Weniger Pestizide, mehr Bildung: 9-Punkte-Plan gegen das Insektensterben

Forscher präsentieren auf internationalem Insektenschutzsymposium am Naturkundemuseum Stuttgart Maßnahmenplan zur Bekämpfung des Insektensterbens.

Stuttgart, 19.10.2018. Mit weltweit circa 1 Million bekannten Arten gehören die Insekten zu den erfolgreichsten Organismengruppen auf unserem Planeten. Trotz dieses evolutionären Erfolgs sind in Mitteleuropa mittlerweile viele Insektengruppen massiv bedroht und so stark im Rückgang begriffen, dass man von einem weitreichenden Insektensterben sprechen kann. Unter dem Motto „Fakten, Ursachen, Lösungen“ haben sich heute im Naturkundemuseum Stuttgart renommierte Wissenschaftler aus ganz Europa mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Naturschutz getroffen, um mögliche Lösungsansätze zu diskutieren.

Diese Lösungsansätze haben die Forscher am Ende des Symposiums in einem gemeinsamen 9-Punkte-Plan präsentiert. „Der dramatische Rückgang der Insekten zeichnet sich bereits seit Jahrzehnten ab und wird unabsehbare ökonomische und ökologische Folgen haben, wenn wir alle nicht endlich handeln“, warnt Dr. Lars Krogmann vom Naturkundemuseum Stuttgart und künftiger Leiter des Fachgebiets Systematische Entomologie an der Universität Hohenheim.

Die Forderungen der Wissenschaftler zum Schutz der Insekten

  1. Einschränkung des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft: u.a. durch veränderte Zulassungsverfahren, einem Verbot von vorbeugendem Pflanzenschutz und einem Verbot von Neonikotinoiden und Totalherbiziden
  2. Extensivierung der Landwirtschaft: u.a. durch Kopplung der EU-Agrarsubventionen an ökologische Leistungen, durch Förderung von Brachflächen und Ökolandbau. Nährstoffüberschüsse müssen begrenzt, strukturreiche Flächen und die Vernetzung der Biotope gefördert werden.
  3. Erhöhung der Artenvielfalt des Grünlands: Ein Rückgang der Grünlandflächen ist zu stoppen. Die Bewirtschaftung muss insektenfreundlicher werden, der Einsatz von Mulchgeräten und Mähaufbereitern begrenzt.
  4. Pflege von Naturschutzgebieten: u.a. muss das Pflegemanagement Insekten besser berücksichtigen. Die unter Naturschutz stehende Fläche ist zu erhöhen, der Einsatz von Pestiziden darin untersagt werden. Die Naturschutzbehörden brauchen einen höheren Etat. 
  5. Mehr Natur im öffentlichen Raum: Öffentliche Grünflächen sollen insektenfreundlicher gestaltet werden: Mehr heimische Blühpflanzen statt mehr Grün in der Stadt. Rasenflächen müssen zu extensiven Mähwiesen umgestaltet werden.
  6. Weniger Lichtverschmutzung: Straßenleuchten sind auf LED umzurüsten, die Farbtemperatur sollte maximal 3000 Kelvin betragen, die für Insekten weniger attraktiv ist als die üblichen 4000 Kelvin.
  7. Forschungs und Bildungsoffensive: Die Artenkenntnisse der Bevölkerung in Deutschland sind gering. Daher ist eine Taxonomie-Offensive für Experten und Amateur-Entomologen nötig. Das Insekten-Monitoring muss ausgebaut, naturkundliche Sammlungen besser unterstützt werden.
  8. Förderung von Wildbestäubern: Wildbienen sollen einen höheren Schutzstatus erhalten und in die FFH-Richtlinie aufgenommen werden. Um Krankheitsübertragungen zu vermeiden, ist bei Honigbienen streng auf die Hygiene zu achten, eine Nahrungskonkurrenz zu den Wildbienen ist zu vermeiden, etwa durch die Festlegung einer Höchstzahl.
  9. Öffentlichkeitsarbeit: Das Bewusstsein der Bevölkerung für das Problem ist zu schärfen, etwa damit auch Privatgärten insektenfreundlicher gestaltet werden. Fortbildungen für Lehrer und Erzieher können bereits bei den Jüngsten ansetzen.

