12.10.2021

Große Landesausstellung Baden-Württemberg 2021 "Anthropozän – Zeitalter? Zeitenwende? Zukunft?" Schloss Rosenstein, Laufzeit: 13.10.2021 – 19.6.2022

PRESSEMITTEILUNG

Stuttgart, 12.10.2021. Keine andere Spezies prägt den Planeten Erde so wie der Mensch. Wir haben alle Bereiche zwischen Erdkruste und Atmosphäre weitreichend verändert – und sind damit selbst zur Naturgewalt geworden. Unser immenser Einfluss auf Flora und Fauna, auf Erde, Wasser und Luft ist so stark geworden, dass sich existenzielle Fragen stellen: Die nach der Belastbarkeit der Erde und, damit unmittelbar verknüpft, der Zukunft der Menschheit. Vor diesem Hintergrund hat eine internationale Kommission von WissenschaftlerInnen den Beginn eines neuen Erdzeitalters, des Anthropozäns, ausgerufen. Die Große Landesausstellung 2021 im Naturkundemuseum Stuttgart widmet sich diesem – im wahrsten Sinne des Wortes – epochalen Thema. Die interaktiv und lebensnah gestaltete Ausstellung beschäftigt sich mit den großen Fragen unserer Zeit: Wie kam es dazu, dass der Mensch zum weltenprägenden Wesen wurde?  Wie haben wir den Planeten Erde bisher verändert?  Und welche zukünftigen Perspektiven gibt es für uns? Endgültige Antworten darauf hat (noch) niemand, aber die Ausstellung bietet Orientierung.

Eröffnung mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Live-Stream

Die Große Landesausstellung Baden-Württemberg 2021 „Anthropozän – Zeitalter? Zeitenwende? Zukunft?“wird am 12.10.2021 von Ministerpräsident Winfried Kretschmann eröffnet. Die Eröffnung wird auf der Museumswebsite www.naturkundemuseum-bw.de ab 18:30 Uhr online übertragen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann: „Bei der Anthropozän-Diagnose steht der Mensch als bestimmende Kraft einer neuen geologischen Epoche im Mittelpunkt. Aber nicht im Triumph. Wir feiern keinen ,Sieg über die Natur‘. Wir erkennen viel mehr, wie tief wir in das Wirkungsgefüge des Planeten und in die Grundlagen unseres Lebens eingegriffen haben. Die Große Landesausstellung zeigt uns eindrücklich, dass Politik und Bürgergesellschaft neue Wege finden müssen, um mit dem postfossilen Zeitalter umzugehen. Dies ist ein globales Projekt, für das sich die ganze Menschheit zusammenschließen muss – mit einer neuen Kreativität auch in der Zusammenarbeit der Völker und weg von herkömmlichen Konflikten und Feindbildern.“

Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst: „Welchen Einfluss hat der Mensch auf die Entwicklung unseres Planeten? Die neue Ausstellung des Naturkundemuseums Stuttgart widmet sich diesem hochaktuellen und drängenden Thema, das uns nicht erst in diesem Jahr durch Flutkatastrophen einerseits und Dürren andererseits unmittelbar vor Augen geführt worden ist. Erstmals wird eine derart ganzheitliche, naturwissenschaftliche Aufbereitung über das Zeitalter des Menschen – von seinen Ursprüngen bis zu den Zukunftsperspektiven – in einem musealen Kontext präsentiert. Dabei gelingt es dem Museum, in einem gekonnten Dreiklang von Forschung, Sammlung und Wissenstransfer aktuellste Erkenntnisse zusammenzuführen und sie einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Denn mit ihrem interaktiven Ansatz nimmt die Ausstellung alle mit und lädt zum Mitmachen und Mitdenken ein – Groß und Klein, Fachkundige und Laien. Besser könnte das Haus seinem Auftrag als Forschungs- und als Bildungsort nicht nachkommen.“

Die Ausstellung wird finanziert vom Land Baden-Württemberg und gefördert durch die Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württemberg und die Baden-Württemberg Stiftung. 

