17.08.2026

Aus eins mach zwei! Neuer Fischsaurier aus dem Plattenkalk

Science News

Ichthyosaurier – auch Fischsaurier genannt – gehören zu den bedeutendsten Gruppen von mesozoischen Meeresreptilien in der Zeit zwischen etwa 250 und 95 Millionen Jahren vor heute. Lange Zeit war man davon ausgegangen, dass die Gruppe bereits kurz nach ihrer Entstehung in der Triaszeit ihre größte Vielfalt erreicht und diese danach stetig abgenommen hat. Forschungsarbeiten der letzten 20 Jahre haben aber gezeigt, dass es auch in der darauffolgenden Jura- und Kreidezeit weltweit noch deutlich mehr Arten gab als zunächst angenommen.

Im Frühen Jura lebten gleich mehrere Arten von Ichthyosauriern in Süddeutschland, wie Funde aus dem Posidonienschiefer belegen. Aus den Plattenkalken des Späten Jura hingegen war bislang nur eine einzige Art bekannt. Und das obwohl beide Fossillagerstätten für ihre nahezu vollständig erhaltenen Skelette, teilweise sogar mit Abdrücken der Weichteile und versteinertem Mageninhalt bekannt sind. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Dr. Erin Maxwell beschreibt nun erstmalig eine weitere Ichthyosaurier-Art aus den Plattenkalken und belegt damit einmal mehr die zu jener Zeit immer noch vorhandene, große Vielfalt innerhalb der Gruppe.

Die Beschreibung der neuen Art Jabalisaurus tethyensis basiert auf mehreren Teilskeletten, die bislang der einzigen aus dem Plattenkalk bekannten Art Aegirosaurus leptospondylus zugerechnet wurden. Eine genaue Untersuchung des relevanten Fossilmaterials förderte signifikante Unterschiede zwischen den beiden Arten zutage. Neben den Knochenmerkmalen legte das Forschungsteam auch einen Fokus auch die Abdrücke der Weichteile im Flossenbereich sowie den versteinerten Mageninhalt des neuen Ichthyosauriers, um mehr über seine Lebensweise zu erfahren.

Das Vorhandensein der neuen Art in Süddeutschland hat große Bedeutung für die globale Vielfalt der Ichthyosaurier im späten Jura. Denn eine zweite, eng mit Jabalisaurus tethyensis verwandte Art ist aus Mexiko bekannt – einer Region, deren Ichthyosaurier-Fauna bislang als sehr isoliert galt, obwohl zu jener Zeit eine Meeresverbindung zwischen Europa und Mittelamerika bestand und in beiden Regionen ein ähnlich subtropisches Klima herrschte. Die neue Art beweist damit, dass es durchaus eine Form von Faunenaustausch gegeben haben muss. Vergleichbare Fundstellen aus den gemäßigten und polaren Breiten unterscheiden sich dagegen deutlich bezogen auf ihre Ichthyosaurier-Arten. Das Klima könnte – direkt oder indirekt – der Hauptfaktor für dieses globale Verbreitungsmuster gewesen sein. Weitere Untersuchungen sind notwendig, um die tatsächliche Vielfalt der auf den ersten Blick sehr ähnlichen, jurassischen Ichthyosaurier aufzudecken.

Der Artikel wurde in der Fachzeitschrift Palaeontologia Electronica veröffentlicht.

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