Resolution der Forscher stützt Aktionsprogramm der Bundesregierung

Die vor einigen Tagen veröffentlichten Diskussionsvorschläge für ein „Aktionsprogramm Insektenschutz“ von Bundesumweltministerin Svenja Schulze bewerten die Forscher positiv und begrüßen sie. Der 9-Punkte-Plan soll in der nächsten Woche an die Agrar-, Umwelt- und Bildungsministerien des Bundes und der Länder versandt werden.

All diese Maßnahmen der letzten Tage und Wochen machen deutlich, dass hinsichtlich des Themas Insektensterben akuter Handlungsbedarf besteht. Die Autoren des 9-Punkte-Plans benennen das Insektensterben nicht umsonst als „eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts“, die nur durch einen „gemeinsamen gesellschaftlichen Kraftakt“ zu bewältigen ist.

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Für die Redaktionen:

Den 9-Punkte-Plan finden Sie im Anhang. Für Rückfragen steht Ihnen der Entomologe und Organisator des Symposiums Dr. Lars Krogmann gerne zur Verfügung.

 

Kontakt für Fachinformationen:

Dr. Lars Krogmann                                       

Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart

Abteilung Entomologie

Tel. 0711 / 8936-219                                                

Email. lars [dot] krogmann [at] smns-bw [dot] de

 

Pressekontakt:

Lisa-Marie App

Tel. 0711 / 8936-107

lisamarie [dot] app [at] smns-bw [dot] de

 

Bildnachweise:

Bild 1: Wildbiene_Halictus_scabiosae.jpg – Urhebervermerk: A. Haselböck

Bild 2: Wildbiene_Halictus_subauratus.jpg – Urhebervermerk: A. Haselböck

Wildbienen gehören zu den besonders bedrohten Insektengruppen.

Bitte beachten Sie, dass eine Veröffentlichung der Fotos nur mit Urhebervermerk gestattet ist. Vielen Dank.

Internationales Insektenschutzsymposium am Naturkundemuseum

Am 19.10.2018 diskutieren Wissenschaftler aus ganz Europa mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Naturschutz im Museum am Löwentor über die Ursachen des Insektensterbens und mögliche Lösungsansätze.  

Stuttgart, 15.10.2018. Insekten sind weltweit die artenreichste Tiergruppe und für die Funktion von Ökosystemen unerlässlich. Der dramatische Rückgang der Insekten hat in Mitteleuropa inzwischen alarmierende Ausmaße erreicht mit unabsehbaren ökonomischen und ökologischen Folgen. Auf dem Symposium werden die Gründe für diesen Rückgang anhand neuester Forschungsergebnisse diskutiert. Zudem sollen konkrete Lösungsvorschläge und Empfehlungen für die Politik erarbeitet werden. Dabei sollen auch die in dieser Woche von Bundesumweltministerministerin Svenja Schulze gemachten Diskussionsvorschläge für ein „Aktionsprogramm Insektenschutz“ der Bundesregierung diskutiert werden. Die Schirmherrschaft für die Tagung hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann übernommen, dem der Schutz der Artenvielfalt bekanntermaßen ein großes Anliegen ist.

Mit weltweit circa 1 Million bekannten Arten gehören die Insekten zu den erfolgreichsten Organismengruppen auf unserem Planeten. Trotz dieses evolutionären Erfolgs sind in Mitteleuropa mittlerweile viele Insektengruppen massiv bedroht und so stark im Rückgang begriffen, dass man von einem umfassenden Insektensterben sprechen kann. Unter dem Motto „Fakten, Ursachen, Lösungen“ kommen deshalb Mitte Oktober renommierte Wissenschaftler aus ganz Europa sowie Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Naturschutz in Stuttgart zusammen, um über die Bedrohung der Insektenvielfalt zu diskutieren. Die Tagung mit einem Grußwort eröffnen wird dabei unter anderem Staatssekretär Dr. Andre Baumann aus dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft.

