Quartär vor 2,6 Millionen Jahren bis heute

Das Quartär ist die jüngste, kürzeste und noch nicht abgeschlossene Epoche der Erdgeschichte. Man gliedert sie in das Pleistozän und das Holozän, die heutige Warmzeit, die die letzten 11 800 Jahre umfasst. Die im Tertiär begonnene Hebungstendenz setzte sich in Süddeutschland fort. 

Das Pleistozän ist durch starke Klimaschwankungen gekennzeichnet. Befunde aus Tiefseebohrungen und Eisbohrungen in der Arktis und Antarktis zeigen, dass sich mehr als 20 Warm- und Kaltzeiten abgewechselt haben. 

In Süddeutschland sind aus den letzten 800 000 Jahren mindesten drei Kaltzeiten (Hosskirch-, Riss- und Würm-Kaltzeit) mit Gletschervorstößen nachgewiesen, die sich aus den Alpen über den Bodensee hinaus in das Voralpenland vorschoben. Nördlich davon schloss sich eine nährstoffreiche Lösssteppe an. Vor allem in Oberschwaben sind heute Ablagerungen der Kaltzeiten und der dazwischen liegenden Warmzeiten gut zu erkennen und voneinander zu unterscheiden. Weitere Kaltzeiten gab es in der ersten Hälfte des Quartärs. Deren Sedimente sind aber zum größten Teil bereits abgetragen. 

Die Gletscher, die in den Kaltzeiten weit auf das Alpenvorland hinausgriffen, hinterließen Moränen und Schmelzwasserablagerungen. Durch Flüsse wurden in den kurzen Sommermonaten Täler verbreitert und Gesteinsschutt transportiert. Ließ die Transportkraft des Wassers nach blieb das mitgeführte Geröll liegen. Aus diesen kahlen Schotterfluren wurde sehr feinkörniges Material ausgeblasen und in den Steppengebieten abgelagert. Die so entstandenen großräumigen Löss-Flächen bilden heute die fruchtbarsten Ackerböden Süddeutschlands.

Während der Warmzeiten herrschte ein warm-gemäßigtes Klima, die Durchschnittstemperatur lag teilweise sogar einige Grad über der heutigen. In diesen Phasen zogen sich die Gletscher zurück und in den von ihnen ausgeschürften Becken entstanden Seen: zum Beispiel der Bodensee oder der Federsee. Kleinere Seen verlandeten allmählich und Moore entstanden an ihrer Stelle.

Eine besondere Bildung aus den Warmzeiten sind die Sauerwasserkalke Stuttgarts. Kalk, von unterirdisch fließendem Wasser aus dem Gestein gelöst, wurde an Quellaustritten abgeschieden. Dabei bildeten sich bei der Überrieselung von Pflanzen poröse Kalkpolster. Dieses Gestein, das man nur an den Talhängen des Neckars findet, wird Travertin genannt und ist ein beliebter Baustein dieser Gegend.

Zur Dauerausstellung:
Quartär

Paläogeografische Karte Europas zur Zeit der Würm-Vereisung im Quartär.

Landschaftsbild Süddeutschlands: Baden-Württemberg in der letzten Eiszeit vor 25

Travertin-Steinbruch Lauster in Stuttgart-Bad Cannstatt.