01.06.2022 - 04.08.2022

Eine Archäologie des Kommenden

Sonderausstellung
Florentine Bofinger
Florentine Bofinger

Ausstellung im Museum am Löwentor, Laufzeit: 1.6. – 4.8.2022

Die „Archäologie des Kommenden“ vermittelt zwischen Kunst und Paläontologie. Der konkrete und wissenschaftlich höchst bedeutsame Fund des Schildkröten-Vorfahren Pappochelys rosinae hat die Kommunikationsdesignerin Florentine Bofinger und den Künstler Alexander Sowa inspiriert. Ihre Kunstinstallation: Ein Schildkrötenbiotop, in dem eine Wasserschildkröte durch Sensoren Videos oder eine Unterwasserkamera startet, sichtbar auf Monitoren.

„Bei der Beobachtung der Schildkröte“, beschreiben Bofinger und Sowa ihre Installation, „stellt sich ihre Umgebung und Lebenswelt für uns als ein Modell dar. Es ist schnell zu erkennen, dass diese Natur nicht echt ist. Dieser Eindruck wird gestört, wenn die Schildkröte uns durch das Auslösen der Unterwasserkamera einen Einblick in ihre Sichtweise gewährt. Betrachten wir die Schildkröte aus dieser anderen Perspektive durch das Wasser hindurch, wird die Trennung von Echt und Unecht für unser Empfinden aufgeweicht. Ebenso kann es uns gehen, wenn wir Bilder aus dem Universum betrachten, wie sie uns der schwebende Satellit zeigt. Ein Stern, dessen Licht wir sehen, könnte an seinem Ort bereits gar nicht mehr existieren. Doch wie bezeichnen wir etwas, das wir dokumentieren können, obwohl es nicht mehr existiert? Wie echt oder wirklich ist etwas, das gar nicht existiert aber wahrgenommen werden kann? In der Mitte der Installation und unterhalb des Satelliten befindet sich das Fossil von Pappochelys rosinae. Als Repräsentantin einer mittlerweile unechten Welt, ist sie so alt wie viele der kosmischen Ereignisse des Satelliten und wirkt trotz ihrer Nähe doch genau so weit entfernt“.

 

Begleitprogramm:

Donnerstag, 23.6.2022, 18 Uhr, Museum am Löwentor – muss verschoben werden
Gespräch: Suchen in fremden Welten

Florentine Bofinger und Aleaxander Sowa mit Dr. Rainer Schoch und Isabell Rosin.
Das Suchen ist die Tätigkeit schlechthin. Ob nach profanen Dingen wie einem Schlüssel oder komplizierten Antworten auf eine Frage – wir bewegen uns dabei meist in der gewohnten Umgebung unserer Welt. Doch wie gestalten wir eigentlich die Suche in einer längst vergangenen Welt, wie der von Pappochelys rosinae? Wie findet man ihre Spuren und befreit sie aus dem Gestein? In einem Gespräch mit dem Paläontologen Prof. Dr. Rainer Schoch und der Präparatorin Isabell Rosin reden wir über die Suche nach fernen Ereignissen und wie man sie in ein Bild einbettet.

 

Donnerstag, 7.7.2022, 19 Uhr, Museum am Löwentor
Vortrag: Scheitern lernen im Anthropozän

Harry Walter, Künstler und Autor, Stuttgart.
Anhand eines zwischen 1978 und 2008 in Stuttgart entstandenen und in seiner Erscheinungsform einzigartigen Perpetuum mobiles lässt sich die Frage stellen, inwiefern das Scheitern in Zukunft eine Tugend sein könnte. Die sich im Lauf der Jahre immer bizarrer und monströser entwickelnde Maschine erinnerte am Ende nur noch vage an etwas Funktionierendes. Und genau darin könnte ihre tiefere Botschaft liegen.

 

Donnerstag, 4.8.2022, 19 Uhr, Museum am Löwentor
Vortrag: Unser Leben in Deep time

Daniel Falb, Philosoph und Dichter, Berlin.
In den letzten gut 200 Jahren ist die Zeit selbst eine Mutation durchlaufen. Nicht nur wird in diesem Zeitraum die Idee der Weltgeschichte entwickelt – sie wird ihrerseits wieder überbaut mit der Entdeckung und Vermessung der Tiefenzeit (Deep time), in der Erde und Universum allein existieren und ihre Formen entfalten. Doch leben auch wir in Deep time? Was hieße das und was folgt daraus für unser Leben? In Lesung und Vortrag entwirft der Philosoph und Dichter Daniel Falb die Konturen des neuen Deep time Wissens und erkundet ethische wie ästhetische Implikationen.