Am Ende des Symposiums werden die Vortragenden einen gemeinsamen 9-Punkte-Plan gegen das Insektensterben präsentieren, in dem erstmals die Perspektive der Wissenschaft dargestellt wird. Dieser Maßnahmenkatalog soll als Handlungsempfehlung an die Agrar-, Umwelt- und Bildungsministerien des Bundes und der Länder versandt werden.

Die Vorträge finden in englischer Sprache statt. Die Tagungsteilnahme ist nur mit vorheriger Anmeldung möglich.

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Für die Redaktionen:

Sie sind herzlich eingeladen, das Symposium zu begleiten. Das Tagungsprogramm finden Sie anbei. Bitte geben Sie uns Bescheid, wenn Sie kommen möchten.

Die Podiumsdiskussion mit allen beteiligten Wissenschaftlern findet ab ca. 17 Uhr statt. Der Maßnahmenkatalog wird um ca. 18 Uhr erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt und gleichzeitig in Form einer Pressemitteilung per E-Mail an die Medienvertreter versandt.

 

Kontakt für Fachinformationen:

 Dr. Lars Krogmann                                       

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Als Organisator der Tagung steht Ihnen der Entomologe Dr. Lars Krogmann gerne für Fragen zur Verfügung.

 

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Bild 1: Wildbiene_Halictus_scabiosae.jpg

Bild 2: Wildbiene_Halictus_subauratus.jpg

Wildbienen gehören zu den besonders bedrohten Insektengruppen.

Urhebervermerk: A. Haselböck

Von fossilen Parasiten, Aliens und Röntgenstrahlen

Forscherteam entdeckt mithilfe neuester technischer Methoden parasitische Wespen in fossilen Fliegenpuppen

Stuttgart, 28.08.2018. Ein internationales Forscherteam aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen, in dem der Insektenforscher und Wespenspezialist Dr. Lars Krogmann vom Naturkundemuseum Stuttgart führend mitwirkte, hat in rund 30 Millionen Jahre alten versteinerten Fliegenpuppen parasitisch lebende Wespen entdeckt. Insgesamt konnten vier neue Wespenarten benannt und wissenschaftlich beschrieben werden. Die bahnbrechenden Ergebnisse dieser Untersuchung sind in der hochrangigen Fachzeitschrift Nature Communications erschienen.

„Noch nie konnten parasitische Wespen im Inneren von Insektenfossilien in dieser Detailgenauigkeit untersucht werden. Unsere Daten liefern neue Erkenntnisse zur Evolution dieser erfolgreichen Tiergruppe“, sagt Krogmann.

 Die Sammlung der fossilen Fliegenpuppen ist in den Naturkundemuseen in Basel und Stockholm beheimatet, umfasst mehr als 1.500 Exemplare und wurde bereits im 19. Jahrhundert in der französischen Region Quercy entdeckt. Dass in den scheinbar unscheinbaren Fossilien neben den zu erwartenden verpuppten Fliegen auch noch andere Organismen zu finden sind, hatte in den 1940er- Jahren der Schweizer Zoologe Eduard Handschin schon vermutet. „Handschin ist vermutlich auf der Suche nach gut erhaltenen Fliegen gewesen, als er Dünnschliffe aus mehreren Puppen herstellte und dabei zufällig auf etwas stieß, das ihn an den Längsschnitt einer parasitischen Wespe erinnerte“, erläutert der Paläontologe Dr. Achim Schwermann vom LWL-Museum für Naturkunde des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.

