Forschungsprofil
Biodiversitätserfassung bei Wirbellosen mit Hauptaugenmerk auf Spinnentieren

Spinnentiere - Chelicerata
Biodiversitätserfassung bei Wirbellosen mit Hauptaugenmerk auf Spinnentieren

Im Projekt “Biomasse Luft” werden flugaktive Insekten an verschiedenen Standorten in ganz Baden-Württemberg gefangen, um ihre Biomasse zu ermitteln und so über viele Jahre hinweg Insektenpopulationen zu untersuchen. Es ist ein Teilprojekt des landesweiten Insektenmonitorings, das von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) koordiniert.
Das Insektensterben ist spätestens seit der 2017 erschienenen Studie von Hallmann und Kollegen vom Entomologischen Verein Krefeld bekannt, die zeigen konnten, dass die Biomasse der Insekten in Schutzgebieten über 27 Jahre um über 75% abgenommen hat. Als Reaktion darauf wurde 2018 in Baden-Württemberg das Sonderprogramm zur Stärkung der Biologischen Vielfalt ins Leben gerufen. In diesem Rahmen wurde ein landesweites Insektenmonitoring konzipiert mit dem Ziel, Trends in Insektenpopulationen über mehrere Jahre zu untersuchen. Das Teilprojekt “Biomasse-Luft” wird am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart (SMNS) durchgeführt. In diesem Teilprojekt wird die Biomasse flugaktiver Insekten ermittelt und gefangene Wildbienen werden auf Artniveau bestimmt. Dazu werden sogenannte Malaisefallen in Schutzgebieten, Grünland- und Agrarflächen auf 40 Standorten in ganz Baden-Württemberg aufgestellt. Pro Jahr werden 10 Standorte in einem der vier Regierungsbezirke (Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg, Tübingen) beprobt, sodass nach vier Jahren jeder Bezirk einmal untersucht wurde. Die Malaisefallen sowie die Bearbeitungsschritte der Proben sind standardisiert und basieren auf den Empfehlungen des Entomologischen Vereins Krefeld.
Malaisefallen sind wie Zelte gebaut, die nach außen hin offen und mit einer schwarzen Mittelwand ausgestattet sind. Am höchsten Punkt des Zeltes ist ein Fallenkopf mit einer Fangflasche angebracht, die 80%-igen vergällten Alkohol enthält. Fliegt ein Insekt gegen die schwarze Mittelwand, bewegt es sich in Richtung Licht, und damit zum höchsten Punkt der Falle, wo es in die Fangflasche fällt und konserviert wird. Der Falleninhalt wird alle zwei Wochen von Mitarbeitenden des SMNS eingesammelt. Dabei werden auch Parameter aufgenommen, die Einfluss auf Insekten haben können, wie Temperatur, Niederschlag und Nutzung umliegender Flächen für z.B. Ackerbau oder Mahd.
Am SMNS werden die Alkoholkonzentrationen der Insektenproben kontrolliert, bei Bedarf nachjustiert. Danach werden die Proben nach einem standardisierten Verfahren gewogen, um die Biomasse der Insekten zu ermitteln. Im Anschluss werden alle Wildbienen aus den Proben sortiert, um sie morphologisch oder molekular bis zur Art zu bestimmen. Wildbienen sind besonders als Hinweisgeber, sogenannte Indikatoren für Veränderungen in der Landschaft geeignet, da sie meist stark auf bestimmte Nahrungspflanzen und geeignete Strukturen für ihre Nistplätze (z.B. Offenboden, Steilwand, Totholz) angewiesen sind. Die präparierten Tiere fließen in eine Wildbienen-Vergleichssammlung für Baden-Württemberg ein und werden so Teil der Insektensammlung des SMNS. Zudem spielten sie bei der Erstellung der Roten Liste der Wildbienen Baden-Württembergs eine Rolle.
Die Insektenproben werden inventarisiert und in Tiefkühlschränken bei -20 °C gelagert. Alle verfügbaren Daten werden mit Hilfe einer Datenbank (DiversityWorkbench) digitalisiert und unter anderem über den Digitalen Katalog des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart veröffentlicht, sodass sie anderen Wissenschaftlern zur Verfügung stehen.
Daten aus Langzeiterfassungen können helfen, Veränderungen in Populationen festzustellen, deren Ursachen zu verstehen und entsprechende Gegenmaßnahmen zu treffen. Mit dem landesweiten Insektenmonitoring haben wir in Baden-Württemberg die einzigartige Möglichkeit, dieses Projekt über einen längeren Zeitraum durchzuführen, um die Insekten und ihre Lebensräume auf lange Sicht zu schützen.
Die am SMNS gelagerten Insektenproben aus Malaisefallen stehen auf Nachfrage zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung.

Interaktiver Bestimmungsschlüssel und Formulare für Fundmeldungen für Süßgräser, Weichtiere, die häufigsten bekanntesten Fossilien, Insekten und Spinnen Baden-Württembergs. https://naturportal-suedwest.de

Ziel dieses Projektes ist die Revision der asiatischen Vogelspinnenunterfamilie Ornithoctoninae mit integrativ taxonomischen Methoden.