Wollten Sie schon immer eine eigene Pflanzensammlung anlegen? Hier finden Sie von Profis Tipps und Tricks für ein eigenes Herbar.

Schon seit über 450 Jahren werden Pflanzen für wissenschaftliche Zwecke durch Pressen und Trocknen konserviert.
Diese an sich einfache Technik wird trotz des technischen Fortschritts auch heute noch erfolgreich verwendet, denn auch an gepressten Pflanzen lassen sich die für die Bestimmung notwendigen Merkmale erkennen. Und sogar für die Analyse der genetischen Daten sind diese getrockneten Pflanzen geeignet.
Bei trockener lichtgeschützter, möglichst kühler und trockener sowie insektensicherer Aufbewahrung können Pflanzen auch nach Jahrhunderten noch wie frisch gepresst aussehen.
Das Stuttgarter Herbarium beherbergt über 800.000 gepresste und getrocknete Gefäßpflanzen aus der ganzen Welt. Die ältesten stammen aus Sibirien und wurden um 1740 von Alexander Wilhelm Martini gesammelt.
Es ist nicht schwierig, ein eigenes Herbarium anzulegen. Für ein gutes Gelingen verraten wir hier ein paar Tricks.

Ein eigenes Herbarium ist die beste Möglichkeit, Pflanzenarten wirklich gut zu lernen. Beim Bestimmen, Sammeln, Einlegen, Beschriften und Aufkleben befasst man sich intensiv mit den Merkmalen der Pflanze. Die Details erkennt man besonders gut bei der gepressten Pflanze auf einem weißen Blatt Papier, alles zusammen prägt sich leichter ein. Die gepressten Pflanzen sind ein gutes Vergleichsmaterial für weitere Pflanzenbestimmungen, denn an ihnen kann man deutlich mehr Details erkennen als auf Fotos oder in Abbildungen der Bestimmungsbücher.
Ein mögliches Ziel für ein eigenes Herbarium wäre, alle Pflanzenarten einer bestimmten Gegend zu dokumentieren.

Zu Beginn steht natürlich die Auswahl der Pflanze bzw. der Pflanzenteile:
Alle Teile, die für das Erkennen einer Art notwendig sind, sollten dabei sein.
Bei kleinen Arten kann man die komplette Pflanze pressen, bei großen Arten oder Gehölzen wählt man repräsentative Teilstücke, wie z.B. Blüten, Früchte, Blätter, Zweige, ...
Grundsätzlich sollte beim Sammeln auf Folgendes geachtet werden:
Die gesammelten Pflanzen sollten in einer geschlossenen Plastiktüte transportiert und so schnell wie möglich in die Pflanzenpresse gelegt werden.
Sehr empfindliche Pflanzen können schon direkt vor Ort in eine gefaltete Zeitung gelegt werden, dann verlieren z. B. Mohn oder Ehrenpreis die Blütenblätter nicht.
Gitterpressen aus Metall sind haltbar, leicht und praktisch, aber recht teuer. Die häufig angebotenen quadratischen „Blumenpressen“ aus Sperrholz sind unpraktisch: Erstens von der Form her, da Pflanzen grundsätzlich eher länglich als quadratisch sind, und zweitens ist der Verschluss durch Schrauben umständlich.
Eine Pflanzenpresse kann man einfach aus zwei zeitungsgroßen Brettern (5-10 mm dick) und zwei Spanngurten selbst herstellen. Sie wird mit Zeitungspapier und passend zugeschnittenen Wellpappstücken gefüllt.

Zum Pressen wird die Pflanze auf einem Zeitungsbogen so ausgebreitet, dass die Blätter flach liegen und sich möglichst nicht überdecken.
Einzelne Blätter werden umgedreht oder umgeknickt, um die Blattunterseite erkennen zu lassen. Große, flache Blüten werden so hingelegt, dass man hineinsehen kann.
Blüten und Köpfchen können teilweise aufgeschnitten werden, um z. B. die Staubblätter erkennen zu lassen.
Sehr dicke Blütenköpfe oder Wurzelknollen können halbiert und die abgeschnittene Hälfte daneben gelegt werden.






