrschaft übernommen habe, und ein würdiger Träger des europäischen Kulturmarken-Awards in der Kategorie ,Bildungsprogramm des Jahres‘. Ich danke und gratuliere dem Staatlichen Museum für Naturkunde und allen Naturdetektivinnen und – detektiven, die die Ausstellung so erfolgreich gemacht haben“.

Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, Theresia Bauer, gratuliert:
„Die interaktive Schau hat durch ein groß angelegtes Detektivspiel und eine tolle Inszenierung zum Mitmachen animiert. So macht Lernen allen Spaß - wenn Wissenschaft zum Erlebnis wird. Eine einzigartige Ausstellung für Neugierige jeden Alters, die diese Auszeichnung verdient hat! Es freut mich deswegen sehr, dass die vom Land Baden-Württemberg geförderte Große Landesausstellung Naturdetektive den Preis ‚Europäisches Bildungsprogramm des Jahres 2016‘ erhalten hat.“

Direktorin des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart, Prof. Dr. Johanna Eder: „Ich freue mich riesig und bin sehr stolz über die Auszeichnung mit dem Kulturmarken-Award 2016. Das außergewöhnliche und innovative Vermittlungskonzept unserer Ausstellung Naturdetektive hat die Jury und unser Publikum überzeugt. Wir nehmen den Preis als Ansporn, weiterhin neue und zeitgemäße Formate zu entwickeln, um unsere naturkundlichen Inhalte einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Die Ausstellung Naturdetektive zeigt, wie viel Spaß Museum machen kann!“

Kurator der Großen Landesausstellung Baden-Württemberg 2016 „Naturdetektive“, Ulrich Schmid, freut sich:
„Die schönste Belohnung für uns als Ausstellungsmacher ist, zu sehen, mit welchem Feuereifer sich alle Besucherinnen und Besucher egal welchen Alters in die kriminalistischen Ermittlungen stürzen und wie viel Spaß sie dabei haben. Wir freuen uns, dass unser Konzept auch die Jury überzeugt hat. Der Preis für die "Naturdetektive" ist ein echtes Sahnehäubchen!“

Die Große Landesausstellung Baden-Württemberg 2016 „Naturdetektive“ steht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Sie wird finanziert vom Land Baden-Württemberg und gefördert durch die Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württemberg und die Baden-Württemberg Stiftung.

Die Ausstellung ist noch bis zum 20.11.2016 im Schloss Rosenstein in Stuttgart zu sehen. Bildmaterial und weitere Information zur Ausstellung finden Sie unten zum Download und unter: www.naturdetektive-stuttgart.de

Bildmaterial:

AURICA_Preis_Kulturmarken_Award_2016.jpg: Beschreibung: Die 23 cm Zentimeter hohe Bronzestatue AURICA wurde gestern an das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart für die Ausstellung Naturdetektive vergeben. Bild/Urhebervermerk: Tobias Wilhelm.

Kurator Ulrich Schmid_Direktorin Johanna Eder_Max Kovalenko.jpg: Beschreibung: Ulrich Schmid, Kurator der Ausstellung und Prof. Dr. Johanna Eder, Direktorin des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart in der Ausstellung Naturdetektive. Bild/Urhebervermerk: Max Kovalenko.

Naturdetektive in der Ausstellung_Max Kovalenko.jpg: Beschreibung: Kinder ermitteln in der Ausstellung Naturdetektive. Bild/Urhebervermerk: Max Kovalenko.

Naturdetektive_Besucher_GLA_T.Wilhelm.jpg: Beschreibung: Besucher in der Ausstellung Naturdetektive. Bild/Urhebervermerk: Tobias Wilhelm.

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung des Bildmaterials nur mit Urhebervermerk gestattet ist. Vielen Dank.

Insektensterben: Resolution von 77 Forschern an die Bundesumweltministerin

GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG: Universität Hohenheim – Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart
         
Alarmstufe Rot – Insektensterben statt Bienentanz: Wissenschaftler fordern Sofortmaßnahmen gegen Artenschwund
Extreme Rückgänge bei Insekten, insbesondere bei Wildbienen / Resolution von 77 Forschern an die Bundesumweltministerin

Stuttgart, 28.10.2016. Ganze Landstriche ohne bestäubende Insekten – in China schon heute Wirklichkeit. Dort müssen Bäume und Pflanzen bereits von Hand bestäubt werden, und in wenigen Jahren könnte es auch in Deutschland so weit sein. Denn neueste Forschungsergebnisse zeigen: Auch bei uns ist der Bestand von Wildbienen und anderen Insekten drastisch gesunken. Wenn dieser Trend sich fortsetze, so Experten, sterben sie in weniger als zehn Jahren aus. Die Folgen wären eine ökologische Katastrophe, die nicht zuletzt massive wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe für die Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion mit sich bringen würde. Daher unterzeichneten 77 Forscher in diesem Monat bei einer gemeinsamen Biologen-Fachtagung des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart und der Universität Hohenheim eine Resolution an Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks und fordern Sofortmaßnahmen, um den drastischen Rückgang von Wildbienen und anderen Insekten zu stoppen.

In ihrer Resolution verlangen die Forscher ein vollständiges Verbot von Insektengiften der Gruppe der Neonicotinoide bis zum wissenschaftlich sauberen Nachweis ihrer Umweltverträglichkeit. Außerdem fordern sie Maßnahmen zur Erhöhung der Strukturvielfalt in der Kulturlandschaft wie eine Verbesserung des Blütenangebots, sowie ein Langzeit-Monitoring von Insekten, insbesondere Wildbienen. Das soll ermöglichen, gefährdete Bestände zukünftig besser zu lokalisieren und rechtzeitig Gegenmaßnahmen einzuleiten.

„Die Experten sind sich einig, dass nur durch schnelles Handeln zum Schutz der Insekten der Artbestand gerettet werden kann. Wir hoffen, dass durch unsere Resolution in der Öffentlichkeit der Ernst der Lage erkannt wird und die Politik Maßnahmen ergreift“, so Dr. Lars Krogmann, Wissenschaftler am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart.

Neonicotinoide schwächen Wildbienen

Um die Jahrtausendwende wurden verstärkt neuartige Insektenvernichtungsmittel eingesetzt: Sie enthalten Neonicotinoide – hochwirksame Pestizide gegen Insekten. Sie gelten als neues Mittel der Wahl gegen Schädlinge wie Blatt- und Schildläuse, Schmetterlinge, Zikaden und Käfer. Auf Honigbienen zeigte das Nervengift zunächst keine tödliche Wirkung. Daher sahen die Verantwortlichen auch keinen Grund, die neuen Pestizide nicht zuzulassen.

Mittlerweile gibt es jedoch zahlreiche Untersuchungen, die Langzeitwirkungen aufzeigen und eine Anreicherung von Neonicotioniden in Ackerböden selbst bei vorschriftsgemäßer Anwendung. Eine aktuelle Studie aber weist nach, dass die Bestände bestimmter Wildbienenarten, die bereits auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen, drastisch zurückgehen: „In manchen Gegenden um bis zu 75 Prozent in einem Zeitraum von 10 Jahren“, erklärt der Tierökologe Prof. Dr. Johannes Steidle von der Universität Hohenheim. „Das ist Alarmstufe Rot.“

Massiver Rückgang von Insektenbeständen

Die Insekten sterben nicht sofort. „Aber offenbar sind sie geschwächt. Ihre Lernfähigkeit ist vermindert, sie können nicht mehr so gut riechen, und es wurde beobachtet, dass bei Honigbienen der Bienentanz gestört ist. Die Folge ist, dass die Populationsgröße immer weiter abnimmt. Wildbienenarten sind aber für die Bestäubung extrem wichtig. Andere parasitische und räuberische Insektenarten sorgen für ein natürliches ökologisches Gleichgewicht, damit Schadorganismen nicht Überhand nehmen. Diese biologische Kontrolle ist in Gefahr“, so Prof. Dr. Steidle.

Forschungsergebnisse der letzten Jahre belegen, dass vor allem die modernen Formen der Landwirtschaft zum Insektensterben beitragen. „Kollegen aus Nordrhein-Westfalen untersuchen Insektenbestände über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren und beobachten, dass immer mehr Arten aussterben und die Insektenzahl insgesamt zurückgeht“, sagt der Entomologe Dr. Krogmann. Die intensive Landwirtschaft führe nicht nur dazu, dass sich die strukturelle Vielfalt der Landschaft reduziert, was fatale Auswirkungen auf die Biodiversität hat. Auch Überdüngung und der Einsatz von Pestiziden setze den Insektenbeständen zu. Diese Entwicklung habe sich seit dem Jahr 2000 dramatisch beschleunigt, wie die neuesten Auswertungen zeigen.

Fachtagung zum Thema Hautflügler

Die Resolution zum Schutz der Insekten wurde im Oktober 2016 bei der 12. Hymenopterologen-Tagung, einer Biologen-Fachtagung zum Thema Hautflügler (zu denen Bienen, Wespen und Ameisen gehören), in Stuttgart unterschrieben. Die 77 anwesenden Experten unterzeichneten die Resolution an die Bundesumweltministerin.

Die Hymenopterologen-Tagung ist die wichtigste Plattform der mitteleuropäischen Experten für Hautflügler und findet alle zwei Jahre statt. Sie dient neben der Präsentation aktueller Forschungsergebnisse auch dem Informations- und Erfahrungsaustausch, der Öffentlichkeitsarbeit und der Netzwerkbildung zwischen den Wissenschaftlern.

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Weitere Informationen, Hintergründe und Bildmaterial finden Sie unten zum Download.

Bildmaterial

Die Mohnbiene (Hoplitis papaveris) beim Blütenbesuch auf Kornblume. Diese Einsiedlerbiene ist bundesweit stark im Bestand gefährdet und eine typische Bienenart der Agrarlandschaft.  Foto: © Rainer Prosi, Crailsheim - Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung des Bildmaterials nur mit Urhebervermerk gestattet ist. Vielen Dank.

Große Landesausstellung "Naturdetektive" verlängert bis 20.11.2016!

Stuttgart, 20.10.2016. Die Große Landesausstellung Baden-Württemberg 2016 „Naturdetektive“ im Schloss Rosenstein wird um zwei Wochen bis zum 20. November 2016 verlängert. Profitieren sollen von dieser Verlängerung unter anderem auch Schulklassen, die nach den Herbstferien nochmals die Möglichkeit haben, in der Ausstellung zu ermitteln und spannende Fälle aus der Natur zu lösen.

Buchung von museumspädagogischen Angeboten, auch für Schulklassen, unter:  0711 – 89 36 – 266. 
Weitere Informationen unter www.naturdetektive-stuttgart.de

Der Wolf ist fertig! Ab dem 29. Oktober 2016 ist zudem der Wolf, der 2015 bei Merklingen überfahren und in den letzten Wochen im Museum präpariert wurde, bis zum Ende der Ausstellung im Schloss Rosensteins zu sehen.

Die Große Landesausstellung Baden-Württemberg 2016 „Naturdetektive“ steht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Sie wird finanziert vom Land Baden-Württemberg und gefördert durch die Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württemberg und die Baden-Württemberg Stiftung.

Weitere Informationen und Bildmaterial finden Sie unten zum Download. 

Bildnachweise:
Kinder im Detektivlabor_Naturdetektive_ Reiner_Pfisterer.jpg, Urhebervermerk: Reiner Pfisterer.
Naturdetektive_Detektivbüro_Reiner_Pfisterer.jpg, Urhebervermerk: Reiner Pfisterer.
Kinder_Rotkäppchen_Tatort_Max_Kowalenko.jpg, Urhebervermerk: Max Kovalenko.

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung des Bildmaterials nur mit Urhebervermerk gestattet. Vielen Dank.

Patient Fischsaurier – Restaurierung gefährdeter Fossilien

Eine Ausstellung im Rahmen der Reihe „museum spezial“ im Museum am Löwentor

Laufzeit: 13.10.2016 – 26.3.2017

Fossilien aus Holzmaden gehören zu den wertvollsten der Sammlung des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart. Bereits im 18. Jahrhundert wurden sie als etwas ganz Besonderes erkannt und seither gezielt gesammelt. Aber was vor 182 Millionen Jahren die Entstehung und sensationelle Erhaltung dieser Fossilien förderte, gefährdet sie heute: die spezielle chemische Zusammensetzung der Sedimente, in denen sie eingebettet sind. Durch den Kontakt der Objekte mit Wasser (es genügt bereits eine hohe Luftfeuchtigkeit) und Sauerstoff bilden sich Eisensulfat und aggressive Schwefelsäure, die sich in das Fossil frisst und es zerstört.


Gefördert von der Kulturstiftung der Länder im Rahmen der Initiative KUNST AUF LAGER rettete die Restauratorin des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart Cristina Gascó Martín historisch und wissenschaftlich wertvolle Fossilplatten aus dem Posidonienschiefer vor dem Zerfall. Wie aufwendig eine solche Rettungsaktion ist, zeigen wir in unserer Ausstellungsreihe „museum spezial“. Wir beleuchten das Thema dabei aus vielen verschiedenen Perspektiven: Wie sind die Fossilien entstanden? Was genau spielt sich ab, wenn sie „erkranken“? Und wie sieht die Heilung aus? Neben sieben „genesenen Patienten“ sehen Sie viele weitere Objekte, darunter auch akut erkrankte, die als nächste auf dem Tisch der Restauratorin landen werden.