Das Zeitalter des Menschen

Anthropozän - der Begriff ist erst so alt wie dieses Jahrtausend. Mit der Autorität des Nobelpreisträgers brachte ihn der Atmosphärenchemiker Paul J. Crutzen im Jahr 2000 in die Diskussion. Die Ausrufung eines neuen Erdzeitalters – das Zeitalter des Menschen – begründete er mit dem gewaltigen Einfluss der Menschheit auf „ihren“ Planeten. Dieser Einfluss verändere das Klima, Stoffkreisläufe und Ökosysteme so grundlegend, dass er noch in Tausenden, wenn nicht Millionen von Jahren spürbar sein werde.

„Die Herausforderungen, die das Anthropozän mit sich bringt, werden immer deutlicher: Forschungsergebnisse unserer WissenschaftlerInnen am Naturkundemuseum und an Forschungseinrichtungen aus aller Welt belegen die Auswirkungen des Menschen auf das Klima und die biologische Vielfalt. Auch in unseren Forschungssammlungen, den Archiven des Lebens, sind Rückgang und Aussterben verschiedenster Arten über die Zeit hinweg dokumentiert. Mit der Großen Landesausstellung 2021 möchten wir unsere BesucherInnen für diese Zukunftsthemen sensibilisieren und Perspektiven aufzeigen. Spannende Exponate, interaktive Stationen und ein Rätselparcours für Familien beleuchten das Thema von verschieden Seiten", so Prof. Dr. Lars Krogmann, Interimsdirektor des Naturkundemuseums Stuttgart.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Eine Besonderheit der Ausstellung ist, dass sie den Blick von heute auf vergangene und zukünftige Epochen weitet. Damit wird der Ist-Zustand in einen größeren Kontext gestellt, werden Ursachen und Möglichkeiten ausgelotet. Entsprechend steht am Beginn der Schau folgende Frage: Wie kam es dazu, dass unsere Spezies die Welt so stark verändert? Wann wurden wir zum Gestalter der Umwelt? Wenn wir unsere kulturelle Evolution betrachten, dann springen hier gleich mehrere epochale Umbrüche ins Auge: Der bislang wohl wichtigste war der Übergang vom nomadischen Jäger- und Sammlertum zu Ackerbau, Viehzucht und Sesshaftigkeit. Doch auch spätere Entwicklungen, wie der Beginn der Metallverarbeitung, die Industrialisierung oder das derzeitige Wirtschaftswachstum haben unsere Umwelt nachhaltig geprägt.

„Für uns war es wichtig, dass wir mit der Ausstellung nicht allein bei der Frage verbleiben, ob das Anthropozän eine eigenständige geologische Epoche darstellt. Wir wollten uns vielmehr dem Thema aus naturwissenschaftlicher Sicht so ganzheitlich wie möglich annähern. Einen Schwerpunkt stellen die Auswirkungen unseres Handelns auf Umwelt und Lebewesen dar. Wir zeigen aber auch, wie es dazu kam, dass wir die Welt so stark prägen. Und wir sprechen an, welche Perspektiven und Lösungsansätze es für aktuelle Herausforderungen gibt“, sagt Petra Härtl, Dipl.-Prähistorikerin und Kuratorin der Ausstellung.

„Wo wir stehen“ lautet dann die Überschrift des umfangreichsten Ausstellungsteiles. Dort zeigen Forschungsergebnisse aus allen Fachbereichen des Naturkundemuseums Stuttgart, Beiträge von Forschungseinrichtungen aus aller Welt sowie harte Fakten und plakative Abbildungen, welche Folgen unser Handeln hat. Von der Überprägung der Landschaft über Umweltverschmutzung und Klimawandel spannt sich der Bogen bis hin zu den Folgen für Flora und Fauna. Konkrete Beispiele aus der Region werden dabei mit globalen Entwicklungen verzahnt, abstrakte Szenarien mit konkreten Erfahrungen verbunden. Zahlreiche spannende Exponate aus den Sammlungen des Museums illustrieren dabei die neuesten Forschungen zu anthropogenen Einflüssen auf die Lebenswelt unseres Planeten.

