Das Farn- und Blütenpflanzenherbar

Das derzeitige Herbar ist die größte Sammlung des Landes Baden-Württembergs und besitzt folgende Schwerpunkte:

Württemberg mit Sammlungen von Erwin von Arand-Ackerfeld, Karl Bertsch, Ernst Bolter, Georg Wolfgang Brielmaier, Friedrich Hegelmaier, Wilhelm Kreh, Christian  Maier, Adolf Mayer, Karl Müller, Julius Plankenhorn, Walter Plieninger, Evarist Rebholz, Heinrich Sautermeister, Karl Schlenker, Ernst Schüz, Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Arno Wörz und dem „Landesherbar“ („Herbariums für vaterländische Naturkunde“ und „Herbarium der Centralstelle des landwirtschaftlichen Vereins“), Europa insbesondere Frankreich (Jean Prudhomme), Griechenland (August von Hayek, Theodor von Heldreich), Norwegen (Johann Gottlob von Kurr) und Spanien (Friedrich Hegelmaier, Max Nydegger, Pietro Porta, Jean Prudhomme, Gregorio Rigo), Äthiopien (Oskar Sebald, Wilhelm Schimper), Australien (Ferdinand von Müller, Arno Wörz), Indien (Joseph Dalton Hooker, Johann Friedrich Metz, Thomas Thomson), Iran (Johannes Bornmüller, Theodor Kotschy, Jürgen Schedler), Neuseeland (Thomas Kirk) und Südafrika (Christian Friedrich Ecklon, Friedrich von Krauss, Carl Baron von Ludwig, Hans Joachim Schlieben, Rudolf Georg Strey et al.).

Einen Überblick der wichtigsten Sammler des Herbars mit Lebensdaten, Handschriftenproben und Bildern findet sich in Engelhardt & Seybold (2009): „Die Sammler von Farn- und Blütenpflanzen der Herbariums des Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (STU)“

Auch in neuerer Zeit kommen immer wieder wertvolle Sammlungen hinzu. In den letzten Jahren wurden große Sammlungen z.B. von Jean Prudhomme (50.000 Belege), Hippolyte François Jaubert (10.300), Friedrich Schupp (10.000), Günter Gottschlich (Tauschverein Liege und Allgemeines Herbar (11000 Belege, excl. Hieracium)), Volker Hellmann (13.500), Gerda und Prof. Wilhelm Sauer (50.000) und Dubletten von Max Nydegger (6.000 via Günter Gottschlich) erworben. Die Farnsammlung wurde durch Belege von Marcus Lehnert aus Ecuador und Papua-Neuguinea (Referenzaufsammlungen aus Forschungsprojekten, ca. 1.000 Belege) stark erweitert. Zahlreiche Belege aus der aktuellen floristischen Kartierung und Belegmaterial zu aktuellen wissenschaftlichen Tätigkeiten (GBOL) sind in STU deponiert. Damit stehen sie künftigen Überprüfungen zur Verfügung. Neben der Herbarbelegsammlung gibt es auch eine umfangreiche Frucht- und Samen-, sowie eine Holzsammlung.

Im Stuttgarter Herbar sind die Familien, Gattungen und Arten jeweils alphabetisch geordnet und geografisch untergliedert. Seit dem Jahr 2000 werden alle neu eingearbeiteten Belege auch digital in einer Datenbank erfasst.

Literatur:

Barge, A. (2011): Das Herbarium von Oberlehrer Evarist Rebholz aus Tuttlingen. – Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg 167: 227-246. Stuttgart.

Engelhardt, M. und S. Seybold (2009): Die Sammler von Farn- und Blütenpflanzen des Herbariums des Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (STU). - Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg 165/2, S. 5-162. Stuttgart. (pdf zum Download)

Gottschlich, G. (2015): Bestand und Genese des Herbariums Hegelmaier (STU). Dargestellt am Beispiel der Gattung Hieracium (Asteraceae) mit besonderer Berücksichtigung der Typus-Belege. - Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg 171: 21-50. Stuttgart.

Pleines, T. und M. Engelhardt (2006): Das Herbarium von Karl Schlenker. - Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg 162, S. 129-135. Stuttgart

Sebald, O. (1983): Alexander Wilhelm Martini (1702-1781), ein Begleiter J. G. Gmelins auf der Sibirien-Reise, und sein Herbarium. - Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde Serie A (Biologie) 368. 24 S. Stuttgart. (pdf zum Download)

Wörz, A., Oettler, G. & M. Engelhardt (2009): Georges Cuviers "Reise auf die Württembergische Alb" – ein zeit- und wissenschaftliches Dokument. – Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg 165/1: 301-336. Stuttgart

Wörz, A. (2007): The "Botanische Reiseverein" - A 19th century joint-stock company for the collecting of herbarium specimens. - Huntia 13(2): 121-141.

Wörz, A- (2016). Der Esslinger botanische Reiseverein 1825-1845. Eine Aktiengesellschaft zur Durchführung naturkundlicher Sammelreisen – Stuttgarter Beiträge zur Wissenschafts- und Technikgeschichte 9: 1-211. Berlin.

Das Flechtenherbar

Mit rund 85.000 größtenteils aufgearbeiteten Belegen gehört das Flechtenherbar in Stuttgart zu den umfangreichsten seiner Art. Es umfasst etwa 6800 Arten mit 430 Typenbelegen. Von 1975 bis 2001 wurde das Flechtenherbar von Volkmar Wirth betreut. Er hat im Laufe mehrerer Jahrzehnte etwa 35.000 Belege gesammelt.