Nach dieser ersten Entdeckung wurden die Fliegenpuppen über viele Jahrzehnte hinweg nicht weiter wissenschaftlich untersucht, bis nun ein interdisziplinäres Team aus 18 internationalen Wissenschaftlern -  darunter Biologen, Paläontologen, Physiker, Informatiker und Mathematiker - die Fossilien erneut unter die Lupe nahm. „Unter die Lupe nehmen“ bedeutet in dem Fall das Durchleuchten mithilfe von Synchrotron-Röntgenstrahlung und die anschließende Untersuchung mittels Mikrocomputertomographie, wie sie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zum Einsatz kommt. Diese hochmoderne Bildgebungsmethode macht es möglich, innere Strukturen eines Objekts, in dem Fall die versteinerte Fliegenpuppe, hochaufgelöst sichtbar zu machen.

„Erst die jüngsten Entwicklungen haben es uns erlaubt, sehr große Probenmengen in relativ kurzer Zeit zu durchleuchten und teilautomatisiert auszuwerten“, erläutert der Biologe Dr. Thomas van de Kamp des KIT und erklärt: „Nur so war es uns möglich, wirklich jede einzelne Puppe der umfangreichen Sammlung auf Parasitenbefall zu untersuchen.“

Und sie wurden fündig. Nachdem die über 1.500 und nur rund drei Millimeter langen fossilen Fliegenpuppen durchleuchtet waren, wurde deutlich, dass sich in 55 der Puppen ein Parasit befand. Es handelt sich dabei um parasitisch lebende Wespen, die die Fliegenpuppen als Wirte benutzten. Die Untersuchung zeigt zum ersten Mal überhaupt detailliert dieses Verhältnis von Parasit und Wirt auf.

„Die weibliche Wespe hat mit ihrem Legestachel ein Ei in eine Fliegenpuppe gelegt. Im Inneren der Puppenhülle hat sich die Wespenlarve entwickelt und von der ungeschlüpften Fliege ernährt.“, so Dr. Lars Krogmann. Bei den entdeckten Wespen handelt es sich hauptsächlich um ausgewachsene Exemplare. „Die meisten der nun entdeckten Wespen standen kurz vor dem Schlupf. Einige haben sich in der Puppenhülle bereits bewegt, während sie nur noch darauf gewartet haben, dass ihre Artgenossen sich ebenfalls zum Schlupf bereitmachen. Das ist ein bemerkenswerter Hinweis auf einen synchronisierten Schlupf, den diese Wespen entwickelt haben. Sie wären dann zeitgleich aus den Fliegenpuppen geschlüpft“, erläutert der Stuttgarter Wespenspezialist weiter.

 Durch die Detailgenauigkeit der bildlichen Darstellung und Untersuchung konnten vier neue Wespenarten benannt und wissenschaftlich beschrieben werden. Die am häufigsten vorkommende Art erhielt den Namen Xenomorphia resurrecta. Der Gattungsname ist dabei eine Anspielung auf die als „Xenomorph“ bezeichneten Wesen aus der Science-Fiction-Filmreihe Alien, die sich ebenfalls als Parasiten im Innern eines Wirts entwickeln. Das Wort „resurrecta“ wiederum verweist auf die „digitale Wiederauferstehung“ der ausgestorbenen Art.

Das Forscherteam ist begeistert über die Ergebnisse, die nur möglich geworden sind, weil unscheinbar wirkende Fossilien mit modernsten Methoden untersucht wurden. „Diese Fossilien sind ein Schatz, der schon lange in Sammlungsschubladen schlummerte“, so Schwermann. „Wir können ihn nun mit unseren Methoden heben.“

Publikation: Thomas van de Kamp, Achim H. Schwermann, Tomy dos Santos Rolo, Philipp D. Lösel, Thomas Engler, Walter Etter, Tomáš Faragó, Jörg Göttlicher, Vincent Heuveline, Andreas Kopmann, Bastian Mähler, Thomas Mörs, Janes Odar, Jes Rust, Nicholas Tan Jerome, Matthias Vogelgesang, Tilo Baumbach, Lars Krogmann: Parasitoid biology preserved in mineralized fossils; „Nature Communications“; DOI: 10.1038/s41467-018-05654-y

