Die faszinierende Evolution der Insekten
24.4.02-27.4.03 
Eröffnung Mittwoch 24.4.2002 18 Uhr

Vor fast genau zwei Jahren konnten Sie in unserem Veranstaltungskalender einen begeisterten Bericht über eine Sammlung sensationell alter und ebenso sensationell gut erhaltener Insekten aus der Unterkreidezeit Brasiliens lesen, die wir mit Hilfe der Gesellschaft zur Förderung des Naturkundemuseums erwerben konnten. Damals hatten wir Ihnen eine Ausstellung dazu versprochen - nun ist sie da!

Eine Welt ohne Insekten: Das wäre für viele Zeitgenossen, die Insekten allenfalls als lästig wahrnehmen, eine Traumwelt. In Wirklichkeit aber wäre es ein Alptraum. Ohne die kleinen Krabbler und Flieger läuft nämlich fast gar nichts. In Nahrungsketten spielen sie eine ebenso bedeutende Rolle wie als Partner der Blütenpflanzen bei der Bestäubung. Und nicht zuletzt ist ihre Artenzahl schlichtweg überwältigend. Sie geht in die Millionen.

Grund genug also, sich nicht nur mit der Geschichte der Saurier (oder unserer eigenen) zu beschäftigen, sondern sich auch über das Woher, Wann, Wo und Wie der Insekten Gedanken zu machen. Das ist allerdings gar nicht so einfach. Selbst vom mächtigsten Dinosaurier bleiben nur im günstigsten Fall mehr als ein paar Knochen übrig. Wieviel unwahrscheinlicher ist es, dass eine zarte Mücke in Schlamm eingebettet wird, versteinert, Jahrmillionen überdauert - und dann auch noch gefunden wird! Unsere Ausstellung zeichnet den Weg vom lebenden Insekt des Erdmittelalters zum Fossil im Museum nach und lässt dabei die Lebensräume der frühen Insekten wieder auferstehen. Samt einigen der Insekten selbst, die damals spektakuläre Größen erreichen konnten. Die Urlibelle Meganeuropsis zum Beispiel, mit 75 cm Spannweite das größte Insekt aller Zeiten, haben wir für unsere Ausstellung detailgetreu rekonstruiert. Die meisten Insekten sehen Sie aber im Original - Millionen Jahre alt und trotzdem bis in feinste Einzelheiten erhalten, manchmal lassen sich sogar Farben erahnen. Neben vielen anderen Raritäten und Besonderheiten begegnen Sie einer in einen Gipskristall eingeschlossenen Libellenhülle und den ältesten Bienen und Ameisen der Erdgeschichte. Besonders die Ur-Biene markiert den Beginn der bis heute andauernden gemeinsamen Evolution von Blütenpflanzen und Insekten, in der beide Partner zu gegenseitigem Nutzen ein "Bündnis" eingegangen sind - die Grundlage einer unvergleichlichen Erfolgsgeschichte.

Begleitet werden die Fossilien von interaktiven Multimedia-Darstellungen und auch von zahlreichen "modernen" Insekten - einigen lebendigen inklusive. Im Vergleich wird deutlich, was sich im Lauf der Insektenevolution getan hat und wieviel Informationen die faszinierenden Versteinerungen bergen. Sie erzählen von Leben und Tod, von längst vergangenen Lebensräumen, der Veränderung von Klima und Landschaft, der Wanderung von Kontinenten.

Das Ur-Geziefer kommt auch gerne zu Ihnen nach Hause. Sie können die Broschüre gleich im Museum als Nachlese zur Ausstellung erwerben. Oder Sie bestellen sich diese reich bebilderte Einführung in die Evolution der Insekten bei uns zum Reinschnuppern - wir sind sicher, Sie erliegen dann dem Charme der spektakulären Fossilien und werden nicht ruhen, bis Sie auch die Originale gesehen haben.

Günter Bechly: Ur-Geziefer. Die faszinierende Evolution der Insekten. Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde (C), Heft 49. 96 Seiten. € 7,00