Weitere Informationen finden Sie in der Pressemitteilung zum Download.

BILDMATERIAL:

Stenopterygius uniter_SMNS_U.Stübler.jpg: Ichtyosaurier Stenopterygius uniter.

Beschreibung: Das Fossil zeigt eines der am besten erhaltenen Exemplare der selten Art Stenopterygius uniter. Urhebervermerk: SMNS, U. Stübler.

Restaurierung_Fischsaurier_SMNS_U.Stübler.jpg:

Beschreibung: Restaurierung eines Fischsauriers durch die Präparatorin Cristina Gascó Martín. Urhebervermerk: SMNS, U. Stübler.

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung des Bildmaterials nur im Zusammenhang mit der Ausstellung und nur mit Nennung des Urhebervermerks gestattet ist. Vielen Dank.

Weitere Informationen:

http://www.naturkundemuseum-bw.de/sonderausstellungen/ab-131016-patient-fischsaurier

https://smnstuttgart.com/2016/10/10/der-clevere-speiseplan-der-fischsaurier/

https://smnstuttgart.com/2015/11/04/ichthyosaurier-in-gefahr/

225 Jahre Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart

BÜRGERTAG. JUBILÄUMSBAND. AUSSTELLUNG.


BÜRGERTAG

12.06.2016 Museum am Löwentor und im Schloss Rosenstein. Eintritt frei.

Vor 225 Jahren gründete Herzog Carl Eugen das Naturalienkabinett. Heute machen wir Wissenschaft und Ausstellungen mit und für Bürgerinnen und Bürger. Was wäre das Museum ohne sie? Am 12. Juni veranstalten wir darum anlässlich des 225-jährigen Museumsjubiläums einen Bürgertag ab 10 Uhr im Museum am Löwentor und im Schloss Rosenstein. Der Eintritt ist frei  - auch in der aktuellen Großen Landesausstellung Baden-Württemberg 2016 „Naturdetektive“ im Schloss Rosenstein. An diesem Tag steht die Vielfalt des Museums und seiner Besucher im Zentrum.

JUBILÄUMSBAND

Anlässlich des 225-jährigen Jubiläums hat das Museum einen Jubiläumsband herausgegeben, der die Geschichte der Entstehung des Naturalienkabinetts bis hin zum Staatlichen Museum für Naturkunde heute beschreibt. Der Band beinhaltet wichtige Objekte, Persönlichkeiten, Geschichten und Stationen unseres Hauses, beleuchtet die Historie des Naturkundemuseums und ordnet sie in den geschichtlichen Kontext ein.

Der Jubiläumsband kann in den Museumshops im Schloss Rosenstein und im Museum am Löwentor erworben oder direkt über das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart bestellt werden. Preis: 19 Euro.

AUSSTELLUNG

Einige ausgewählte Exponate aus den letzten 225 Jahren, sowie der Jubiläumsband selbst, werden in einer kleinen Ausstellung „Natur – Museum – Geschichte. 225 Jahre Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart“ im Museum am Löwentor präsentiert. Die Ausstellung ist vom 09.06.16 bis 18.09.16 zu sehen.

Eine Pressemitteilung anlässlich unseres 225-jährigen Jubiläums sowie das Programm an unserem Bürgertag finden Sie unten zum DOWNLOAD. Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung des Bildmaterials nur mit Nennung des Urhebervermerks gesattet ist. Vielen Dank.

BILDMATERIAL:

Fossile 1600_SMNS_F.X.Schmidt.jpg: Riesenhirsch (Megaloceros giganteus), Pleistozän, Umgebung von Stuttgart. Ältestes Fossils in den Sammlungen des Museums. Urhebervermerk SMNS, F.X. Schmidt.

Ornithoptera priamus_SMNS_F.X.Schmidt.jpg: Vogelflügler (Ornithoptera priamus), ursprünglich aus der Sammlung von Herzog Paul. Urhebervermerk SMNS, F.X. Schmidt.

Naturdetektive - Große Landesausstellung Baden-Württemberg 2016

Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart - Schloss Rosenstein

Laufzeit verlängert bis 20.11.2016!

Wenn Sie Reporter sind und über die Ausstellung oder direkt von den Tatorten berichten möchten, Bilder und Informationen benötigen oder Zeugen befragen wollen, rufen Sie uns an.

Kontakt für Reporter:

Meike Rech

Tel. 0711- 8936-107

Email: meike [dot] rech [at] smns-bw [dot] de

Weitere Informationen für Reporter finden Sie im Pressebereich der Ausstellungswebsite der Großen Landesausstellung Baden-Württemberg 2016 Naturdetektive unter: www.naturdetektive-stuttgart.de

Informationen zur Verlängerung der Ausstellung und Bildmaterial finden Sie hier:

http://www.naturkundemuseum-bw.de/service/presse/aktuelles

Zavelsteiner Krokus stammt ursprünglich aus Norditalien.

Erbgut-Untersuchungen verschaffen dem Zavelsteiner Krokus eine neue Identität.

Stuttgart,11.03.2016. In diesen Tagen blühen wieder Tausende von Krokussen in Bad Teinach-Zavelstein im Landkreis Calw. Jetzt, im zeitigen Frühjahr, bilden sie eine in Baden-Württemberg einmalige blau-violette Blütenpracht und locken zahlreiche Touristen an. Die größten Bestände befinden sich im Naturschutzgebiet „Krokus-Wiesen“. Schon lange war klar, dass es sich bei diesen Krokussen um keine einheimische Pflanzenart handelt, sondern um verwilderte Exemplare. Wahrscheinlich stammen sie aus den nahegelegenen Gärten der Burg Zavelstein, in denen sie im frühen 19. Jahrhundert gepflanzt wurden. Untersuchungen am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart zeigen, dass die Krokusse ursprünglich aus Italien stammen.

Dr. Mike Thiv, Botaniker am Stuttgarter Naturkundemuseum, führte genetische Untersuchungen am Zavelsteiner Krokus durch und verglich die Ergebnisse mit anderen Arten. Es stellte sich heraus, dass der Zavelsteiner Krokus der Art des sogenannten „Übersehenen Krokus“ (Crocus neglectus) zugeordnet werden kann. Dieser wurde 2014 als neue Art beschrieben und ging wahrscheinlich aus einer natürlichen Kreuzung zwischen dem „Elba-Krokus“ und dem „Frühlings- oder Neapolitanischen Krokus“ hervor.

Die daraus entstandene neue Art, zu der auch der Zavelsteiner Krokus gehört, stammt ursprünglich aus dem nördlichen Italien (Ligurien, Toskana, Emilia-Romagna) und kommt heutzutage aber auch im Elsass, in Österreich und der Tschechischen Republik vor.

Die Bestimmung von Krokussen, die zu den Schwertliliengewächsen gehören, ist nicht einfach. Das Problem in der Identifizierung der Art liegt darin, dass es etliche sehr ähnliche, nahverwandte Krokus-Arten gibt, die nur schwierig voneinander zu unterscheiden sind. Die genetischen Untersuchungen helfen bei der genaueren Bestimmung der Arten.

Weitere Informationen für die Redaktionen:

Wofür ist es wichtig Arten zu bestimmen? Wildpflanzen sind als Sauerstofflieferanten unsere Lebensgrundlage. Die Pflanzendecke kann nur stabil sein, wenn sie möglichst flexibel ist und auf Umwelteinflüsse reagieren kann. Diese Flexibilität wird durch eine hohe Vielfalt verschiedener Arten ermöglicht. Diese Vielfalt zu erkennen und zu erforschen ist ein Beitrag zur Sicherung unserer Existenz auf dem Planeten. In einem umfangreichen Forschungsprojekt hat sich das Staatliche Museum für Naturkunde in Stuttgart die Erfassung und Kartierung der heimischen Flora als Aufgabe gestellt. Mehr als 180 ehrenamtliche Kartierer führen unter Leitung von Dr. Arno Wörz, Botaniker am Museum, und in Kooperation mit der Botanischen Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschlands die Floristische Kartierung Baden-Württembergs durch. Bei dieser Kartierung wird die Pflanzenwelt des Landes in einem Rasternetz (je ca. 5 x 5 km) erfasst. Das Ziel ist es, zu wissen, welche Art wo vorkommt und Untersuchungen zu Verbreitungsmustern, Einwanderungen und Rückgänge von Pflanzenarten vorzunehmen. Der Zavelsteiner Krokus ist auch ein Teil dieser Pflanzenwelt. Um sie zu verstehen und zu schützen, muss man wissen, welche Arten vorhanden sind. In diesem Zusammenhang war die genaue Identität der Zavelsteiner Pflanzen von hohem Interesse.

Erste Ergebnisse der Floristischen Kartierung und Verbreitungskarten können unter www.flora.naturkundemuseum-bw.de/start2.htm eingesehen werden.

Originalartikel:

Die Ergebnisse der Untersuchungen von Dr. Mike Thiv und Dr. Arno Wörz zum Zavelsteiner Korkus wurden veröffentlicht.

Publikation: Thiv, M. & Wörz, A. (2015, erschienen 2016). Die neue Identität des Zavelsteiner Krokus als Crocus neglectus nach DNA-Untersuchungen. Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg. 171: 163-172.

Bildnachweise:

Abbildungen zum  Zavelsteiner Krokus: Urhebervermerk SMNS, Foto: M. Thiv. Die Aufnahmen stammen aus den Jahren 2014/2015.

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung der Bildnachweise nur mit Nennung des Urhebervermerks gestattet ist. Vielen Dank. 

Für weitere Fragen und Interviews stehen Ihnen gerne zur Verfügung:

Dr. Arno Wörz

Staatliches Museum für Naturkunde

Rosenstein 1

70191 Stuttgart

Tel: +49 (0)711-89 36-212

E-mail: arno [dot] woerz [at] smns-bw [dot] de

 

Dr. Mike Thiv

Staatliches Museum für Naturkunde

Rosenstein 1

70191 Stuttgart

Tel: +49 (0)711-89 36-205

E-mail: mike [dot] thiv [at] smns-bw [dot] de

Beide Wissenschaftler sind Botaniker am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart.

Urzeitliche Pollen-Fresser im 99 Mio. Jahre alten Burma-Bernstein entdeckt.

Die neue Ordnung Permopsocida ist ein Missing-Link in der Insekten-Evolution.

Stuttgart, 10.03.2016. Wissenschaftler haben eine neue fossile Insektenart im kreidezeitlichen Burma-Bernstein entdeckt. Die Art erhielt den Namen Psocorrhyncha burmitica und gehört zu einer neuen Ordnung Permopsocida. Eine computergestützte Verwandtschaftsanalyse zeigte, dass diese neue Großgruppe ein evolutionäres Bindeglied – ein „Missing-Link“ - in der Insekten-Evolution darstellt. Die urzeitlichen Pollen-Fresser bestäubten Pflanzen in der Kreidezeit und gehören in die Verwandtschaft der sogenannten Fransenflügler (Thripse) sowie der Pflanzenläuse, Zikaden und Wanzen (Schnabelkerfe). Diese Tiere sind mit über 100.000 Arten heute eine der artenreichsten Insektengruppen.

Im Herbst 2013 entdeckten der am Stuttgarter Naturkundemuseum tätige Wissenschaftler Dr. Günter Bechly und sein gerade zu Besuch weilender französischer Kollege Dr. André Nel in der Bernsteinsammlung des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart einen merkwürdigen fossilen Insekteneinschluss im mittelkreidezeitlichen Burma-Bernstein. Sie erkannten das Tier als ersten Bernsteinfund einer ausgestorbenen Insektengruppe umstrittener Verwandtschaft, die ansonsten nur aus vielen Millionen Jahren älteren Versteinerungen bekannt war. Zufälligerweise am gleichen Tag entdeckte ein Mitarbeiter von Dr. Nel, der gerade in China auf Forschungsreise war, in einer chinesischen Bernstein-Sammlung zwei weitere Einschlüsse der gleichen Art.

Eine Forschergruppe von 17 Wissenschaftlern aus 7 Ländern, darunter auch drei Wissenschaftler des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart - Dr. Günter Bechly, Dr. Arnold Staniczek und Dr. Lars Krogmann - machte sich danach gemeinsam an die Untersuchung dieser sensationellen Funde. Die außergewöhnlich gute Erhaltung der Fossilien im Bernstein erlaubte eine Beschreibung feinster anatomischer Details wie es nur selten bei fossilen Insekten möglich ist. Dazu verwendeten die Forscher modernste Untersuchungsverfahren. Es gelang den Wissenschaftlern sogar, Blütenstaub als Mageninhalt zu erkennen und zu extrahieren. Der entnommene Mageninhalt konnte unter dem Rasterelektronenmikroskop untersucht werden und als Pollen eines Tupelogewächses bestimmt werden. Dadurch erwiesen sich die Tiere als potentielle Bestäuber dieses Gewächses und als frühe Blütenbesucher aus einem Abschnitt der Erdgeschichte, in der die gemeinsame Evolution von Blütenpflanzen und bestäubenden Insekten gerade in Gang gekommen war. In der Folge führte dies zu einer explosiven Entfaltung beider Organismengruppen.

