Vollständige Skelette oder einzelne Knochen sind aus den Ausstellungen und Sammlungen von Naturkundemuseen nicht wegzudenken und spielen auch in der Forschung eine wichtige Rolle. Die Knochen sauber, unbeschädigt und in ihrer natürlichen Form aus einem Tierkadaver zu entnehmen, ist jedoch nicht ganz einfach. Um Fäulnis zu verhindern und die Knochen dauerhaft haltbar zu machen, müssen zuerst alle organischen Weichteile – also Knorpel, Fleisch, Sehnen etc. – komplett entfernt werden. Gängige Herangehensweisen wie die Zersetzung des organischen Materials durch Enzyme oder Chemikalien sind oft mit langen Bearbeitungszeiten oder der Freisetzung von Giftstoffen verbunden und können zu Schäden an fragilen Knochen führen. Eine weitere beliebte Methode setzt auf Speckkäfer (z.B. Dermestes maculatus) zur Reinigung der Skelette. Während diese Methode deutlich umweltfreundlicher und „Knochen-schonender“ ist, kommt sie mit einem signifikanten Risiko: Selbst wenige entflohene Speckkäfer können über die wissenschaftlichen Sammlungen und Ausstellungen herfallen und die dort aufbewahrten Präparate zerstören.
Ein internationales Team von Wissenschaftler*innen in Kooperation mit Dr. Niloofar Alaei Kakhki vom Naturkundemuseum Stuttgart hat nun eine Methode zur effektiven, kostengünstigen und risikoarmen Skelettierung von Tierkadavern mit Hilfe der Larven des Großen Schwarzkäfers Zophobas morio – auch bekannt als „Superwürmer“ – gefunden.
Der Große Schwarzkäfer wird bis zu 3 cm groß und stammt ursprünglich aus Mittel- und Südamerika. Seine Mehlwurm-artigen Larven erreichen sogar bis zu 6 cm Länge und werden weltweit als proteinreiche Nahrung für Kleintiere und sogar für den menschlichen Verzehr gezüchtet und verkauft.
Das Forschungsteam „testete“ die Larven an Kadavern unterschiedlicher Größe (Hausmaus bis Wolf) und bestimmte die optimalen Verhältnisse zwischen Larvenmenge und Gewicht der Kadaver. Je nach Gewicht dauerte das Skelettieren wenige Stunden bis Tage.
Die Schwarzkäfer-Larven haben mehrere Vorteile gegenüber den üblicherweise verwendeten Speckkäfern. Stärkere Mundwerkzeuge und ein längeres Larvenstadium machen sie schneller und effizienter beim Entfleischen von Knochen. Das Risiko eines Befalls von Sammlungen ist zudem geringer, da die ausgewachsenen Schwarzkäfer weniger mobil sind als Speckkäfer. Sie fressen außerdem nur selten Haut, Fell oder Federn. Bei der Haltung in großen Gruppen wird die Verpuppung der Larven gehemmt, sodass kaum erwachsene Käfer entstehen. Das macht die Haltung und Verwendung der „Superwürmer“ einfach, günstig und sicher.
Veröffentlicht wurde der Artikel in der Fachzeitschrift PLOS One.
