Sonderausstellung im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, Schloss Rosenstein

19.10.2017 – 06.05.2018

Das Thema

Bionik gehört zu den interessantesten Kombinationen von Grundlagenforschung und praktischen Anwendungen. Die Analyse von biologischen Konstruktionen und ihre Umsetzung in Architektur und technischen Systemen führen zu verblüffenden neuen Lösungen. An populären Beispielen mangelt es nicht, vom wasserabstoßenden Effekt des Lotusblatts bis zum Sonnenkollektor in der Eisbärhaut.

Die Sonderausstellung „baubionik – biologie beflügelt architektur“ beschreitet neue Wege. Nicht die altbekannten Beispiele und Geschichten stehen im Vordergrund, sondern aktuelle Forschung: Die Ausstellung ist Teil und Schaufenster des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereichs „Biological Design and Integrative Structures – Analysis, Simulation and Implementation in Architecture“ (www.trr141.de)

Das große Ziel: Die Entwicklung einer nachhaltigen Architektur, die mit Energie effizient umgeht und gleichzeitig ästhetisch überzeugt.

 Geforscht wird an ganz konkreten Objekten mit ganz konkreten Zielen. Einige Beispiele:

  • Wie sind die Platten geformt und verzahnt, aus denen Seeigel ihre Gehäuse bilden? Zeigen sie Wege in eine ganz andere Form von Plattenbau – nicht stereotyp aus immer gleichen Elementen, sondern ganz individuell?
  • Sind die modularen Leitungssysteme von Pflanzen oder die einerseits steifen, andererseits gelenklos beweglichen Stechrüssel von Wanzen nicht viel besser als konventionelle technische Leitungen?
  • Dämpfung und Dämmung – also die gezielte „Vernichtung“ von Energie bei mechanischer Belastung oder Energiesparen durch Isolationsmaterialien – ein zentrales Thema für nachhaltiges Bauen. Können die dicke Schale einer Pomelo und der Stachel eines Seeigels technische Lösungen inspirieren?
  • Welche Kräfte und Mechanismen wirken, wenn Blüten sich öffnen oder die fleischfressende Venusfliegenfalle zuschnappt? Lassen sich daraus zum Beispiel Verschattungssysteme entwickeln, die effektiver (und schöner) sind als die klassischen Jalousien?
  • Nichts ist massiver als Beton. Lässt sich von biologischen Vorbildern lernen, wie Beton durch den gezielten Einbau von Poren leichter wird, ohne an Stabilität einzubüßen?
  • Schnecken stellen ihr manchmal reich mit Rippen oder Skulpturen verziertes Gehäuse über eine geniale 3-D-Druck-Methode her: Lassen sich so auch individuelle Architektur-Elemente produzieren?

Hinter diesen speziellen Fragen stehen ganz grundsätzliche, wie diese:

  • Biologische Strukturen sind oft klein. Wie lassen sich an ihnen gewonnene Erkenntnisse in die Dimensionen der Architektur übersetzen?
  • In der Natur entstehen neue Lösungen nicht durch gezieltes Nachdenken, sondern durch evolutionäre Prozesse, und sie sind oft verblüffend unkonventionell. Können wir auch hier von der Natur lernen und dadurch auf neue und unerwartete Lösungen stoßen?

Die Ausstellung

„Public understanding of science“: Die Ausstellung zeigt auf 600 m² diese und weitere Beispiele, die Ideen, die dahinterstecken, die Forschungsansätze, die Visionen.

Die zentrale Botschaft: Biologische Objekte werden gezielt ausgewählt und untersucht, um neue Lösungen für eine nachhaltige und ästhetisch überzeugende Architektur zu entwickeln. Einfaches „Abgucken von der Natur“ geht nicht – der Weg von der grundsätzlichen Erkenntnis, wie etwas funktioniert, bis zur funktionierenden Fertigung und Produktion ist weit!