Die Publikation finden Sie hier: http://dx.doi.org/10.1038/s41467-018-05654-y 

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FÜR DIE REDAKTIONEN

Kontakt für Fachinformationen:

Dr. Thomas van de Kamp
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
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E-Mail: thomas [dot] vandekamp [at] kit [dot] edu (thomas [dot] vandekamp [at] kit [dot] edu
)
Tel.: 0721/60828655

Dr. Lars Krogmann

Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart
Rosenstein 1
70191 Stuttgart
E-Mail: Lars.krogmann [at] smns-bw [dot] de (krogmann [at] smns-bw [dot] de
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Hinweis: Dr. Lars Krogmann steht ab dem 03.09.2018 wieder für Fragen und Interviews zur Verfügung.

 

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Bild- und Videomaterial:

Bild 1: Fossile_Fliegenpuppen_Quercy.jpg:
Die versteinerten Fliegenpuppen sind rund 30 Millionen Jahre alt und wurden bereits im 19. Jahrhundert in Frankreich entdeckt.

Urhebervermerk: G. Oleschinski (Steinmann-Institut, Universität Bonn)

Bild 2: Fliegenpuppe_mit_parasitischer_Wespe.jpg:
Die Untersuchung macht deutlich, dass jede 30. Fliegenpuppe eine parasitische Wespe enthält.

Urhebervermerk: Foto: G. Oleschinksi (Steinmann-Institut, Universität Bonn); Rendering: T. van de Kamp (KIT)

Bild 3: Wespe_legt_Ei_in_Fliegenpuppe.jpg:
Durch die Anwendung der Mikrocomputertomographie lassen sich detailgenaue Rekonstruktionen erstellen: Hier legt Xenomorphia resurrecta ein Ei in die Fliegenpuppe ab.

Urhebervermerk: Nature Communications / T. van de Kamp (KIT)

Videos:

https://youtu.be/hdSrWY9FpYM
https://youtu.be/xDvYjHTf3lc

 

Falls Sie die Videos als mp4 zugesendet haben möchten, wenden Sie sich bitte an die Pressestelle (lisamarie [dot] app [at] smns-bw [dot] de). Das Copyright der Videos liegt beim Journal Nature Communications

Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung nur unter Angabe des jeweiligen Urhebervermerks gestattet ist. Vielen Dank.

Fossile Steinfliegen in Bernstein nach den Rolling Stones benannt

Geschenk für Mick Jagger zum 75. Geburtstag: Fossile Steinfliegen in Bernstein nach den Rolling Stones benannt

Stuttgart, 26.07.2018. Pünktlich zum 75. Geburtstag von Mick Jagger hat der Insektenforscher am Naturkundemuseum Stuttgart und bekennende Rolling-Stones-Fan Dr. Arnold Staniczek seinen Rockhelden eine ganz besondere Ehre erwiesen: Er benannte nicht nur eine neu entdeckte, in Jahrmillionen altem Bernstein konservierte Steinfliegenfamilie nach der britischen Kultband, auch allen derzeitigen und ehemaligen Mitgliedern der Band wurde je eine fossile Steinfliegenart gewidmet. So trägt eine der ca. 100 Millionen Jahre alten „Rolling Stoneflies“ nun den Namen „Petroperla mickjaggeri“ aus der Steinfliegenfamilie der „Petroperlidae“, was sich vom Griechischen „Petra“ (= Stein) ableitet.