Die Permopsocida waren jedoch noch eine eher unspezialisierte und artenarme Gruppe, die zwar mindestens 185 Millionen Jahre lang existierte, aber während der oberen Kreidezeit vor 65 Mio. Jahren schließlich ausstarb. Wahrscheinlich weil sie durch modernere Blütenbestäuber wie Schmetterlinge und Bienen verdrängt wurde.

Die mit der Gruppe nahe verwandten Schnabelkerfe sind hingegen wegen ihrer stechend-saugenden Mundwerkzeuge oftmals Schädlinge oder Krankheitsüberträger und daher auch für den Menschen von großer Bedeutung. Die Untersuchung des Aufbaues der Mundwerkzeuge des fossilen Pollen-Fressers Psocorrhyncha burmitica lieferte auch wichtige Hinweise zur Evolution des spezialisierten Saugrüsselapparates der Pflanzenläuse, Zikaden und Wanzen aus ursprünglich kauenden Mundwerkzeugen. Die Forscher identifizierten die stechend-saugenden Mundwerkzeuge als evolutionäre Schlüsselinnovation dieser Insekten, die eine der Hauptursachen für den enormen Artenreichtum der Schnabelkerfe sein dürfte.

Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden in der renommierten Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

Weitere Informationen für die Redaktionen:

Originalartikel:

HUANG, D., BECHLY, G., NEL, P., ENGEL, M.S., PROKOP, J., AZAR, D., CAI, C.-Y., VAN DE KAMP, T., STANICZEK, A., GARROUSTE, R., KROGMANN, L., DOS SANTOS ROLO, T., BAUMBACH, T., OHLHOFF, R., SHMAKOV, A., BOURGOIN, T. & NEL, A. (2016): New fossil insect order Permopsocida elucidates major radiation and evolution of suction feeding in hemimetabolous insects (Hexapoda: Acercaria). Scientific Reports, 6: 23004.

Abrufbar unter: www.nature.com/articles/srep23004

Bildnachweise:

Bild1_Permopsocida_Burma_Bernstein_SMNS_K. Wolf-Schwenninger.jpg: Makroaufnahme einer Inkluse im Burma-Bernstein von Psocorrhyncha burmitica, 99 Mio. Jahre alt. Urhebervermerk: SMNS, K. Wolf-Schwenninger (SMNS)

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung der Bildnachweise nur mit Nennung des Urhebervermerks gestattet ist.

Untersuchungsverfahren:

Die genaue Analyse und anatomischen Vergleiche der fossilen Insekten waren nur durch modernste Untersuchungsverfahren möglich. Die Wissenschaftler verwendeten Verfahren wie die Synchrotron-Computertomografie, Floureszenzmikroskopie und Laserkonfokalmikroskopie sowie die Rasterelektronenmikroskopie. Der Mageninhalt der fossilen Insekten konnte aufgrund eines eigens dafür neu entwickelten Präparationsverfahrens aus dem Bernstein extrahiert werden.

Für weitere Fragen und Interviews steht Ihnen gerne zur Verfügung:

Dr. Günter Bechly

Staatliches Museum für Naturkunde

Rosenstein 1

70191 Stuttgart

Tel: +49 (0)711- 89 36-242

E-mail: guenter [dot] bechly [at] smns-bw [dot] de

 Dr. Günter Bechly ist Kurator für Bernstein und fossile Insekten am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart.

Pressemitteilung: Veränderungen in der Pflanzenwelt von Baden-Württemberg

Unter der Federführung des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart erfassen mehr als 180 Ehrenamtliche zum zweiten Mal alle Pflanzen in Baden-Württemberg. Forscher des Naturkundemuseums können so die Auswirkungen des Klimawandels und des Menschen auf die regionale Pflanzenwelt erforschen. Zahlreiche gefährdete Arten nehmen weiterhin ab. Neue, wärmeliebende Pflanzen breiten sich aus.

Stuttgart, 15.01.2016. Eine erste Erfassung aller Pflanzenarten Baden-Württembergs erfolgte bereits von 1970 bis in die 1990er Jahre. Derzeit läuft eine neue Phase der sogenannten Floristischen Kartierung des Landes. Das lässt vergleichende Aussagen über die sichtbaren Änderungen der Pflanzenwelt in Baden-Württemberg in den letzten Jahrzehnten zu. Die Botaniker Dr. Arno Wörz und Dr. Mike Thiv vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart stellen in einer vergleichenden Studie eine Reihe von Tendenzen und Veränderungen fest. Viele heimische Arten, die schon seit langem auf der Roten Liste gefährdeter Pflanzenarten stehen, nehmen weiterhin kontinuierlich ab. Beispiele hierfür sind Frauenschuh, Arnika, Bärlappe, Lungenenzian oder Fleischfarbenes Knabenkraut. Gleichzeitig nehmen neue Arten, die aus anderen Ländern stammen, kontinuierlich zu. Diese sogenannten Neophyten wachsen meist an stark vom Menschen beeinflussten Stellen wie in Städten, an Parkplätzen, auf Bahnschotterflächen oder Straßenrändern. Eine starke Ausbreitung ist beispielsweise für das aus Südafrika stammende Schmalblättrige Greiskraut oder das Indische Springkraut erkennbar. Die Forscher stellten außerdem fest, dass wärmeliebende heimische Arten, wie die Riemenzunge, deutlich zunehmen. Arten, die kühlere Standorte bevorzugen, z.B. der Jura-Streifenfarn oder Flachbärlappe, nehmen hingegen ab. Auch nährstoff- und vor allem stickstoffliebende Arten nehmen zu, während die Arten nährstoffarmer Stellen, von denen viele auf der Roten Liste stehen, ebenfalls abnehmen.

Wodurch werden diese Veränderungen der Pflanzenwelt verursacht? Der Klimawandel spielt hier eine wichtige Rolle. Aber gibt es auch noch weitere Faktoren? Genauso wichtig ist die übermäßige Nährstoffzufuhr durch Düngung, überwiegend aus der Landwirtschaft und die zunehmende Urbanisierung in Baden-Württemberg, die vor allem die Ausbreitung neuer Arten begünstigt und seltene zurückdrängt. „Naturschutzmaßnahmen sollten sich neben dem Klimaschutz also auch auf den Flächenverbrauch und Nährstoffeinträge konzentrieren. Sonst bleibt zwischen Überdüngung, Bautätigkeit und  Klimawandel für seltene heimische Pflanzen nur noch wenig Platz“, so der Botaniker Dr. Mike Thiv.

Die Erfassung aller Pflanzen und deren Standorte in ganz Baden-Württemberg ist ein Projekt, das durch die Mitwirkung von mehr als 180 Ehrenamtlichen möglich ist. Unter der Federführung von Dr. Arno Wörz und in Kooperation mit der Botanischen Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschland wird die zweite Floristische Kartierung des Bundeslandes durchgeführt. In akribischer Arbeit werden - Rasterfeld für Rasterfeld - die Standorte von Pflanzen im ganzen Land vermerkt. Das Projekt wird vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg unterstützt. „Die erneute Erfassung der Pflanzen lässt einen zeitlichen Vergleich zu. Nur so können wir die Unterschiede auf regionaler Ebene feststellen. Die ersten Ergebnisse liegen nun vor. Die Daten werden die Grundlage für weitere Analysen sein“, so Dr. Arno Wörz. Ziel ist es, zu erkunden, welche Art wo vorkommt und Untersuchungen zu Verbreitungsmustern, Einwanderungen und Rückgängen von Pflanzenarten vorzunehmen. So können Empfehlungen für Naturschutzmaßnahmen ausgesprochen werden. Die Daten werden an Naturschutzbehörden (LUBW) weitergeleitet und stehen ferner für Forschungszwecke zur Verfügung.

Die Ergebnisse der Datenerhebung werden zudem in Floristischen Karten festgehalten  (www.flora.naturkundemuseum-bw.de). Die Karten zeigen unter anderem die Ausbreitung von neuen Arten - wie beispielsweise dem Schmalblättrigen Greiskraut - entlang der Autobahnen, wie der A 81 und A5. Damit wird gezeigt, dass Veränderungen in der Flora in relativ kurzer Zeit möglich sind.
Weitere Informationen für die Redaktionen:

Originalartikel:

Die Untersuchung wurde in der Zeitschrift Flora veröffentlicht.
Wörz, A. & Thiv, M. The temporal dynamics of a regional flora—The effects of global and local impacts. Flora-Morphology, Distribution, Functional Ecology of Plants 217, 99-108 (2015). 

Bildnachweise:
Fotos:Greiskraut.jpg: Das Schmalblättrige Greiskraut kommt ursprünglich aus Südafrika und breitet sich in Europa aus. Foto/Urherbervermerk: Samuel Hoffmeier.
Frauenschuh.jpg: Der geschützte Frauenschuh wird in heimischen Wäldern immer seltener. Foto/Urherbervermerk: SMNS, Mike Thiv.

Verbreitungskarte:
Floristische Karte-Ausbreitung_Greiskraut.jpg: Die Karte zeigt die Verbreitung des Schmalblättrigen Greiskraut entlang der A 81 und A5. Foto/Urherbervermerk: SMNS.

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung der Bildnachweise nur mit Nennung des Urhebervermerks gestattet ist. Vielen Dank.

Für weitere Fragen und Interviews stehen Ihnen gerne zur Verfügung:

Dr. Arno Wörz
Staatliches Museum für Naturkunde
Rosenstein 1
70191 Stuttgart
Tel: +49 (0)711-89 36-212
E-mail: arno.wörz [at] smns-bw [dot] de

Dr. Mike Thiv
Staatliches Museum für Naturkunde
Rosenstein 1
70191 Stuttgart
Tel: +49 (0)711-89 36-205
E-mail: mike [dot] thiv [at] smns-bw [dot] de

Beide Wissenschaftler sind Botaniker am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart.
www.naturkundemuseum-bw.de

Floristische Kartierung Baden-Württembergs:

Verbreitungskarten und Informationen zur Floristischen Kartierung Baden-Württembergs und die „TOP-100 in Baden-Württemberg“ finden Sie unter:
www.flora.naturkundemuseum-bw.de/start2.htm

Pressemitteilung: Jurassic Sea: Forscher klären Aussterben vieler Tiere im Jurameer auf

Klimawandel im Jura. Vor 174 Mio. Jahren verschwinden plötzlich viele Meerestiere der „Jurassic Sea“. Forscher wissen nun warum.

Stuttgart, 12.01.2016. Klimawandel gab es im Laufe der Erdgeschichte immer wieder. Selbst erdgeschichtliche Perioden, die man lange Zeit eher als stabil und ausgesprochen warm betrachtete, wie die Jura-Zeit, zeichneten sich durch dramatische Temperaturwechsel aus. Viele Tiere des Jurameers waren von den Klimaschwankungen betroffen. Schon lange war Wissenschaftlern aufgefallen, dass es jurazeitliche Gesteinsschichten gibt, in denen die Artenvielfalt der schalentragenden Meeresfossilien, wie Muscheln, Belemniten oder urzeitliche Schnecken auf ein Minimum abnimmt. Jetzt wissen sie endlich warum.

Ein Forscherteam um den an der Universität Kopenhagen tätigen Geowissenschaftler Dr. Christoph Korte – 1990 übrigens Weltmeister im legendären Deutschlandachter der Ruderer – analysierte die Veränderungen der Verbreitung von marinen Lebewesen speziell im Zeitabschnitt an der Wende vom Unter- zum Mitteljura (vor ca.174 Mio. Jahren). Auch Dr. Günter Schweigert, ein Spezialist für jurazeitliche Meerestiere am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, war an den Untersuchungen beteiligt.

Durch die Analyse von Isotopensignalen von Fossilproben konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass die Temperatur des Meerwassers von fast tropischen Verhältnissen in kurzer Zeit um bis zu 10° Celsius abgesunken war - und das europaweit. Als Steuerungsmechanismus hinter dieser Temperaturschwankung vermuten die Forscher ein Strömungssystem, das warmes Meerwasser durch eine schmale Meeresstraße, den Viking-Korridor, bis in hohe Breiten beförderte. Durch eine tektonische Hebung im Gebiet der heutigen Nordsee wurde diese warme Meeresströmung abgeschnitten und es kam zu einer globalen Abkühlung. Klimaforscher sprechen von einer „Icehouse-Phase“.

In der Folge verschwanden beispielsweise diejenigen Meerestiere aus dem Gebiet des heutigen Süddeutschlands, die an die warmen Bedingungen angepasst waren. Sie zogen sich entweder weiter nach Süden zurück oder starben aus. Darunter waren nicht nur Meeresmuscheln, Meeresschnecken und Belemniten sondern auch Fische, Krokodile und Fischsauriergruppen.

Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

Weitere Informationen für die Redaktionen:

Originalartikel:

Korte, C., Hesselbo, S.P., Ullmann, C.V., Dietl, G., Ruhl, M., Schweigert, G. & Thibault, N. (2015): Jurassic climate mode governed by ocean gateway. – Nature Communications, 6: 10015; DOI 10.1038/NCOMMS10015

http://www.nature.com/ncomms/2015/151211/ncomms10015/full/ncomms10015.html

Bildmaterial:

Toarctocera.jpg: Die Pelikanfuß-Schnecke Toarctocera starb im frühen Mitteljura aus, nachdem die Meerwassertemperatur dramatisch abgefallen war. Höhe der Schnecke 3,5 cm. Foto/Urhebervermerk: SMNS, G. Schweigert. Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung der Bildnachweise nur mit Nennung des Urhebervermerks gestattet ist. Vielen Dank. 

Für weitere Fragen und Interviews stehen Ihnen gerne zur Verfügung:

Dr. Günter Schweigert
Staatliches Museum für Naturkunde
Rosenstein 1
70191 Stuttgart
Tel: +49 (0)711- 89 36-147
E-mail: guenter [dot] schweigert [at] smns-bw [dot] de

Dr. Günter Schweigert ist Paläontologe am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart.
www.naturkundemuseum-bw.de

Sonderausstellung: Bestiarium Construendum

Museum am Löwentor, Laufzeit 19.11.2015 bis 14.02.2016.

Was aussieht wie Stein lässt sich von jedem Kind problemlos stemmen. Und wenn’s zu sperrig wird oder zu hoch hilft man sich gegenseitig; zu zweit oder dritt kriegt man den Kopf bestimmt auf den Körper! Sitzt er dann oben, hält ihn ein Magnet an Ort und Stelle.

Sieben überdimensionierte Skulpturen hat der in Helsinki lebende Künstler Alexander Reichstein für diese Ausstellung geschaffen: Löwe, Adler, Fisch, Krokodil, Pferd, Schlange und Mensch. Alle bestehen aus mehreren Einzelteilen, die sich beliebig zusammenstellen lassen. So entstehen ständig neue Chimären: Vorbilder gibt es in der Mythologie genug: Seejungfrauen, Pegasus und Minotaurus. Aber der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die Zahl der Möglichkeiten ist damit nicht ganz unendlich, aber doch ziemlich groß. Bestiarium Construendem – eine Ausstellung, die Kinder ebenso inspiriert wie Erwachsene: „Art for kids and parents“.

Die Mitmach-Ausstellung "Bestiarium Construendum" ist nur für angemeldete Gruppen zugänglich. Eine Anmeldung ist unter 0711/8936 – 126 möglich (Telefonzeiten: Mo, Mi, Do 14:00 – 16:30, Di, Fr 9:30 – 12:00). Wir bitten hierfür um Verständnis.

Weitere Informationen:

Laufzeit der Ausstellung: 19.11.2015 – 14.02.2016.

Ort: Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart – Museum am Löwentor.

Eintrittspreise: 5 Euro Erwachsene, 3 ermäßigt, 11 Euro Familien.

Öffnungszeiten: Di – Fr: 9 – 17 Uhr, Sa, So, Feiertage: 10 – 18 Uhr, Montag geschlossen.

BILDMATERIAL: Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung und Veröffentlichung des Bildmaterials nur für Pressezwecke im Zusammenhang mit der Ausstellung und nur mit Nennung der Copyright-Zeile: © Alexander Reichstein gestattet ist. Vielen Dank.

Pressekontakt: Meike Rech, Tel. 0711 – 89 36 – 107, E-Mail: meike [dot] rech [at] smns-bw [dot] de

Sonderausstellung: Champion Trees

Schloss Rosenstein, Laufzeit 08.10.2015 bis 03.01.2015

Bäume wecken Emotionen. Tief in der Mythologie vieler Kulturen verwurzelt faszinieren sie auch den aufgeklärten Menschen von heute. Wenn Hand angelegt wird an uralte Baumpersönlichkeiten gehen auch Menschen auf die Barrikaden, die sich vorher noch nie öffentlich empört haben – das wissen wir spätestens, seit im Stuttgarter Schlossgarten mehrhundertjährige Bäume für das Jahrhundertprojekt eines neuen Bahnhofs fielen. Alte Bäume beeindrucken nicht nur durch ihre schiere Dimension. Viele sind durchs Leben gezeichnete, knorrige Individuen. Noch im Verfall zeigen sie Größe, und für Unmengen von Vögeln, Fledermäusen und Insekten werden sie erst dann richtig interessant.

„Champion Trees“ - Rekordbäume: Das sind besonders große, besonders eindrucksvolle Bäume. Über 100 Meter hoch können sie werden, 1400 Tonnen schwer, bis zu 6000 Jahre alt. Das heißt: Die ältesten Bäume haben ihre Jugend in der Steinzeit verbracht!

Diese imposanten Baumriesen setzt Bernhard Horstmann ins richtige Format. Seine Baumbilder sind drei Meter hoch – wie geschaffen für den Festsaal im Schloss Rosenstein. Die brillanten Fotos entstanden mit Großformat-Kameras auf analogem Film. Horstmann bewundert die Bäume auch als Ingenieur: „Besonders interessant gestaltet sich die Materialverteilung beim Übergang vom Ast zum Stamm, wie die Natur ohne FEM-Analyse [also ohne komplizierte Berechnungen] die korrekte Spannungsverteilung ermittelt.“ 34 seiner Baumbilder sind im Schloss Rosenstein zu sehen.

Für die „Champion Trees“ hat Bernhard Horstmann auch einen Baumriesen aus dem Rosenstein-Park porträtiert: Eine Eiche. Nur eine von zahlreichen eindrucksvollen Baumgestalten, die dieses Stuttgarter Kleinod prägen. Vergleicht man drinnen (die Ausstellung) mit draußen (dem Park) sieht man: Die Bäume rund um das Schloss Rosenstein bestehen auch im internationalen Vergleich.

Weitere Informationen:

Laufzeit der Ausstellung: 08.10.2015 – 03.01.2016

Ort: Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart – Schloss Rosenstein.

Eintrittspreise: 5 Euro Erwachsene, 3 ermäßigt, 11 Euro Familien

Öffnungszeiten: Di – Fr: 9 – 17 Uhr, Sa, So, Feiertage: 10 – 18 Uhr, Montag geschlossen

BILDMATERIAL: Bildmaterial erhalten Sie gerne auf Anfrage. Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung und Veröffentlichung des Bildmaterials nur für Pressezwecke im Zusammenhang mit der Ausstellung Champion Trees und nur mit Nennung der Copyright-Zeile: © Bernhard Horstmann gestattet ist. Vielen Dank.

Pressekontakt: Meike Rech, Tel. 0711 – 89 36 – 107, E-Mail: meike [dot] rech [at] smns-bw [dot] de

Entdeckung einer neuen Familie der Großschmetterlinge

Ein Schmetterling sucht seine Verwandten: Nach langem Rätseln um einen Nachtfalter haben Wissenschaftler mithilfe der Methoden der integrativen Taxonomie nun die neue Schmetterlingsfamilie Pseudobistonidae beschrieben.

Stuttgart/Bonn, 16. Juli 2015. Eine neue Familie der Großschmetterlinge „Pseudobistonidae“ wurde von einem internationalen Forscherteam, unter ihnen Biologen aus den Naturkundemuseen in Stuttgart und Bonn, beschrieben und jetzt in der Fachzeitschrift Zoologica Scripta veröffentlicht.

Von der Entdeckung einer Art über ihre wissenschaftliche Beschreibung bis hin zu ihrer verwandtschaftlichen Einordnung können viele Jahre vergehen. Bei der neuen Großschmetterlingsfamilie Pseudobistonidae dauerte die  Erforschung 26 Jahre. Die Ausdauer der Wissenschaftler wurde belohnt. Die letzte Beschreibung einer neuen Familie der Großschmetterlinge liegt über 20 Jahre zurück. Daher ist es für die Biologen eine Sensation, dass nun wieder eine neue Familie entdeckt wurde. Erst neue wissenschaftliche Untersuchungsmethoden konnten das Rätsel um die Schmetterlinge lüften.

Das erste Exemplar des Schmetterlings Pseudobiston pinratanai wurde bereits 1989 in Nordthailand gefangen und 1994 von einem japanischen Schmetterlingsexperten beschrieben. Es handelte sich bei dem Tier um eine bisher unbekannte Art und Gattung. Unklar war aber, zu welcher Familie die neue Gattung gehörte. Die Merkmalskombination von Pseudobiston pinratanai ließ keine widerspruchsfreie Einordnung in das System der Großschmetterlinge zu. Da zunächst kein genetisches Material für Analysen zur Verfügung stand, kamen die Wissenschaftler lange Zeit einer Lösung des Rätsels um den Schmetterling nicht näher. Dies änderte sich in den letzten Jahren. Für eine umfassende Studie konnten die Biologen sowohl morphologische Analysen (aus dem Vergleich von Merkmalen) als auch genetische Daten verwenden.

„Die Untersuchungen zeigen, wie wichtig die Synthese vergleichender und molekulargenetischer Verfahren bei der Bestimmung von Arten ist. Das Zusammenspiel von verschiedenen Methoden, die integrative Taxonomie, ist eine Kernkompetenz der naturkundlichen Forschungsmuseen. Die Entdeckung von Pseudobistonidae macht außerdem deutlich, wie gewinnbringend Kooperationen der Naturkundemuseen untereinander sind. Ich gratuliere den Kollegen zu diesem großartigen Erfolg“, so Johanna Eder, die Direktorin des Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart. „Integrative Taxonomie ist muss gleichzeitig als wichtiges und innovatives Instrumentarium gesehen werden, das geeignet ist, neue ökologische Fragestellungen zu erkennen“, ergänzt Prof. Dr. Bernhard Misof, stellvertretender Direktor am Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere in Bonn.

Wie gingen die Wissenschaftler genau vor? Zunächst integrierten sie die aus den Genen der Schmetterlingsart gewonnen Daten in die bisherigen genetischen Vergleichsstudien der Großschmetterlinge und berechneten deren Verwandtschaftsverhältnisse neu. Das Ergebnis bestätigte, was die Experten bereits vermutet hatten: Pseudobiston pinratanai gehörte nicht in die Schmetterlingsfamilie der sogenannten Spanner (Geometridae). Stattdessen – und dies war eine große Überraschung – legten die Ergebnisse eine enge Verwandtschaft mit einer artenarmen asiatischen Familie, den Epicopeiidae, nahe. In einem zweiten Teil der Studie versuchte das Team, gemeinsame morphologische Merkmale zu finden, um die Ergebnisse aus der genetischen Untersuchung zu bestätigen. So verglichen sie den kompletten Körperbau, besonders Merkmale auf Kopf, Brust und Flügeln fast aller Familien der Großschmetterlinge miteinander. Die Forscher fanden bei dieser Untersuchung zum einen Merkmale, welche die enge Verwandtschaft zu den Epicopeiidae tatsächlich bestätigte. Zum anderen konnten sie für Pseudobiston pinratanai einzigartige Merkmale nachweisen, die zu dessen Klassifizierung in eine ganz neue Familie der Schmetterlinge, den Pseudobistonidae, führte.

Zusammen mit Kollegen aus den Naturkundemuseen in Bonn und Paris sowie den Universitäten in Wien und Turku arbeitete auch der Schmetterlingsexperte am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, Dr. Hossein Rajaei, ab 2012 an der Erforschung der rätselhaften Art mit. „Durch die umfangreichen Untersuchungen konnten wir verwandtschaftliche Beziehungen und weitere Merkmale erforschen, was uns in der Evolution und Stammesgeschichte der Schmetterlinge neue Hinweise geliefert hat. Die Entdeckung der neuen Großschmetterlingsfamilie ist für mich natürlich spektakulär“, freut sich der Entomologe. Zwei Exemplare der neuen Familie befinden sich in den Sammlungen des Stuttgarter Naturkundemuseums.

Quelle: Hossein Rajaei, Carola Greve, Harald Letsch, Dieter Stüning, Niklas Wahlberg, Joël Minet und Bernhard Misof: Advances in Geometroidea phylogeny, with characterization of a new family based on Pseudobiston pinratanai (Lepidoptera, Glossata). Zoologica Scripta. Volume 44, Issue 4, pages 418–436, July 201.http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/zsc.12108/abstract

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung der Bildnachweise nur mit Nennung des Urhebervermerks gestattet ist. Vielen Dank.

An der Veröffentlichung waren beteiligt: 

Dr. Hossein Rajaei, Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart, Germany; Dr. Carola Greve, Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Bonn, Germany; Dr. Harald Letsch, University of Vienna, Vienna, Austria; Dr. Dieter Stüning, Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Bonn, Germany; Prof. Niklas Wahlberg, University of Turku, Finland; Prof. Joël Minet, Museum National d’Histoire Naturelle, Paris, France; Prof. Bernhard Misof, Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Bonn, German.

 

Älteste Schildkröte der Welt in Deutschland entdeckt.

Ein neues Missing Link klärt den Ursprung der Schildkröten. Der Sensationsfund einer 240 Mio. Jahre alten Ur-Schildkröte in Baden-Württemberg (Vellberg) schließt eine weltweite Fundlücke.