Lösungsansätze, Grenzen und Perspektiven

Betrachtungen zu unserem Umgang mit Ressourcen und dem globalen Müllproblem leiten über zur Frage nach unserer Zukunft: Welche Optionen haben wir, als Einzelne und als Gesellschaft? Vor welchen Herausforderungen stehen wir, und wie können wir ihnen begegnen? Werden uns, wie schon mehrmals im Lauf der Geschichte, Erfindergeist und Technik retten? Die Ausstellung zeigt mögliche Lösungsansätze, Grenzen und Perspektiven. Ganz am Ende der Ausstellung erwartet dann noch ein Highlight die BesucherInnen: Fiktive Gesteine und Fossilien geben eine Ahnung davon, was in ferner Zukunft einmal von typischen Materialien unserer Zeit bleiben wird.

Reflexionsräume laden zum Mitmachen ein

„Für die Umsetzung der Inhalte der Ausstellung in einen BersucherInnen-Parcours in den historischen Räumen von Schloss Rosenstein haben wir ein Baugerüst als nachhaltiges Ausstellungssystem gewählt. Unterschiedliche Ausstellungselemente ermöglichen eigene Zugänge zu den Themen: Großgrafiken mit plakativen Fakten geben einen schnellen Überblick, Reflexionsräume laden zum Weiterdenken ein, Visionskästen mit künstlerischen Dioramen ermöglichen einen Zugang zu neuesten Forschungsergebnissen“, so Dipl.-Des. Catherine François, eine der verantwortlichen Ausstellungsgestalterinnen vom Stuttgarter Büro raumhochn.

Interaktive Angebote für Kinder und Familien

Die Ausstellung wird durch einen spannenden Kinderrätselparcours mit vielen interaktiven Elementen abgerundet. Das Spiel „Rettet den Frosch!“ für Kinder und Familien führt mit Heft und Stift kreuz und quer durchs Anthropozän, zu vielfältigen Rätselstationen. Überall heißt es schauen, hören, checken, kombinieren, Entscheidungen treffen! Die Story: Der Frosch droht heimatlos zu werden! Immer weniger Wasser im Teich, nie vorher gesehene Riesenfrösche mit einem gewaltigen Maul und allerhand weitere Gefahren machen das Leben für ihn richtig ungemütlich. Kann es überhaupt noch ein Happy End geben? Die SpielerInnen haben es in der Hand!

Rahmenprogramm

Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen, Führungen und Workshops, das Sie auf der Website des Museums unter: www.naturkundemuseum-bw.de finden. Am 24./25.3.2022 findet die Tagung „Anthropozän – Menschgemacht“ im Rahmen der Ausstellung im Museum am Löwentor statt. Am 10.4.2022 ist ein Aktionstag für Familien im Schloss Rosenstein geplant.

Allgemeine Informationen zur Ausstellung:

Laufzeit:
13.10.2021 - 19.6.2022

Öffnungszeiten:
Mo: geschlossen
Di - Fr: 9 - 17 Uhr
Sa, So, Feiertage: 10 - 18 Uhr

Preise:
Erwachsene: € 9.- │Ermäßigt: € 6.-
Familien € 22.-
Kinder und Jugendliche ab 7 Jahren: € 4.-
Kinder unter 7 Jahren: freier Eintritt

Buchung von Führungen:
Tel: 0711/8936-266

Rahmenprogramm:
Alle Veranstaltungen sind hier abrufbar.

Ausstellungstexte:
Die Ausstellung verfügt über Ausstellungstexte in deutscher und englischer Sprache.

Adresse:
Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart – Schloss Rosenstein, Rosenstein 1, 70191 Stuttgart

Förderer:
Wir danken der Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württemberg und der Baden-Württemberg Stiftung für die freundliche Förderung der Ausstellung.

Wissenschaftliche Konzeption der Ausstellung:
Dipl.-Prähistorikerin Petra Härtl

Ausstellungsgestaltung:
raumhochn, Dipl.-Des. Catherine François, Dipl.-Ing. Natalie Kleemann, www.raumhochn.de

Projektleitung:
Julia Bergener, Naturkundemuseum Stuttgart

Pressekontakt:
Meike Rech
Tel. 0711/8936-107
E-Mail: meike.rech@smns-bw.de

Bildmaterial:
Bitte beachten Sie, dass eine Verwendung des Bildmaterials nur mit Nennung des Urhebervermerks gestattet ist. Vielen Dank.

Blick in die Ausstellung, Bild 1-5: Urhebervermerk: SMNS, Jan Potente