„Burmesischer Bernstein ist eines der ältesten fossilen Harze - und Steinfliegen sind eine der ältesten Gruppen der geflügelten Insekten“, sagt Dr. Arnold Staniczek. „So liegt es nahe, fossile Steinfliegen in uralten Versteinerungen mit den Rolling Stones zu verbinden und die neu entdeckten Arten nach den Mitgliedern der ältesten und größten Rock 'n‘ Roll Band der Welt zu benennen.“

Das Timing der wissenschaftlichen Publikation dazu ist perfekt: Das Erscheinungsdatum, der 26. Juli, deckt sich mit dem Geburtstag von Mick Jagger. Arnold Staniczek sagt dazu: "Ich möchte den Rolling Stones für den Soundtrack meines Lebens danken und Mick Jagger auf meine persönliche Weise zu seinem 75. Geburtstag gratulieren."

Die Entdeckung der „Rolling Stoneflies“ sei darüber hinaus nicht nur ein Gag, versichert Dr. Staniczek: „Diese fossilen Insekten vertiefen unser Wissen über das Leben in kreidezeitlichen Bernsteinwäldern und beleuchten auch die Evolution der Steinfliegen, die sich damals die Erde noch mit den Dinosauriern teilten.“

Alle „Rolling Stoneflies“ sind derzeit als Vorschau zur Großen Landesausstellung „Leben im Bernsteinwald“, die am 5.12.2018 eröffnet wird, im Museum am Löwentor ausgestellt. Ein Sonderexemplar der Veröffentlichung wurde übrigens an das Management der Rolling Stones geschickt – auch als Anreiz für die Band, bei der nächsten Tour wieder nach Stuttgart zu kommen.

Die wissenschaftliche Publikation ist online frei verfügbar: Sroka, P., Staniczek, A.H. & Kondratieff, B.C. (2018): ‘Rolling’ stoneflies (Insecta: Plecoptera) from mid-Cretaceous Burmese amber.

PeerJ 6:e5354; DOI 10.7717/peerj.5354

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Dr. Arnold Staniczek

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E-Mail: arnold [dot] staniczek [at] smns-bw [dot] de

Dr. Arnold Staniczek ist Kurator für aquatische Insekten am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart und u.a. Experte für Steinfliegen.

 

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Bild 1: Bild_1_A_Staniczek_Rolling_Stoneflies.jpg:

Der Stuttgarter Insektenforscher Dr. Arnold Staniczek präsentiert in der Bernsteinsammlung des Naturkundemuseums Stuttgart „seine“ Rolling Stoneflies.

Urhebervermerk: SMNS / T. Wilhelm

 

Bild 2: Bild_2_Petroperla_mickjaggeri_Rolling_Stonefly.jpg:

Petroperla mickjaggeri – eine fossile, neu entdeckte Steinfliegenart, eingeschlossen in ca. 100 Millionen Jahre altem Burmesischem Bernstein und benannt nach dem Sänger der Rolling Stones.

Urhebervermerk: SMNS / A. Staniczek

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Invasion giftiger Kröten bedroht Madagaskars Tierwelt

05.06.2018. Die Einschleppung der asiatischen Schwarznarbenkröte nach Madagaskar lässt befürchten, dass die giftige Amphibie verheerende Auswirkungen auf die bereits stark bedrohte Tierwelt der Insel haben könnte. Jetzt berichtet ein internationales Forscherteam in der Zeitschrift Current Biology über genetische Befunde, die zeigen, dass diese Ängste begründet sind: Fast alle in Madagaskar heimischen potentiellen Fressfeinde sind empfindlich für das Krötengift. Wenn sie die Kröten fressen, könnte das für sie tödlich sein. An der Studie sind u.a. Forscher der Zoologischen Staatssammlung München, des Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart und der Technischen Universität Braunschweig beteiligt.

"In Australien hat die Einschleppung von Agakröten zu einer tiefgreifenden Störung vieler Ökosysteme geführt, indem wichtige Räuber durch die Krötengifte aus lokalen Nahrungsnetzen entfernt wurden", sagt Wolfgang Wüster von der Universität Bangor, Vereinigtes Königreich. "Ähnliche Auswirkungen werden wahrscheinlich auch in Madagaskar auftreten, wo Kröten ebenfalls niemals vorkamen. Fressfeinde, die häufiger Kröten erbeuten und nicht schnell lernen, sie zu vermeiden, werden wahrscheinlich seltener oder könnten sogar aussterben."

