Insekten im Computertomographen
Dass man bisher fast nichts über die Paarung bei Eintagsfliegen wusste, hat seinen Grund: Eine Kopula dauert nicht lange, und sie findet auch nicht bequem auf einem Blatt statt, sondern hoch in der Luft. Doch wie bekommt man ein Pärchen beim Sex in luftiger Höhe zur Untersuchung in den Computertomographen? Wir versuchten unser Glück im Schwarzwald und machten uns auf die Suche nach dem Aderhaft Ecdyonurus venosus. Um ein kopulierendes Paar überhaupt einzufangen, brauchte es zunächst einen Kescher mit langem Stiel – 2,5 Meter haben sich bewährt. Und selbst dann scheiterten wir oft, weil die Tiere auf die Störung wenig romantisch reagierten: Die meisten Paare trennten sich sofort.
Ließen sie sich beim Sex jedoch nicht stören, wurde eine Methode aus der Sportmedizin angewandt: Mit Vereisungsspray wurde der Moment der Paarung buchstäblich eingefroren (Bild 3). So schockgefrostet konnten die Tiere noch in Kopulationsstellung schonend in eine spezielle Fixierlösung überführt und letztlich in reinem Alkohol gelagert werden.
Für die eigentliche Analyse der inneren Vorgänge bei der Paarung nutzten wir die Methode der Synchrotron-Röntgen-Mikrotomographie (µCT) am Teilchenbeschleuniger des Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Das Synchrotron produziert eine sehr gleichmäßige, energiereiche Röntgenstrahlung, unter der das Präparat durchleuchtet und dabei schrittweise gedreht wird. Aus über 1000 einzelnen Aufnahmen kann dann am Computer ein 3D-Modell rekonstruiert werden. Vom Prinzip her ist das also nichts anderes wie ein CT im Krankenhaus – nur mit deutlich höherer Auflösung, bei der selbst mikrometergroße Strukturen sichtbar werden. Der Vorteil: Man kann digital sezieren und 3D-Modelle erstellen, ohne die Tiere dabei zu zerstören.
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