Dr. Stefan Merker

Mammalogie (Säugetiere)

Abteilungsleitung

Ökologie und Evolution der Koboldmakis

Mehrere unserer Projekte widmen sich der Ökologie und Evolution von Koboldmakis (Tarsiern). Die intermediäre Stellung dieser kleinen nachtaktiven Äffchen im Stammbaum der Primaten, ihre Naturgeschichte im geologisch außerordentlich aktiven Malayischen Archipel, aber auch die zunehmende Bedeutung für den Ökotourismus und als Flaggschiffe des Naturschutzes in Südostasien machen die nur etwa 12 cm kleinen Äffchen für Evolutionsbiologen wie Naturschutzbiologen gleichermaßen interessant.

Basierend auf ca. 3 Jahren Feldarbeit im Regenwald Sulawesis, der viertgrößten Insel Indonesiens, verglich ich u.a. Populationsdichten und das Raumnutzungsverhalten (mittels Telemetrie) von Tarsiern entlang eines Gradienten anthropogener Störung. Während dieser Zeit hatte ich auch das Glück, zwei neue Arten der Koboldmakis (Tarsius lariang, T. wallacei) zu "entdecken" und eine weitere (T. tumpara) mitzubeschreiben.

Vor dem Hintergrund plattentektonischer Rekonstruktionen Südostasiens arbeiten wir derzeit daran, evolutionäre Prozesse, welche zur Diversifizierung und der aktuellen Verbreitung der Koboldmakis geführt haben, zu rekonstruieren. Dabei suchen wir phylogenetische Signale auf morphologischer, bioakustischer wie auch genetischer Basis. In einer durch uns dokumentierten Hybridzone von Tarsiern (siehe Abbildung rechts) untersuchen wir u.a. die Hintergründe assymmetrischen Genflusses zwischen Arten. Ein weiteres Projekt ist der innerartlichen Differenzierung beim neu entdeckten Wallace-Koboldmaki gewidmet.

Aktuelle Kooperationspartner: Yvonne Bohr, Christine Driller, Hans Zischler, Indonesisches Primatenzentrum Bogor; Fotos © S. Merker; Abbildung aus Merker et al. (2009) PNAS

Populationsgenetik Eurasischer Biber

In diesem Projekt untersuchen wir die Dynamik populationsgenetischer Strukturen Eurasischer Biber (Castor fiber) im Zuge der Wiederbesiedlung Südwestdeutschlands. Biber wurden u.a. in Bayern und in der Schweiz erfolgreich wiederangesiedelt, zudem haben einige wenige Populationen in Mitteleuropa (an Elbe und Rhone) die Ausrottungswelle durch den Menschen überstanden. Die mittlerweile streng geschützten Biber erobern nun auf natürliche Weise ihren ursprünglichen Lebensraum zurück. Welche Flusssysteme nutzen sie dabei? Wie schnell geht die Ausbreitung vonstatten? Wie weit können die semiaquatischen Biber über Land wandern, unter welchen Umständen können Wasserscheiden überquert werden? Um solche Fragen zu beantworten, stellen wir Haarfallen auf, mit deren Hilfe wir an Genmaterial der Biber gelangen. Im DNA-Labor wird dieses einer Geschlechtsbestimmung unterzogen, und durch die Analyse mitochondrialer DNA und eine Genotypisierung der Proben mittels Mikrosatellitenmarkern werden individuelle genetische Profile erstellt. Deren Ähnlichkeiten lassen den Grad der Verwandtschaft der Tiere bzw. ihre Populationsherkunft abschätzen.

Das Projekt ist langfristig geplant, der Fokus liegt derzeit auf Südwestdeutschland. Für eine Zusendung von Proben sind wir jederzeit dankbar.

Aktuelle Kooperationspartner: Regierungspräsidien und Untere Naturschutzbehörden in Baden-Württemberg und Südhessen, viele Biberberater; Rainer Allgöwer, Hannah Brucher, Sabrina Mai, Samantha Seitz und Verena Stricker

Phylogeographie Afrikanischer Elefanten

In Zusammenarbeit mit dem WWF Deutschland arbeiten wir an der Verfeinerung forensischer Werkzeuge zur Herkunftsbestimmung von Elefanten-Elfenbein und analysieren die Phylogeographie westafrikanischer Elefanten. Isotopen- und genetische Fingerabdruck-Analysen sind vielversprechende Methoden, die Herkunft von konfisziertem Elfenbein abzuschätzen und somit einem der dringendsten Naturschutzprobleme in Afrika, der Elefanten-Wilderei, zu entgegnen.

Aktuelle Kooperationspartner: Bruno Streit, Stefan Ziegler