Stuttgart, 24. Juni 2015. Am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart haben Forscher eine international bedeutende Entdeckung gemacht. Bei Grabungen des Museums in Vellberg (Baden-Württemberg) wurden zahlreiche fossile Skelettreste geborgen. Deren wissenschaftliche Untersuchung zeigte, dass sich darunter ein weltweit einzigartiger Fund befand, der den Ursprung der Schildkröten klärt: Das Fossil einer 240. Mio. Jahre alten Ur-Schildkröte. Die neue Art bildet ein perfektes Bindeglied zwischen den frühen Echsen und den Schildkröten, ein sogenanntes Missing Link. Die Paläontologen Dr. Rainer Schoch vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart und Prof. Dr. Hans-Dieter Sues vom Smithsonian Institution - National Museum of Natural History in Washington haben nun ihre Untersuchungsergebnisse hierzu in der renommierten Zeitschrift Nature veröffentlicht und die Ur-Schildkröte Pappochelys wissenschaftlich beschrieben.

Der Ursprung der Schildkröten war ein jahrhundertealtes Rätsel, das wegen fehlender Fossilfunde kontrovers diskutiert wurde. Zuletzt schienen sich genetische Daten und Fossilfunde unversöhnlich gegenüber zu stehen. Bisher galt die 220 Mio. Jahre alte Ur-Schildkröte Odontochelys aus China als ältester Nachweis der panzertragenden Reptilien. Bei diesem Tier war der Bauchpanzer bereits vollständig verknöchert, während der Rückenpanzer nur aus verbreiterten Rippen bestand. Solche Rippen kannte man zwar auch von einem 260 Mio. Jahre alten Reptil (Eunotosaurus), doch blieb die Entstehung des Schildkröten-Bauplans im Dunkeln. Im Unterschied zu Odontochelys waren bei der Vellberger Ur-Schildkröte die Bauchrippen noch nicht zu einem Panzer verschmolzen. Die Kiefer trugen Zähne und der Schädel weist zwei große Öffnungen in der Schläfe auf.

Diese anatomische Konstruktion ermöglicht es, den Ursprung der Schildkröten in die nähere Verwandtschaft der Echsen, Krokodile und Vögel zu stellen – eine Alternative zu der Hypothese, dass Schildkröten von sehr urtümlichen Sauriern abstammen. „Das geologische Alter der Ur-Schildkröte passt genau in die zeitliche Lücke, in der man solche Übergangsformen erwartet hatte. So ein herausragendes Fossil findet man, wenn überhaupt, nur einmal im Leben. Die neuen Funde schlagen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie klären, wie der Bauchpanzer entstand und wie der Schädel der Schildkröten ursprünglich ausgesehen hat und sind daher von großer wissenschaftlicher und evolutionsbiologischer Bedeutung“, betont Dr. Rainer Schoch.

Die Vellberger Ur-Schildkröte war ein 20 cm langes, echsenartiges Tier, das in und um einen kleinen Süßwassersee lebte. Ähnlich wie heutige Galapagosechsen scheint sich die kleine Ur-Schildkröte gern im Wasser aufgehalten zu haben. Die schwer gebauten Rippen und Bauchrippen ermöglichten es ihr, tiefer zu tauchen und vielleicht länger im Wasser zu bleiben als gewöhnliche Echsen. Das deutet darauf hin, dass der Schildkrötenpanzer ursprünglich im Wasser entstanden sein könnte, wie die chinesischen Funde von Odontochelys bereits vermuten ließen. Die fossile Ur-Schildkröte Pappochelys befindet sich nun in der wissenschaftlichen Sammlung des Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart.

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Bildmaterial:

Bild 1: Bild1_Ur-Schildkröte_Fossil_Schoch.jpg: Urhebervermerk/Copyright: SMNS, R. Schoch.
Beschreibung: Die meisten Funde von Pappochelys bestehen aus zerlegten Skeletten, die vermutlich von Raubtieren zerbissen oder sogar verschlungen und wieder ausgespien wurden.

Bild 2: Bild2_Ur-Schildkröte_Zeichnung_Schoch.jpg: Urhebervermerk/Copyright: SMNS, R. Schoch.
Beschreibung: Pappochelys dürfte einer kräftig gebauten Echse ähnlich gesehen haben. Ein wesentlicher Unterschied waren ihre verbreiterten Rippen, die sich vermutlich unter den Hautschuppen abzeichneten.

Bild 3: Bild3_Ur-Schildkröte_Rekonstruktion_Schoch.jpg: Urhebervermerk/Copyright: SMNS, R. Schoch.
Beschreibung: Pappochelys hatte bereits zahlreiche Merkmale von Schildkröten: Verbreiterte Rippen, verschmolzene Bauchrippen und ein schlankes Schulterblatt innerhalb des Rippenkorbes waren dabei die wichtigsten.

Bild 4: Bild4_Ur-Schildkröte_Zeichnung_Skelett_Schoch.jpg: Urhebervermerk/Copyright: SMNS, R. Schoch.
Beschreibung: Das Skelett von Pappochelys war zwar echsenähnlich (langer Schwanz, kleiner Kopf), doch die verbreiterten Rippen und Bauchrippen zeigen, dass der Panzer bereits im Entstehen war.

Bild 5: Bild5_Ur-Schildkröte_Lebensraum_Schoch.JPG: Urhebervermerk/Copyright: SMNS, R. Schoch.
Beschreibung: Die Ur-Schildkröte Pappochelys lebte in und um einen kleinen See, der in Vellberg (Nordwürttemberg) erhalten geblieben ist. An Land streiften 5 m lange räuberische Scheinkrokodile umher, im Wasser tummelten sich bis 6 m lange Riesenamphibien.

Bild 6: Bild6_Dr. Rainer Schoch: Urhebervermerk/Copyright: SMNS, R. Schoch

Bitte beachten Sie, dass eine Veröffentlichung des Bildmaterials nur mit Nennung des Urhebervermerks/Copyrights und nur im Zusammenhang mit Veröffentlichungen bezüglich der Ur-Schildkröte aus Vellberg gestattet ist. Vielen Dank.

Urzeit-Kakerlake aus dem 100 Mio. Jahre alten Burma-Bernstein: Neue Familie räuberischer Schaben entdeckt.

PRESSEMITTEILUNG

18.05.2015

Stuttgart. Die Insektenforscher Peter Vršanský vom Geologischen Institut in Bratislava und Günter Bechly vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart haben im kreidezeitlichen Bernstein aus Burma eine neue Insektengruppe entdeckt, die sich von allen anderen bekannten, lebenden oder ausgestorbenen Insekten stark unterscheidet. Es handelt sich um eine neue Familie räuberischer Schabenartiger, die in die frühe Verwandtschaft der Gottesanbeterinnen gehören, aber völlig andere Anpassungen zur Jagd besaßen. Sie hatten keine Fangbeine, sondern lange Beine zum schnellen Laufen und einen sehr beweglichen Kopf mit extrem langen Tastern, die fast wie ein viertes Beinpaar wirken. Zusammen mit dem erhaltenen Färbungsmuster und den großen Augen deuten diese Anpassungen darauf hin, dass es sich bei den etwa 1 cm großen Tieren um dämmerungsaktive Pirschjäger handelte, die vor knapp 100 Millionen Jahren in einem tropischen Araukarien-Wald ihrer Insektenbeute nachstellten. Die neue Schabenart wurde von den Forschern Manipulator modificaputis genannt.

Im Erdmittelalter gab es verschiedene Gruppen solcher schabenartiger Insekten, die unabhängig voneinander eine räuberische Lebensweise entwickelten. Fast alle dieser Raubinsekten sind später ausgestorben, so z.B. die großen Raphidiomimidae und die neu entdeckten Manipulatoridae. Nur die Gottesanbeterinnen gibt es bis heute.

Der Burmesische Bernstein, der am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart einen neuen Sammlungsschwerpunkt darstellt, erweist sich zunehmend als eine der reichhaltigsten Quellen für wichtige neue Erkenntnisse zur Evolution der Insekten.

Die Entdeckung der neuen Familie räuberischer Schaben wird in der nächsten Ausgabe der Fachzeitschrift Geologica Carpathica wissenschaftlich beschrieben.

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Weitere Informationen finden Sie als PDF zum Download. Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung des Bildmaterials nur mit Nennung des Urhebervermerks gestattet ist. Vielen Dank.

Die Mammuts kommen...! Neuer Ausstellungsbereich Eiszeit im Museum am Löwentor.

Neuer Ausstellungsbereich „Eiszeit“ im Museum am Löwentor ab 14.05.2015.  

PRESSEMITTEILUNG

12.05.2015

Stuttgart. Die Mammuts kommen…! Und nicht nur die Mammuts: Neben den haarigen Elefanten sind Höhlenbären, Rentierjäger und Urmenschen aus dem Neckartal die Stars des neuen Ausstellungsbereichs „Eiszeit“ im Museum am Löwentor. Zahlreiche lebensechte Modelle von Tieren und Pflanzen sind zu bewundern. Neue Mitmachstationen zum Thema Eiszeit wurden für die Ausstellung entwickelt und natürlich sind zahlreiche Originalfossilien aus dieser Zeit zu sehen. Einige davon werden erstmals in dieser Form präsentiert. Schließlich ist Südwestdeutschland das Fossilienland par excellence. Die Sammlungen des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart genießen Weltruf. Das wertvollste Fossil der Ausstellung: Das Original des Steinheimer Urmenschenschädels, mit 400 000 Jahren einer der wenigen wirklich alten Menschenfunde und der vollständigste Urmenschenschädelfund in Mitteleuropa. Überaus eindrucksvoll sind natürlich auch die Großsäugetiere des Eiszeitalters, allen voran die riesigen Elefanten – neben den Mammuts der noch größere Steppenelefant und der Waldelefant. Aber auch winzige Mäuseknochen aus Eulengewöllen verraten viel über Klima und Lebensraum des Eiszeitalters. „Unsere Dauerausstellung im Museum am Löwentor ist durch den neuen Eiszeitbereich noch attraktiver geworden. Eine spannende Zeitreise führt zu berühmten Fundorten des Landes und zeigt die extremen Klimaschwankungen des Eiszeitalters. Immer wieder wurden Kaltzeiten - „Eiszeiten“ - durch Warmzeiten unterbrochen. Manche waren so warm, dass in den Rheinauen Flusspferde und am Neckarufer Wasserbüffel grasten“, so Prof. Dr. Johanna Eder, Direktorin des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart.

Eiszeit live

Wie es damals genau ausgesehen hat, zeigen fünf detailgenau nachgebildete und wissenschaftlich fundierte Lebensräume. Die Szenen versetzen die Besucher direkt an ganz konkrete Orte in Baden-Württemberg. Gleich zwei davon liegen in Stuttgart: Eine eiszeitliche Steppenlandschaft mit Mammutmutter, Jungtier und Mammutbaby und eine Urmenschen-Szene, die vor 400 000 Jahren am Cannstatter Neckarufer spielt. Gleichzeitig turnten auf der Schwäbischen Alb Affen über die Felsen, in deren Höhlen Höhlenbären überwinterten und ihre Jungen bekamen. Ein Jagdlager der Rentierjäger führt nach Oberschwaben an die Schussenquelle. Die Zeitreise endet vor ca. 7.500 Jahren in der Jungsteinzeit.

Mitmachen!

Wer noch tiefer eintauchen will, kann sich selbst ausprobieren. Knochen stemmen und Zähne testen, Fossilien ausgraben, sich als Mensch der Steinzeit verkleiden, Höhlenmalereien interaktiv erforschen oder Steinplatten gravieren: Durch Multimediaangebote und zahlreiche Möglichkeiten zum Anfassen und Mitmachen können Kinder anschaulich nachvollziehen, wie Wissenschaftler und Präparatoren eines Museums arbeiten und wie die Menschen im Eiszeitalter lebten.

Abgerundet wird die Neupräsentation auf 1000 Quadratmetern durch eine innovative und moderne Gestaltung. Ab dem 14. Mai 2015 ist der neue Eiszeitbereich im Museum am Löwentor für die Besucher geöffnet.

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Desert Air - Wüsten von oben

Sonderausstellung im Museum am Löwentor, Laufzeit: 16.04.2015 – 27.09.2015

“Ich bin ein Fotograf, der fliegt, nicht ein Pilot, der Bilder macht. Mit meiner speziellen Art des Fliegens schaffe ich es, die entlegensten, extremsten Gegenden dieser Welt so zu fotografieren, wie sie kein Mensch zuvor je gesehen hat. Und von meinem speziellen Blickwinkel im Himmel gibt es immer mehr zu sehen, mehr zu entdecken, zu fragen und letztlich auch zu verstehen.” George Steinmetz

Schnell fliegen kann jeder. Langsam ist viel schwieriger. Der amerikanische Landschaftsfotograf George Steinmetz ist besonders langsam. Er geht mit einem motorisierten Paraglider in die Luft und schafft ganze 45 km/h. Diese Langsamkeit eröffnet dem Auge ganz neue Perspektiven. George Steinmetz reist in die entlegensten Winkel dieser Welt. Es zieht ihn in die Wüsten, dorthin, wo Landschaft grafisch wird: Sanddünen, Felsformationen, Salzseen, Winderosionen, Überreste vergangener Zivilisationen und eine an Extreme angepasste Flora und Fauna. Landschaften, die sich ständig wandeln und doch gleich bleiben.

