Forschungsprofil
Mein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Überfamilie Ceraphronoidea: winzige parasitoide Wespen, die trotz ihrer weltweiten Verbreitung und ökologischen Bedeutung weitgehend unerforscht geblieben sind. Diese Tiere spielen als Parasitoide und Hyperparasitoide eine wichtige Rolle in Nahrungsnetzen, indem sie die Populationen anderer Insekten regulieren und so zur Stabilität von Ökosystemen beitragen. Im Rahmen des GBOL III: Dark Taxa Projekts untersuche ich ihre Vielfalt in Deutschland, insbesondere in Baden-Württemberg. Dabei konnte ich zeigen, dass die tatsächliche Artenvielfalt dieser Gruppe weit größer ist als bisher angenommen: Statt der bislang bekannten 35 Arten deuten genetische Analysen auf mindestens 193 potenzielle Arten allein in Südwestdeutschland hin.
Mein Ziel ist es, bestehende Hürden abzubauen, die auf die winzige Größe und das einheitliche Erscheinungsbild dieser Wespen zurückgehen. Dazu entwickelte ich beispiwlsweise ein neues DNA-Barcoding-Protokolle, das erstmals eine zuverlässige Erfolgsquote bei der genetischen Analyse dieser winzigen Wespen ermöglicht. Neben der genetischen Vielfalt untersuche ich auch ihre ökologischen Beziehungen und Wirtsassoziationen, die bislang für über 80 % der Arten völlig unbekannt sind. Diese Erkenntnisse helfen, ihre Rolle in komplexen Nahrungsnetzen besser zu verstehen und zeigen, wie eng viele Arten miteinander verknüpft sind.
Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf der Beschreibung neuer Arten. So konnte ich 2023 die neue Art Aphanogmus kretschmanni identifizieren, beschreiben und mithilfe modernster Mikro-CT-Technologie erstmals einen vollständigen 3D-Cybertyp erstellen- ein digitales Referenzmodell, das diese Art weltweit zugänglich macht.
Meine Forschung zeigt, dass selbst in vermeintlich gut erforschten Regionen wie Deutschland noch zahlreiche unbekannte Arten leben. Durch meine Arbeit möchte ich letztneldich dazu beitragen, sogenannte Dark Taxa, also schwer erfassbare, bislang vernachlässigte Insektengruppen, stärker in die Biodiversitätsforschung und den Naturschutz einzubeziehen. Denn nur wenn wir auch diese „unsichtbaren“ Arten verstehen und benennen, können wir die biologische Vielfalt wirklich bewahren.