Im Flechtenherbar ist auch eine rund 16.000 Proben umfassende Sammlung von Exsiccaten-Werken enthalten, die vor allem auf Initiative von Wirth an das Museum gelangt sind. Die ältesten stammen von Gottfried Gärtner (Flora der Wetterau, 1799-1802) und L. Reichenbach & C. Schubert (1822-1826). Weitere wichtige Exsiccate stammen von A.Vezda (Tschechien), F. Arnold (Franken), Wartmann & Schenk (Schweiz), Jack, Leiner & Stizenberger (Baden-Württemberg), Rabenhorst (Europa).

Die älteren Sammlungsteile bestehen aus den Herbarien von F. Hegelmaier, F. Sautermeister, E. Schüz. Wertvolle Belege von G. Kurr sind durch das Herbar der TH Stuttgart ans Haus gekommen. Aus neuerer Zeit sind als Zugang das Herbar Karl Bertsch mit zahlreichen Belegen von Max Eggler und Aufsammlungen von Roman Türk besonders erwähnenswert. Geografisch liegt der Schwerpunkt in Baden-Württemberg. Die Sammlung ist Grundlage der von Wirth verfassten "Flechtenflora" und des Werkes "Die Flechten Baden-Württembergs". Umfangreiches Material liegt außerdem aus Mitteleuropa, besonders den Silikatmittelgebirgen (Wirth), den Alpen (Türk), dem Mittelmeergebiet (P.L. Nimis), und den Trockengebieten Südafrikas und Südamerikas (Wirth) vor.

Das Moosherbar

Begründer des Moosherbars war Georg von Martens (1788-1872). Das alte Herbar, das sich aus mehreren Quellen speist, wird als Landesherbar bezeichnet. Der älteste Beleg aus dieser Sammlung stammt aus dem Jahr 1791. Dieses Herbar war auch Grundlage für die erste Florenlisten der Moose Württembergs, die 1862 erschienen ist. Die wichtigste Erweiterung war das Material von Friedrich Hegelmaier (1833-1906) mit 9.000 Belegen, das zwischen 1862 und 1904 gesammelt wurden. In diesen Aufsammlungen sind auch viele Belege von Carl Albert Kemmler (1813-1888) enthalten. Von Lorenz Herter (1857-1888) liegen zahlreiche Belege aus Oberschwaben in Stuttgart. Ein weiterer wertvoller Zugang war das Herbar Karl Bertsch (1878-1965) mit 9.000 Belegen (nur Laubmoose, der Verbleib der Lebermoose ist leider unbekannt). Hier enthalten ist die umfangreiche Sammlung von Max Eggler (-1944). Den größten Zuwachs erhielt das Moos-Herbar STU durch den Kauf des Herbars von Fritz Koppe (1896-1981) mit rund 40.000 Belegen. Aus dem Herbar Ruprecht Düll sind im Laufe der Jahre rund 23.000 Belege in den Besitz des Museums übergegangen. Im Jahr 2008 kamen die Herbarien Eckhart Walsemann mit rund 11.000 Belegen und Gerd Mechmershausen (Nachlass Walsemann) mit etwa 6.000 Belegen hinzu. Das Jahr 2010 verzeichnet den Zugang der Herbarien Renate Lübenau-Nestle mit rund 10.000 Belegen, Wolfgang Frey mit über 6.700 Belegen und größere Aufsammlungen aus dem Herbar Oskar Sebald mit rund 3.200 Belegen. In den letzten Jahren haben rund 12.000 Belege aus dem Herbar Schäfer-Verwimp die Sammlung bereichert.

Geografisch liegt der Schwerpunkt der Sammlung in Baden-Württemberg. In Europa liegen die Sammlungsschwerpunkte in den Alpen (Hegelmaier, Eggler, Koppe, Lübenau-Nestle, Nebel), Norddeutschland (Koppe, Walsemann, Mechmershausen), Ostdeutschland (Koppe), Griechenland (Düll, Nebel), Spanien, vor allem Balearen (Hegelmaier, Koppe). Außerhalb Europas stammen die Aufsammlungen hauptsächlich aus Vorderasien mit Zypern (Koppe, Frey, Lübenau-Nestle), Mittelasien (Frey), Madeira und den Kanaren (Koppe, Schäfer-Verwimp) und Nordamerika (Düll). In neuester Zeit ist umfangreiches Material aus den Tropen (Schäfer-Verwimp, Preussing, Nebel) in das Herbar gelangt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Südamerika, insbesondere in Ecuador. 

Das Pilzherbar

Das Pilzherbar enthält ca. 100.000 Belege und wurde über 40 Jahre ehrenamtlich von Hans Haas geführt. Es besteht überwiegend aus Aufsammlungen von Hans Haas, M. Hallermeier, F.L. Sautermeister, Andreas Gminder und dem sehr großen und reichhaltigen Fungarium German Krieglsteiner. Auch eine umfangreiche Sammlung von Pilzaquarellen ist vorhanden. Sie stammen überwiegend von Theodor Gottschik, Hans Spaeth, Elisabeth Schaupp, Hanna Maser, Otto Baral, August Hahne und Hans Haas. In unaufgearbeiteten Herbarien (z.B. von Emil Schüz) sind Exsiccatensammlungen von P. Sydow, L. Fuckel, O. Jaap und W. Krieger sowie eine große Rostpilz-Sammlung von K. Müller, F.L. Sautermeister und K. Bertsch vorhanden.

Das Algenherbar

Das Algenherbar enthält schätzungsweise etwa 10.000 Belege. Wichtiges Material stammt aus den Sammlungen von Georg von Martens, Emil Schüz und G. H. von Zeller.

Das Algenherbar enthält neben vielen Einzelbelegen auch Exsiccate wie einen fast vollständigen Satz des von Hohenacker herausgegebenen Exsiccatenwerkes „Algae marinae siccatae“ und ein Exsiccatenwerk europäischer Characeae von H. und W. Krause.