Die Sonderausstellung „Desert Air – Wüsten von oben“ ist die Quintessenz aus 15 Jahren Wüstenfotografie in über 30 verschiedenen Ländern. Viele der Fotografien zeigen Orte, die noch niemand zuvor gesehen hat. George Steinmetz kann praktisch überall starten und landen. „Ich bin ein Fotograf, der fliegt, nicht ein Pilot, der Bilder macht“ – das zeigen die quadratmetergroßen Bilder der Ausstellung deutlich. Licht und Schatten spiegeln auch den Tagesablauf des Fotografen wider: Wenn die Sonne niedrig steht, wird die Wüste plastisch. Also kurz nach Sonnenaufgang abheben und kurz vor Sonnenuntergang noch immer in der Luft, oder besser: schon wieder. Nach zwei Flugstunden ist der Tank des Huckepack-Motors nämlich leer.

George Steinmetz, Jahrgang 1957, lebt mit seiner Familie in New Jersey, USA. Er hat an der Stanford University (Kalifornien) Geophysik studiert. Seine vielfach ausgezeichneten Fotografien erscheinen regelmäßig in Zeitschriften und werden mit dieser Ausstellung erstmals in Deutschland öffentlich gezeigt.

Die Ausstellung umfasst 40 große, querformatige Farbfotografien im Format 122 x 81 cm.

Bildmaterial erhalten Sie gerne auf Anfrage.

Wissenschaftler entdecken zwei neue Arten der urzeitlichen Raubfischgattung Saurichthys.

31.03.2015

Neue Studien eines internationalen Paläontologen-Teams der Universität Zürich, des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart und eines chinesischen Forschers erbrachten den Nachweis zwei neuer Arten der Knochenfisch-Gattung Saurichthys: Saurichthys breviabdominalis und Saurichthys rieppeli.

Saurichthys ist ein Raubfisch der Triaszeit mit langem, schlankem Körper und spitzer, mit vielen Zähnen bestückter Schnauze. Die Gattung lebte vor 252–201 Millionen Jahren und war weltweit sowohl im Meer als auch in Süßwasser verbreitet. In Baden-Württemberg ist diese Gattung aus den Schichten von Keuper und Muschelkalk bekannt.

Die hier beschriebenen Fossilien stammen aus der klassischen Fossil-Lagerstätte Monte San Giorgio im Südtessin (Schweiz). Der Monte San Giorgio, ein UNESCO-Welterbe, ist weltberühmt für seine zahlreichen und einmalig erhaltenen Fossilien in verschiedenen Fundschichten der Mittleren Trias-Zeit (vor ~239–243 Millionen Jahren). Dank systematischer Fossiliengrabungen der Universität Zürich zwischen 1924 und 2004 steht ein reiches Sammlungsmaterial gut erhaltener fossiler Reptilien und Fische zur Verfügung. Im Rahmen eines vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierten Forschungsprojekts konnten in den letzten drei Jahren weitere Fossilien präpariert und studiert werden.

Unter den Wissenschaftlern, die an der Beschreibung der neuen Arten beteiligt waren, ist Dr. Erin Maxwell, Kuratorin für fossile aquatische Wirbeltiere am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart und Expertin für urzeitliche Fische.

Mit den beiden neuen Arten, Saurichthys breviabdominalis und Saurichthys rieppeli, sind nun insgesamt sechs Saurichthys-Arten aus Monte San Giorgio nachgewiesen. Die etwa 242 Millionen Jahre alten, 40–60 cm langen Skelette der beiden neuen Arten unterscheiden sich vor allem in der Form von Kopf und Rumpf von den bisher bekannten Saurichthys-Arten. Das weist auf unterschiedliche Jagdstile in den mannigfaltigen Lebensräumen des damaligen Flachmeers hin. Dies erlaubte die Koexistenz mehrerer Arten. Die Fähigkeit zur Anpassung an spezialisierte ökologische Nischen dürfte den evolutionären Erfolg dieser Fische ermöglicht haben, sowohl im damaligen Meer des Monte San Giorgio als auch global in den Küstenmeeren der Trias. Die Ergebnisse der Untersuchungen der Wissenschaftler sind nun Grundlage für weitere Forschungsarbeiten.

Weitere Informationen für die Redaktionen:

Originalartikel: Maxwell, E.E., Romano, C., Wu, F. & Furrer, H. 2014: Two new species of Saurichthys (Actinopterygii: Saurichthyidae) from the Middle Triassic of Monte San Giorgio, Switzerland, with implications for character evolution in the genus. Zoological Journal of the Linnean Society. doi: 10.1111/zoj.12224

Bildnachweise:

Fig. 1. Saurichthys rieppeli, eine neue Fischart aus der Mittleren Trias des Monte San Giorgio, dem UNESCO-Welterbe im Tessin (Länge 60 cm).

Urhebervermerk: Foto: Universität Zürich

Fig. 2. Lebensbild von Saurichthys im Meer der Mittleren Trias.

Urherbervermerk: Illustration: Universität Zürich/D. Baum

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung der Bildnachweise nur mit Nennung des Urhebervermerks gestattet ist. Vielen Dank.

 

150 Mio. Jahre alt und gut erhalten: Erstmals vollständig fossil erhaltenes Exemplar der Hai-Art Sphenodus entdeckt.

Erstmals vollständig fossil erhaltenes Exemplar der Hai-Art Sphenodus im Nusplinger Plattenkalk (150 Mio. Jahre alt) entdeckt.
Die Beschreibung der Art im 19. Jahrhundert basierte bisher nur auf einem Skelett-Fragment aus dem Kopfbereich.


Sphenodus nitidus war ein kleiner (95 cm lang), schlanker Hai, der sich vorwiegend von Ammoniten und kleinen Fischen ernährt haben dürfte, aber auch Aas nicht verschmähte. Hierfür spricht sein Gebiss aus langen, spitzen, dolchartigen Zähnen, das stark an einen Heringshai erinnert. Mit diesem ist der fossile Hai allerdings nicht näher verwandt. Die fossile Hai-Art Sphenodus nitidus wurde erstmals im 19. Jahrhundert auf der Basis eines Fossilfundes aus dem Solnhofener Plattenkalk der südlichen Frankenalb vom Münchner Paläontologen Andreas Wagner beschrieben. Dem Paläontologen Wagner stand damals aber nur ein kleines Stück des Kopfbereichs für die Art-Beschreibung zur Verfügung.

Im Nusplinger Plattenkalk, in dem das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart regelmäßig wissenschaftliche Grabungen durchführt, wurde diese Art recht häufig in Gestalt einzelner langer, spitzer Zähne nachgewiesen. In der 2014 - unter der Leitung von Dr. Günter Schweigert - durchgeführten Grabung des Museums im Nusplinger Steinbruch kam nun erstmals ein vollständiges Skelett von Sphenodus nitidus zum Vorschein. Das Fossil war in einem Schichtpaket aus papierdünnen Einzellagen enthalten und musste deswegen bei der Präparation auf eine stabilere Gesteinsplatte umgebettet werden. Der Schädel mit den langen, nadelspitzen Zähnen ist hervorragend erhalten und von beiden Seiten her freigelegt – ein Meisterwerk der Präparationskunst und für die wissenschaftlichen Untersuchungen von großer Bedeutung. Ebenso gut erkennbar sind die Wirbelsäule mit der Schwanzflosse und eine kräftige Rückenflosse. Die Körperoberfläche ist mit winzigen Hautzähnchen bedeckt.

Dass sich Sphenodus nitidus vermutlich von Kopffüßern und von Aas ernährt hat, vermuten die Wissenschaftler, da ein abgebrochener Zahn des Hais im Schädelbereich eines zerfallenen Meerengels (auch ein Hai) steckte und Ammonitenkiefer gelegentlich Biss-Spuren aufweisen, die von den spitzen Haizähnen herrühren.
Anhand des vollständigen Skelettfunds Sphenodus nitidus können weitere Erkenntnisse über diese Art und deren Lebensumstände gewonnen werden. Für die weitere wissenschaftliche Bearbeitung des Funds hat bereits Professor Dr. Jürgen Kriwet von der Universität Wien Interesse signalisiert, der der weltweit führende Spezialist für diese Haigruppe ist. Die Wissenschaftler des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart liefern Informationen, wie beispielsweise über die mit dem Hai zusammen gefundene Fauna und die Umstände der Einbettung in das Gestein. Ziel der Wissenschaftler ist die Rekonstruktion der damaligen Lebensräume, die wiederum Aussagen über die Evolution zulässt.

Dr. Günter Schweigert (Tel. 0711 - 89 36 - 147, guenter [dot] schweigert [at] smns-bw [dot] de) steht Ihnen für weitere Auskünfte gerne zur Verfügung. 

Unten finden Sie weitere Informationen und Bilder zum Download. Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung des Bildmaterials nur mit Nennung des Urhebervermerks gestattet ist. Vielen Dank.

Wildbiene des Jahres 2015: Die Zaunrüben-Sandbiene.

Das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ hat die Zaunrüben-Sandbiene zur Wildbiene des Jahres 2015 gewählt.

Stuttgart. Seit 2013 benennt das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ alljährlich eine besonders interessante Wildbienenart, um darauf hinzuweisen, dass diese für den Menschen ungeheuer nützlichen Tiere heute in ihrem Bestand bedroht sind. Zugleich soll die Wildbiene des Jahres dazu ermuntern, hinaus in die Natur zu gehen und das Tier in seinem Lebensraum zu beobachten. Damit wirkt die Initiative auch im Sinne einer Wissenschaft für alle (citizen science) und trägt dazu bei, mehr über das aktuelle Vorkommen der Wildbiene des Jahres zu erfahren. Wildbienen spielen im Naturhaushalt eine Schlüsselrolle. Sie sorgen gemeinsam mit der Honigbiene für die Bestäubung unserer Wild- und Kulturpflanzen. Viele Wildbienen sind heute in hohem Maße bedroht, weil ihre Lebensräume vielfach verloren gegangen sind und der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft zu erheblichen Bestandsverlusten geführt hat. Zur Wildbiene des Jahres 2015 wurde die Zaunrüben-Sandbiene gewählt.

Unten finden Sie weitere Informationen zur Wildbiene des Jahres 2015 zum Download.

Spektakulärer Erfolg: Forscher klären die Evolution der Insekten mittels DNA-Analysen auf

(Bonn, Germany, November 7, 2014) – Insekten sind vor rund 480 Millionen Jahren aus marinen Vorfahren hervorgegangen und haben sich zur vielfältigsten und erfolgreichsten Tiergruppe entwickelt. In einem internationalen Forschungsprojekt konnte nun ihre stammesgeschichtliche Entwicklung genau aufgeklärt und datiert werden.

Wissenschaftler des internationalen 1KITE Projektes (1000 Insect Transcriptome Evolution, www.1kite.org) ist es gelungen mit einer bisher unerreichten, gigantischen Datenmenge von 1478 Genen, der Entwicklung völlig neuer Analyseverfahren und der Verwendung von Höchstleistungsrechnern (wie z.B. dem SuperMUC in München und CHEOPS in Köln) den Stammbaum der Insekten aufzuklären. Mit der Veröffentlichung dieser Arbeit in der Fachzeitschrift Science werden die Grundlagen für ein besseres Verständnis der Evolution dieser Tiergruppe gelegt. Dieses Wissen ist deshalb von so großer Bedeutung, weil unsere terrestrischen Lebensräume sowohl in kultureller als auch in kommerzieller Hinsicht entscheidend von Insekten geprägt werden. Die Ergebnisse werden dazu beitragen, ganz neue und auch effizientere Wege bei der Nutzung biologischer Ressourcen, in der Landwirtschaft oder in der Schädlingsbekämpfung zu beschreiten.

 Das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart ist ein Partner des Projektes. Der Entomologe und Mitarbeiter des Museums, Dr. Lars Krogmann, hat sein Expertenwissen zu Bienen, Ameisen und Wespen in das 1Kite Projekt eingebracht und dafür Untersuchungsmaterial auf Expeditionen in Südamerika und Australien gesammelt. Zusammen mit seinen Bonner Kollegen wird er auch weiterhin im 1Kite Projekt aktiv sein, um den Stammbaum der extrem artenreichen Hautflügler (Hymenoptera) zu entschlüsseln.

Bitte beachten Sie außerdem die unten zum Download zur Vefügung stehende Pressemitteilung. Die Nutzung der beigefügten Fotos ist für die Berichterstattung unter Nennung des Copyrights kostenfrei. Copyright: Dr. Oliver Niehuis, ZFMK, Bonn. Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

"Gefiederte Drachen – neue Saurier aus China“, Sonderausstellung im Museum am Löwentor

Erstmals in Europa! Laufzeit: 06.11.2014 – 18.01.2015

VERLÄNGERT BIS 01.02.2015!

