16.02.2026

Mehr als Kauen – Neue Studie zur Vielfalt und Evolution der Nahrungsverarbeitung bei Wirbeltieren

Science News
Eine Schildkröte frisst ein Salatblatt
Schildkröte frisst ein Salatblatt. (Bild: ivabalk@pixabay)

Alle Wirbeltiere müssen Nahrung zu sich nehmen und diese gut verdauen können, um zu überleben. Dabei ist neben effizienten chemischen Prozessen vor allem die – vorwiegend im Mund stattfindende – mechanische Zerkleinerung der Nahrung von großer Bedeutung. Im Laufe der Evolution hat sich dabei eine außerordentliche Methodenvielfalt herausgebildet: Säugetiere kauen mit den Zähnen des Unter- und Oberkiefers, manche Amphibien nutzen ihre Zunge als Ersatz für schwache Unterkiefer und in vielen Fischen kommen spezialisierte Strukturen im Rachen zum Einsatz. Andere Tiergruppen verlagern einen Großteil der Nahrungszerkleinerung stattdessen vom Mund in einen spezialisierten Kaumagen gefüllt mit Mahlsteinen.

Ein internationales Team unter Leitung des Evolutionsbiologen Dr. Daniel Schwarz (Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart) bündelt nun in einer umfangreichen Studie den aktuellen Forschungsstand zur Nahrungsverarbeitung von Wirbeltieren. Im Rahmen der Arbeit wurden sämtliche Erkenntnisse aus anatomischen Untersuchungen und Bewegungsstudien zu Fischen, Amphibien, Reptilien, Vögeln und Säugetieren zusammengetragen und dabei bestehende Datenlücken hervorgehoben und ergänzt – so zum Beispiel zum unterschiedlichen Kauverhalten bei verschiedenen Gruppen der Schildkröten.

Diese Zusammenstellung liefert neue Erkenntnisse über wiederkehrende evolutionäre Muster innerhalb der Wirbeltiere. Komplexe Kaubewegungen, die typischerweise nur mit Säugetieren verbunden werden, entstanden mehrfach unabhängig voneinander in sehr weit voneinander entfernten Gruppen. Die spezielle Form des Kauens bei Säugetieren (Mastikation) kann aufgrund ihres evolutionär neugebildeten Kiefergelenks aber weiterhin als eigenständige Form der Nahrungsverarbeitung angesehen werden.
Im Fokus der Forschenden stand nicht zuletzt die Erarbeitung einer einheitlichen Terminologie und eines konzeptionellen Rahmenwerks, in welchen künftig solche Verhaltensweisen präziser und vergleichbarer beschrieben, und damit besser in einen breiteren evolutionsbiologischen Kontext gestellt werden können.

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