Kleine Sonderschau zum Museumsgeburtstag mit Einblicken in die wechselvolle 225-jährige Geschichte des Naturkundemuseums Stuttgart.

Laufzeit: 8.6. - 18.9.2016

Aus dem Boden gestampft wurde das Museum vor 225 Jahren nicht - de facto bestanden naturkundliche Sammlungen nämlich schon lange vorher. Über die Landesgrenzen bekannt waren zum Beispiel schon damals die Mammut-Fossilien aus der Cannstatter Grabung von 1700, die teilweise als Kuriositäten in die Herzogliche Kunstkammer, teilweise als obskure Heilmittel in die Hofapotheke gelangten.

Was also änderte sich vor 225 Jahren? Per Dekret vom 21. Mai 1791 schied Herzog Carl Eugen die Kunst von der Natur: Das Naturalienkabinett wurde eine selbstständige, der Wissenschaft verpflichtete Institution mit drei Abteilungen, zwei biologischen (Zoologie und Botanik) und einer erdwissenschaftlichen (Mineralogie, Geologie und Paläontologie). Dieses zukunftsweisende Konzept prägte die Entwicklung des Museums entscheidend.

Der 21.5.1791 gilt deshalb zu Recht als offizieller Museumsgeburtstag.

Steil bergauf ging es dann im 19. Jahrhundert. Im Jahr 1826 bezog das Museum an der Stuttgarter Neckarstraße endlich eigene Räumlichkeiten – eine wichtige Voraussetzung für den dynamischen Aufschwung, der die Naturaliensammlung in den folgenden Jahrzehnten prägte. Systematisch wurden enorme Sammlungen aufgebaut, schon früh auch mit internationalem Fokus. Das lag im Zeitalter der Entdeckungsreisen und des Kolonialismus einerseits im Trend, wurde aber andererseits durch strategisch denkende Direktoren auch konsequent entwickelt.

Der zweite Weltkrieg unterbrach diese Entwicklung abrupt. Zwar retteten vorausschauende Kuratoren einen großen Teil der Sammlungen, das Museumsgebäude selbst aber ging in Flammen auf.

Ab 1956 wird Schloss Rosenstein zum Sitz des Museums. Der größte Teil der Sammlungen bleibt aber im Ludwigsburger Exil. Erst dreißig Jahre später, 1985, kommt es zur Wiedervereinigung: Das neu erbaute Museum am Löwentor wird zum Motor der Erneuerung, rückt mit seiner großartigen paläontologischen Ausstellung die weltberühmten Fossilien Baden-Württembergs wieder ins öffentliche Bewusstsein und steigert die internationale Strahlkraft des Museums beträchtlich.

Heute steht das Museum für zukunftsorientierte Wissenschaft und kulturelle Bildung – beides basierend auf den in Jahrhunderten aufgebauten Sammlungen, die als Archive der Biodiversität wieder zunehmend in den Fokus der Forschung und der Öffentlichkeit gerückt sind und weiter an Bedeutung gewinnen.

Links: Das älteste Fossil in der Sammlung des Museums, Riesenhirsch (Megaloceros giganteus), Pleistozän, Umgebung von Stuttgart. Foto Urhebervermerk: FX: Schmidt / U. Stübler
Rechts: Eine Zeichnung des Naturalienkabinetts um 1840. Bildnachweis/Urhebervermerk: SMNS Archiv, Zeichnung von F. Keller.

Jubiläumsband und Jubiläumsausstellung

Anlässlich des 225-jährigen Jubiläums geben wir einen Jubiläumsband heraus, der die Geschichte der Entstehung des Naturalienkabinetts bis hin zum Staatlichen Museum für Naturkunde heute beschreibt. Der Band beinhaltet wichtige Objekte, Geschichten und Stationen unseres Hauses, beleuchtet die Historie des Naturkundemuseums und ordnet sie in den geschichtlichen Kontext ein.

Einige wichtige Exponate aus den letzten 225 Jahren wurden ausgewählt und werden gemeinsam mit dem Jubiläumsband ab 9. Juni 2016 in der Ausstellung „Naturkundemuseum: gestern und heute...“ im Museum am Löwentor präsentiert.

Der Band (dt. und engl.) ist ab 9. Juni in den Museumsshops im Museum am Löwentor und im Schloss Rosenstein erhältlich oder kann per Mail bestellt werden bei Anja Dehner Tel. 0711-8936-103, Fax 0711-8936-100, E-Mail: anja [dot] dehner [at] smns-bw [dot] de. Kosten: € 19.-, zzgl. Versandkosten.