Was Federn hat, ist ein Vogel – diese einfache Erkenntnis gilt nicht mehr, seit im Jahr 1996 in Liaoning in China der erste Feder-Saurier gefunden wurde. Die wissenschaftliche Sensation führte zu einem ganz neuen Blick auf die Saurier: Heute diskutieren Paläontologen darüber, ob nicht alle Dinos Federn trugen.Wie ist es möglich, dass die Federn der Saurier so lange übersehen wurden? Ganz einfach: Zum Fossil werden meist nur widerstandsfähige Knochen und Zähne. Alles andere verschwindet mit Haut und Haaren, Schuppen und Federn. An der Fundstelle im nordchinesischen Liaoning ist das anders. Dort wurden in ausgedehnten Seen fein geschichtete Kalke abgelagert. Sie enthalten Tuffe, entstanden aus Aschewolken naher Vulkane. In diesen feinen Sedimenten blieben viele Details erhalten: Blätter und Blüten, die Haut von Fröschen, die Schuppen von Echsen, Haare früher Säugetiere, Federn von Dinosauriern und Urvögeln. Liaoning – die chinesische Partnerregion Baden-Württembergs –  wurde dadurch zu einer der wichtigsten Fundstellen weltweit. Bald wurde klar: Die Evolution der Federn und der Flügel musste nahezu komplett neu geschrieben werden. Auch in der breiten Öffentlichkeit erregten die „Gefiederten Drachen“ enormes Interesse. Nicht weniger spektakulär sind aber auch die Pflanzenfossilien: Aus Liaoning stammen die ältesten Blütenpflanzen der Welt! Fossilien aus Liaoning gehören zu den Ikonen der Evolutionsbiologie. Das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart freut sich deshalb besonders, mit dieser Ausstellung erstmals in Europa 14 Originalfossilien von dort zeigen zu können – 125 Millionen Jahre alte Saurier, Vögel und Pflanzen. Möglich wurde das durch eine Kooperation mit der Universität Shenyang und dem Palaeontological Museum of Liaoning. Die herausragenden Fossilien überzeugen nicht nur durch ihren unschätzbaren wissenschaftlichen Wert. Sie sind in ihrer Detailgenauigkeit auch ein ästhetischer Genuss für jeden Betrachter. Zur Ausstellung gehören auch wie aus dem Leben gegriffene naturgetreue Modelle der gefiederten Drachen, von Wissenschaftlern und Präparatoren des Museums in Stuttgart entwickelt.

Weitere Informationen und Bilder zum Download finden Sie hier:

BILDMATERIAL:

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Auf den Bilder ist das Modell eines Microraptors zu sehen. Microraptor lebte hauptsächlich in Wäldern, wo er von Baum zu Baum glitt und Säugetiere, fliegende Echsen und sogar kleine Vögel erbeutete, die er als Ganzes verschlang. Das weiß man von erhaltenen Mageninhalten. Inzwischen konnte auch die Färbung seines Gefieders ermittelt werden: die Grundfarbe war schwarz mit irisierendem Effekt.

Microraptor_nah_SMNS_G.Stephan_Klein.JPG, Urhebervermerk: SMNS, G. Stephan

Microraptor_Modell_Plakatmotiv_SMNS_U.Stübler.jpg, Urhebervermerk: SMNS, U. Stübler

"unser Bodensee" - Sonderausstellung Schloss Rosenstein 24.10.2014 - 31.05.2015

63 Kilometer lang, 254 Meter tief, 536 Quadratkilometer groß – an Superlativen fehlt es dem Bodensee wahrlich nicht. Allein das macht ihn schon zu etwas ganz Besonderem. Dazu eine Landschaft, die idyllischer kaum sein könnte: In sanfte Hügel eingebettet glänzt der See vor einem eindrucksvollen Alpenpanorama. Kein Wunder, dass wir in Baden-Württemberg ein ganz besonderes Verhältnis zum „Schwäbischen Meer“ haben, zu „unsrem Bodensee“. Aber nicht nur wir kommen zum Bodensee, um uns zu erholen. Der See kommt auch zu uns. Stuttgart zum Beispiel „trinkt Bodensee“! Seine ungewöhnliche Wasserqualität ist im dicht besiedelten Europa alles andere als selbstverständlich. Dahinter stecken eine weitsichtige Planung und gewaltige Investitionen. Heute liefert der See vier von 10,5 Millionen Baden-Württembergern das Lebensmittel Nr. 1. Der Bodensee gehört nicht zuletzt deshalb sicher zu den bestuntersuchten Gewässern der Welt. Trotzdem birgt er noch viele Geheimnisse.

Mit der Ausstellung „unser Bodensee“ nähert sich das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart einem komplexen Ökosystem aus vielen Perspektiven: Mit dem Forschungsschiff des Instituts für Seenforschung ist man Auf dem See unterwegs: Was wird alles beobachtet, gemessen, erfasst? Dabei geht es schnell unter die Oberfläche: Was spielt sich Im See ab, diesem gigantischen Wasserkörper von 48 Kubikkilometern? Und Unter dem See, am Seegrund, wo sich als eine Art „Gedächtnis“ des Sees Sedimentschichten übereinanderlegen, die sich wie ein Geschichtsbuch lesen lassen. Wie wird diese Geschichte weitergehen? Die Forscher rechnen mit weitreichenden Auswirkungen der Klimaerwärmung auf den See – und damit auf uns alle, denn, wie gesagt, das halbe Land hängt am Tropf des Sees. Dieses Thema steht im Mittelpunkt des Ausstellungsbereichs Vom See. Ein Blick von oben – Über dem See – zeigt das Einzugsgebiet, das bis Italien reicht, und den Einfluss von Wind und Wetter. Dann folgt der Besucher dem Rhein auf seinem Weg Durch den See, um zu erfahren, wie lange es eigentlich dauert, bis ein frisch im Osten angekommener Wassertropfen den See im Westen wieder verlässt. Der Ausstellungsbereich Am See schließlich widmet sich dem attraktivsten und gleichzeitig sensibelsten Bereich des Sees, seinem Ufer. Eine 273 Kilometer lange Linie, landseits gesäumt von Stränden, seeseits geprägt von Flachwasserzonen. Hier stößt der Bodensee (nicht nur im Sinne des Wortes) an seine Grenzen und es wird klar, dass die verschiedenen Ansprüche von Mensch und Natur nicht immer ganz einfach auszutarieren sind.

Weitere Informationen finden Sie unten zum Download.

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Stuttgarter Insektenforscher hat eine neue Art der seltenen Stielaugenwespen beschrieben.

Gar nicht faul – aber selten! Wespe mit Kopfbohrer wurde nach „Sid, dem Faultier“ benannt.

Stuttgart. Der Biologe Dr. Lars Krogmann vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart hat zusammen mit zwei Kollegen aus Dänemark und den USA eine spektakuläre neue Insektenart beschrieben. Die winzige parasitische Wespe, eine Stielaugenwespe, ist erst das dritte bekannte Tier dieser Insektengruppe. Sie wurde im Rahmen einer großen Biodiversitätsstudie im kolumbianischen Amazonasgebiet entdeckt.

Wespe mit Kopfbohrer

Die „Stielaugen“ sind etwas Besonderes. In der riesigen Insektenordnung der Hautflügler besitzen nur drei von über 150.000 beschriebenen Arten gestielte Augen. „Wir nehmen an, dass die gestielten und seitlich bedornten Augen als Bohrer eingesetzt werden, mit dem sich die Wespen aus Pflanzen herausbohren“, sagt Krogmann. Der Insektenforscher fand einen Mechanismus am Halsschild der Wespe, in den sich der Kopf einrasten lässt. So bildet der Kopf zusammen mit dem restlichen Körper einen stabilen Rammbock. Stielaugenwespen gehören zu den Erzwespen, einer der artenreichsten und formenreichsten Insektengruppen. Die parasitischen Erzwespen spielen als Gegenspieler von anderen Insekten eine entscheidende Rolle bei der Regulierung des globalen Ökosystems. Viele Arten werden zudem als natürliche Gegenspieler von Schadinsekten im biologischen Pflanzen- und Vorratsschutz eingesetzt.

Neue Wespenart wurde nach "Sid, dem Faultier" aus "Ice Age" benannt

Fehlte nur noch ein wissenschaftlicher Name für die neue Wespenart. Nachdem er Aufnahmen vom Kopf der winzigen Wespe gemacht hatte, bemerkte Krogmann die verblüffende Ähnlichkeit mit „Sid, dem Faultier“ aus der „Ice Age“-Filmreihe. Beide haben fast die gleiche Kopf- und Augenform. So war der Name Axima sidi schnell beschlossene Sache. „Mit dem Namen wollen wir auf die vielfältigen Bedrohungen der Pflanzen- und Tierwelt Amazoniens hinweisen“, so Krogmann. Das internationale Forscherteam hofft, dass ihre neue „Sid-Wespe“ nicht irgendwann das gleiche Schicksal erleidet wie „Sid, das Faultier“. Er und seine Artgenossen, die bodenlebenden Faultiere, starben bereits vor etwa 10.000 Jahren aus.

Die wissenschaftliche Veröffentlichung des Artikels über "Axima sidi" ist im Internet abrufbar unter:
http://www.naturkundemuseum-bw.de/sites/default/files/forschung/user_157/stalk-eyed_wasps_krogmann.pdf

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"museum spezial - Geweihe" 03.07.2014 - 05.10.2014

Sonderausstellung im Museum am Löwentor

Das neue „museum spezial“ zeigt einen beeindruckenden Querschnitt durch die aus 1700 Präparaten bestehende Geweihsammlung des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart. Natürlich geht es dabei auch um Trophäen. Die Ausstellung rückt aber in erster Linie die evolutionsbiologische Geschichte, die jedes einzelne Geweih erzählt in den Mittelpunkt. Welche Funktion haben Geweihe? Warum werden sie jedes Jahr wieder abgeworfen? Was ist ein Knopfgeweih, ein Perückengehörn oder ein Tulpengeweih? Wie haben sich die Geweihträger im Laufe von Millionen Jahren entwickelt? Sind Geweihe das Gleiche wie Hörner? In der Ausstellung sind etwa 90 Geweihe und Schädel, vom mächtigen eiszeitlichen Riesenhirsch bis zum geweihlosen Wasserreh, zu sehen.

museum spezial“ ist eine Reihe kleiner, feiner Ausstellungen, die auf einen Schwerpunkt fokussieren und die besonders attraktive, sonst nicht gezeigte Stücke aus den Sammlungen des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart präsentieren. Nach dem Schwerpunkt „Fischsaurier“ im letzten Jahr folgt nun das Thema „Geweihe“.

Laufzeit der Ausstellung:

03.07.2014 – 05.10.2014

Öffnungszeiten:

Di – Fr: 9 – 17 Uhr

Sa, So, Feiertags: 10 – 18 Uhr

Montags geschlossen

Eintritt:

Erwachsene: 4 Euro

Ermäßigt: 2,50 Euro

Familien 9 Euro

Ort:

Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart – Museum am Löwentor

Ansprechpartner für Fachfragen und wissenschaftlicher Projektleiter:

Dr. Stefan Merker, Leiter der Abteilung Zoologie am SMNS

Tel.: 0711/ 8936-246

Beweise durch fossiles Ur-Insekt: Erste Fluginsekten waren Gleitflieger.

Wissenschaftler am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart liefern neue Hinweise in der Evolutionsforschung.

Stuttgart. Die Entwicklung der Flugfähigkeit ist eines der Schlüsselmerkmale, das zum Erfolg der Insekten als artenreichste Tiergruppe beitrug. Bis heute war jedoch umstritten, ob die frühen Ahnen der Fluginsekten passive Gleiter oder aktive Flatterer waren. Bei der Untersuchung eines bereits vor 30 Jahren entdeckten, 10 cm langen fossilen Rieseninsektes, das vor über 300 Millionen Jahren in böhmischen Sumpfwäldern der Steinkohlezeit lebte, kamen Dr. Arnold Staniczek und Dr. Günter Bechly, Wissenschaftler des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart, in Zusammenarbeit mit ihrem tschechischen Kollegen Dr. Pavel Sroka, Tschechische Akademie der Wissenschaften in Budweis, zu bemerkenswerten Erkenntnissen: Die Forscher fanden konkrete Hinweise darauf, dass es sich bei dem Ur-Insekt Carbotriplura kukalovae um ein fossiles Bindeglied zwischen den ungeflügelten Silberfischchen und den Fluginsekten handelt, das den Ursprung der Fluginsekten als passive Gleitflieger nahe legt.

Hinweis für die Redaktionen:

Ergänzende populärwissenschaftliche Informationen zur Publikation im Science Blog „Understanding Nature“ des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart:

http://smnstuttgart.com/

http://smnstuttgart.com/2014/05/13/evolution-der-fluginsekten-2/

Dr. Arnold Staniczek und Dr. Günter Bechly stehen Ihnen für Auskünfte und Interviews gerne zur Verfügung.

Kontakt:

Dr. Arnold Staniczek, Tel. 0049 – (0)711-8936-239

E-Mail: arnold [dot] staniczek [at] smns-bw [dot] de

Dr. Günter Bechly, Tel. 0049 – (0)711-8936-242

E-Mail: guenter [dot] bechly [at] smns-bw [dot] de

Bildmaterial:

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung der Bilder nur mit Urhebervermerk gestattet ist. Vielen Dank.

1.) Totalansicht des Ur-Insektes Carbotriplura kukalovae. Urheber: Bild: SMNS/Staniczek

2.) C. kukalovae, Rekonstruktionsskizze. Urheber: Bild: Karel Řepa

3.) Dr. Arnold Staniczek (links) und Dr. Günter Bechly (rechts). Urheber: Bild: SMNS/Wilhelm

Originalartikel:

Staniczek, A.H., Sroka, P., Bechly, G. (2014): Neither silverfish nor fowl: The enigmatic Carboniferous Carbotriplura kukalovae Kluge, 1996 (Insecta: Carbotriplurida) is the putative fossil sister group of winged insects (Insecta: Pterygota). Systematic Entomology.