Kröten können giftige Substanzen (Bufadienolide) absondern, die viele Arten von Räubern töten, indem sie die Natrium-Kalium-Pumpe (Na + / K + -ATPase), eine essentielle Komponente tierischer Zellmembranen, hemmen. Es ist jedoch bekannt, dass einige Spezies eine Resistenz gegen diese Toxine entwickelt haben, die sich an spezifischen Punktmutationen im Gen für dieses Enzym erkennen lässt. Die Ankunft der giftigen und invasiven Schwarznarbenkröten (Duttaphrynus melanostictus) in Madagaskar führte zu heftigen Diskussionen über ihre wahrscheinlichen Auswirkungen und die Maßnahmen, die ergriffen werden sollten, um sie zu kontrollieren oder auszurotten.

 "Bisher war völlig unklar, ob in Madagaskar heimische Räuber tatsächlich empfindlich für das Krötengift sind. Dies wurde zwar von Naturschützern generell angenommen, aber konkrete Beweise gab es dafür nicht", sagt Co-Autorin Andolalao Rakotoarison, Biologin an der Technischen Universität Braunschweig und der Universität Antananarivo. Um diese Wissenslücke zu schließen, analysierten die Forscher Sequenzen des Na + / K + -ATPase-Gen von 77 madagassischen Arten, die sich möglicherweise von Kröten ernähren, darunter 27 Schlangen, zwei Echsen, 12 Frösche, acht Säugetiere und 28 Vögel. Ihre Studien zeigten, dass nur eine einheimische Art, ein Nagetier, Anzeichen einer Resistenz gegen das neue Toxin zeigte.

"Unsere Ergebnisse bestätigen, dass die invasiven Kröten wahrscheinlich große Auswirkungen auf viele endemische Arten in Madagaskar haben werden, was die bestehenden Naturschutzprobleme des Landes weiter verschärft und möglicherweise viele bekannte Arten wie zum Beispiel Tenrecs und Fossas gefährdet ", sagt Co-Autorin Friederike Woog vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart. Es ist daher von großer Wichtigkeit, die Verbreitung dieser gebietsfremden Art zu kontrollieren, um eine größere Biodiversitätskrise zu verhindern.

Co-Autor Frank Glaw, Spezialist für madagassische Amphibien an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), weist darauf hin, dass die giftigen Kaulquappen der Kröte auch endemische Fische und wirbellose Räuber wie Wasserkäfer, Libellenlarven und Krebstiere gefährden könnten. Eine ähnliche Studie wird daher benötigt, um die Anfälligkeit der aquatischen Prädatoren Madagaskars zu bewerten.

"Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Arten, die von einem Teil der Welt in einen anderen eingeführt werden, natürliche Ökosysteme stören können", sagt Ben Marshall, Master-Student an der Universität Bangor und Erstautor der neuen Studie. "Die Verhinderung von Einschleppungen invasiver Arten muss für die Erhaltung der biologischen Vielfalt oberste Priorität haben."

Publikation:Marshall, B. M., N. R. Casewell, M. Vences, F. Glaw, F. Andreone, A. Rakotoarison, G. Zancolli, F. Woog & W. Wüster (2018): Widespread vulnerability of Malagasy predators to the toxins of an introduced toad. Current Biology 28, R1–R3. https://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(18)30452-4 DOI: https://doi.org/10.1016/j.cub.2018.04.024 

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Abb.1: Die Abbildung der asiatischen Schwarznarbenkröte überschattet die Artenvielfalt Madagaskars und bedroht die Zukunft vieler dort endemischer Arten. Neben der Abholzung von Regen- und Trockenwäldern ist die einzigartige Biodiversität der Insel nun auch durch eine weitere invasive Art bedroht. Foto: Wolfgang Wüster, Bangor University.