DOI: 10.1111/syen.12076

Online verfügbar ab 13.5.2014:

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/syen.12076/abstract

Die Originalarbeit erhalten Sie auch auf Anfrage bei Dr. Arnold Staniczek.

Verleihung des Ernst-Jünger-Preises 2013 im Museum am Löwentor

Ernst-Jünger-Preis für Entomologie geht an Bayreuther Biologen Prof. Dr. Konrad Dettner. Direktorin Prof. Dr. Johanna Eder verleiht den renommierten Landespreis in einer Festveranstaltung am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart an den Bayreuther Entomologen, der als wegweisender Wissenschaftler auf dem Gebiet der Insektenkunde gewürdigt wird.

Stuttgart. Der mit 5.000 Euro dotierte Ernst-Jünger-Preis für Entomologie 2013 geht an den Bayreuther Insektenforscher Prof. Dr. Konrad Dettner. Die Auszeichnung des Landes Baden-Württemberg wurde von Prof. Dr. Johanna Eder, Direktorin des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart, im Rahmen eines Festaktes am 28. März im Museum am Löwentor überreicht.

Forever Young - WELT-Meisterwerke der Präparation

Sonderausstellung im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart - Schloss Rosenstein

Laufzeit: 25.10.2013 bis 25.05.2014

Ewige Jugend! Nicht mehr zu altern ist ein uralter Menschheitstraum. Wir machen ihn wahr, allerdings nur partiell. Wir versprechen ewige Haltbarkeit, nicht ewiges Leben. Die Kunst der Präparation hat viele Facetten. Steht die optimale Langzeitarchivierung für die Forschung im Vordergrund, spielt die Ästhetik eine untergeordnete große Rolle. Ganz andere Ansprüche haben Präparatoren, wenn sie für Ausstellungen möglichst lebensecht die Seele des Tieres einfangen.

Genau darum geht es bei der Weltmeisterschaft der Präparatoren, die im Jahr 2012 in Salzburg ausgetragen wurde. 130 Teilnehmer aus 22 Ländern stellten sich mit über 400 Präparaten dem Urteil einer kritischen Jury, die schon mal die Taschenlampe zückt, um zu prüfen, ob auch das Innere einer Hirschnase noch naturgetreu gestaltet ist. Präparatoren aus Deutschland – auch vom Museum in Stuttgart – errangen bei der WM in mehreren Kategorien Weltmeistertitel. In der Masterklasse "Best in the World" überzeugten sie mit neun von zwölf vergebenen WM-Medaillen besonders. Zu schade, solche herausragenden Präparate nur einem Fachpublikum zu zeigen! Die Ausstellung „WELTMeisterwerke der Präparation“ macht sie jetzt allen zugänglich. Konzipiert wurde sie vom Naturkundemuseum Erfurt in Kooperation mit den Museen in Berlin und Stuttgart. Dazu gibt es viele interessante und spannende Einblicke in ein Handwerk, das mit zahlreichen technischen Innovationen und künstlerischem Talent ewige Jugend garantiert.

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung des Bildmaterials nur mit Nennung des Urhebervermerks gestattet ist. Vielen Dank.

museum spezial - Fischsaurier, 13.06.2013 bis 13.10.2013, Museum am Löwentor

Neben den großen Sonderausstellungen, wie zuletzt der Sex- oder Orchideenausstellung im Schloss Rosenstein, startet das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart nun mit der Reihe„museum spezial“ eine neue Art von Ausstellungen. Die kleinen aber sehr feinen Präsentationen fokussieren auf einen Schwerpunkt und zeigen besonders attraktive oder wissenschaftlich hoch interessante, sonst nicht gezeigte Stücke aus den Sammlungen des Hauses. Den Anfang von „museum spezial“ machen die Fischsaurier.

"museum spezial – Fischsaurier“, Sonderausstellung im Museum am Löwentor, Laufzeit 13.6.2013 bis 13.10.2013

Öffnungszeiten:

Di – Fr: 9 – 17 Uhr

Sa, So, Feiertags: 10 – 18 Uhr

Montags geschlossen

Eintritt:

Erwachsene: 4 Euro

Ermäßigt: 2,50 Euro

Familien 9 Euro

Bildmaterial:

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung des Bildmaterials nur im Zusammenhang mit dem Staatlichen Museum für Naturkunde gestattet ist und nur mit Nennung des Urhebervermerks. Vielen Dank.

Orchideen - Vielfalt durch Innovation, Schloss Rosenstein 24.10.2012 - 26.05.2013

Jeder kennt Orchideen. Sie bringen einen Hauch Exotik in die Wohnzimmer. Was aber kaum jemand weiß: Orchideen sind nicht nur faszinierend schön, sondern sie sind eine der erfolgreichsten Pflanzengruppen überhaupt. Zahlreiche außergewöhnliche Innovationen haben dazu geführt, dass Orchideen unglaublich artenreich sind, weltweit fast jeden Lebensraum besiedeln, millimeterklein, aber auch meterlang sein können und eine fantastische Formenvielfalt im Blütenbau haben. Die Sonderausstellung „Orchideen – Vielfalt durch Innovation“ des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart zeigt, mit welchen (r)evolutionären Neuerungen die Orchideen diese enormen Erfolge zustande brachten. In einzelnen Bereichen erforschen die Besucher sieben Schritte zum Erfolg der Orchideen. 

Bildmaterial:

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung der Bilder nur im Zusammenhang mit unserer Ausstellung und nur mit Nennung des Urhebervermerks gestattet ist. Vielen Dank.

Bild Orchideen_1: Paphiopedilum-Hybride, eine Venusschuh-Kreuzung.

Bild Orchideen_2: Eine Stanhopea-Art aus Südamerika.

Bild Orchideen_3: Cochleanthes palatina, eine Orchideenart aus Bolivien.

Bild Orchideen_4: Titel/Plakatmotiv Orchideen.

Urhebervermerk: SMNS

Neuer Fischsaurier entdeckt. Alter 175 Mio. Jahre. Weltweite Fundlücke geschlossen.

P R E S S E M I T T E I L U N G - Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart

Neue Gattung und Fischsaurierart entdeckt. Verwandter des „Schwäbischen Seedrachen“. Alter ca. 175 Mio. Jahre. Bedeutender Fischsaurierfund am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart erstmals wissenschaftlich untersucht. Weltweite Fundlücke dieser Saurierart wurde geschlossen. Große Fischsaurier (Ichthyosaurier) haben im Südwesten Deutschlands länger gelebt, als bisher angenommen.

Pressemitteilung zum Download (unten).

B I L D M A T E R I A L

Bildmaterial zum Download (unten).

Bild 1:

Dr. Rainer Schoch, Saurierexperte am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, vermisst den Schädel der 7,50 Meter langen Meeresechse.

Bild 2:

Dr. Rainer Schoch, Saurierexperte am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, untersucht weitere geborgene Stücke des 175 Mio. Jahre alten Fischsauriers.

Bild 3:

Fischsaurier-Schädel.

Bild 4:

Detail: Zähne des Fischsauriers mit versteinertem Ammonit.

Bild 5:

„Schwäbischer Seedrache“ aus Holzmaden, Verwandter des neu erforschten Fischsauriers.

Bild 6:

Versteinerte Knochenteile des Fischsauriers werden in der Sammlung des Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart aufbewahrt.

Bild 7:

Dr. Rainer Schoch, Saurierexperte am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, untersucht und ordnet die einzelnen versteinerten Fragmente des Fischsauriers.

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung der Bilder nur im Zusammenhang mit dem Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart und mit Nennung des Urhebervermerks gestattet ist. Vielen Dank.

Urhebervermerke:

Bilder 1, 2, 4, 5, 6, 7: SMNS, T. Wilhelm.

Bild 3: Fischsaurier-Schädel: SMNS, T. Buhl.

100 Jahre - Gesellschaft zur Förderung des Naturkundemuseums Stuttgart 06.05.2012 - 04.11.2012, Museum am Löwentor

Am 06. Mai 1912 wurde die Gesellschaft zur Förderung des Naturkundemuseums Stuttgart e.V. gegründet. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums ist eine Jubiläumsausstellung im Museum am Löwentor zu sehen.

100 Jahre - 100 Jahre sind immer ein Anlass, in die Vergangenheit, aber auch in die Zukunft zu blicken. Das Museum braucht Förderer: So sahen es vor genau 100 Jahren vorausschauende Persönlichkeiten. Württemberg war und ist weltberühmt für seine fossilen Schätze. Umso schmerzlicher war es, dass Ende des 19. Jh. viele wertvolle Stücke außer Landes gerieten. Der damaligen Stuttgarter Naturaliensammlung fehlte schlicht das Geld, um Sammlungsankäufe zu tätigen. Im Jahr 1893 wurde der erste vollständige Fund einer Paddelechse aus Holzmaden ins preußische Berlin verkauft – bitter für den ehemaligen Mitarbeiter des Museums und berühmten Paläontologen Eberhard Fraas, der daraufhin „vor Enttäuschung nur mit geschlossenen Augen an diesem Stück vorbeigehen konnte“. Weitere Plesiosaurier (Paddelechsen) konnten nur mit Hilfe privater Mäzene für das Museum erworben werden. Daraufhin versammelte der Fabrikant und Konsul Theodor Wanner (1875-1955) einflussreiche Bürger um sich, die am 6. Mai 1912 den „Verein zur Förderung der Kgl. Naturaliensammlung“ ins Leben riefen. Der Förderverein des Museums schritt gleich zur Tat: Wertvolle Fossilien wurden erworben und gestiftet. Die erste Erwerbung des Vereins, ein eindrucksvoller Fischsaurier-Schädel, ist in der Ausstellung 100 Jahre Gesellschaft zur Förderung des Naturkundemuseums Stuttgart im Museum am Löwentor zu sehen. Bis heute wurden und werden weiterhin spektakuläre Exponate und herausragende Sammlungsstücke vom Förderverein gestiftet und das Museum beispielsweise mit Zuschüssen für Forschungsreisen, Projekte und Publikationen unterstützt. Seit 1912 öffnet die Gesellschaft zur Förderung des Naturkundemuseums Stuttgart so dem Museum Freiräume, die allen zugute kommen. Ohne ihre engagierte Begleitung wäre das Museum nicht das, was es heute ist. Vieles hat sich geändert in den letzten 100 Jahren. Eines nicht: Auch heute braucht das Museum Förderer. Die über 1000 Freunde und Förderer tragen auch aktuell dazu bei, dass das Museum seinen herausragenden Platz in der baden-württembergischen und deutschen Kultur- und Museumslandschaft behält. Das umfassende Engagement des Fördervereins für „sein“ Museum in den letzten 100 Jahren zeigt eine Ausstellung vom 06.05.2012 bis 04.11.2012 im Museum am Löwentor.

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung des Bildmaterials nur im Zusammenhang mit der hier genannten Ausstellung und mit Nennung des Urhebervermerks gestattet ist.

SEX Sonderausstellung im Schloss Rosenstein 27.10.2011 - 20.05.2012

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung des Bildmaterials nur mit Nennung des Urhebervermerks gestattet ist.

Plakatmotiv:

Echsen.jpg: Rotkehlanolis bei der Paarung. Urhebervermerk: Cowenby, Wikimedia / Gestaltung: J. Bergener, SMNS

Bilder aus der Ausstellung:

Ente_Männlich.JPG, Urhebervermerk: SMNS, T. Wilhelm

Ente_Weiblich.JPG, Urhebervermerk: SMNS, T. Wilhelm

Känguruh.jpg, Urhebervermerk: SMNS, T. Wilhelm

Tanz_Kraniche.jpg, Urhebervermerk: SMNS, T. Wilhelm

Weitere Motive:

Biene_Blume_Hans_Schwenniger.jpg: Die Bedornte Schneckenhausbiene sammelt mit ihrer Bauchbürste ausschließlich Pollen von Korbblütlern. Urhebervermerk: Hans Schwenniger

Neue Insektenordnung - Die Chimärenflügler

Spektakuläre Neuentdeckung durch Wissenschaftler des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart liefert neue Hinweise zur Insektenevolution: Die Chimärenflügler – eine neue fossile Insektenordnung.

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung des Bildmaterials nur mit Nennung des Urhebervermerks gestattet ist. Vielen Dank.

Coxoplectoptera_adult.jpg: Mickoleitia longimanus (Coxoplectoptera: Mickoleitiidae), Chimärenflügler, erwachsenes Stadium, Urhebervermerk: SMNS, Bechly/Staniczek.

Coxoplectoptera _larva.jpg: Mickoleitia spec., Chimärenflügler, Larve, Urhebervermerk: SMNS, Bechly/Staniczek.

Im Magazin.jpg: Dr. Günter Bechly und Dr. Arnold Staniczek mit den Coxoplectoptera-Fossilien im Magazin des Löwentor Museums, Urhebervermerk: SMNS/ Wilhelm.