Zu jedem Beleg gehört unbedingt ein vollständiges Etikett. Ohne Funddaten ist eine getrocknete Pflanze zwar schön, aber wissenschaftlich wertlos. Schreibt man die Etiketten von Hand, sollte man deutlich lesbar schreiben und einen lichtechten Stift benutzen (Bleistift, Tuschestift, dokumentenechter Kugelschreiber), sonst möglichst einen Laserdrucker verwenden.
Für wissenschaftliche Sammlungen muss das Etikett folgende Angaben enthalten:

Die trockenen Pflanzen werden mit schmalen gummierten Papierstreifen auf einen steifen Papierbogen aufgeklebt.
Tesafilm ist ungeeignet, da er vergilbt, das Papier und die Pflanze angreift und sich schnell wieder ablöst.
Es ist wichtig, dass die Pflanze gut befestigt wird und nicht mehr wackelt, damit auch beim Anschauen oder Umräumen keine Teile abbrechen und der Beleg lange erhalten bleibt.
Beim Aufkleben sollte man darauf achten, dass man keine für die Bestimmung wichtigen Merkmale überdeckt.






Der Herbarbogen wird zum Schutz noch in ein gefaltetes Blatt Papier gelegt, damit Teile, die sich trotz aller Sorgfalt gelöst haben könnten, nicht verloren gehen und dem richtigen Beleg zugeordnet werden können.
Die fertigen Bögen bewahrt man alphabetisch nach Familie, Gattung und Art sortiert, trocken und lichtgeschützt in einem dicht schließenden Schrank auf.
Käfer bzw. deren Larven sind immer eine Gefahr für ein Herbarium. Sie fressen besonders gerne die zarten Blüten oder stärke- und fettreiche Samen und hinterlassen nur noch Krümel. Ein befallener Beleg ist dadurch bald nicht mehr bestimmbar.
Deshalb sollte man seine Sammlung regelmäßig kontrollieren. Wenn man Käfer, Larven oder Fraßspuren entdeckt, muss man das Herbar in Plastiktüten verpacken und einige Tage einfrieren, um die Tiere abzutöten.
Und wozu bewahren wir im Museum hunderttausende alter und neuer Herbarbelege auf?
Herbarien sind eine wesentliche und unverzichtbare Grundlage für die Benennung und Unterscheidung von Pflanzenarten.
Jeder Beschreibung einer neuen Art liegt ein Herbarbeleg zugrunde, der sogenannte Typus, mit dem der Name verknüpft ist.
Der Typusbeleg ist also sozusagen das Archivstück, das „Urmeter“, für eine bestimmte Art. Im Stuttgarter Herbarium lagern etwa 2400 dieser Typusbelege.
Allerdings sind die meisten Herbarbelege keine Typen, sondern weitere Aufsammlungen schon bekannter Pflanzenarten.
Ein Herbarium dient auch als Vergleichssammlung, um schwierig zu bestimmende Arten mit sicher determinierten Belegen abzugleichen.
Nicht zuletzt arbeiten Wissenschaftler*innen von hier und aus der ganzen Welt mit Herbarbelegen aus Stuttgart, um Verbreitung, Variabilität, Artabgrenzung und Verwandtschaftsverhältnisse von Pflanzenarten zu erforschen.
Mit Hilfe von Herbarbelegen werden z.B. Verbreitungskarten erstellt oder man kann damit nachweisen, dass eine bestimmte Art früher in einer Gegend vorkam, wo sie jetzt nicht mehr vorhanden ist.
Solche überprüfbaren Daten sind unverzichtbare Grundlage für die Erstellung der Roten Listen, mit denen die Gefährdung von Tier- und Pflanzenarten eingestuft wird.
Auch neu auftretende Pflanzenarten werden durch Herbarbelege dokumentiert, damit lässt sich die Ausbreitung von potentiell invasiven Neophyten belegen.

Nein, natürlich nicht!
Zum Herbarium des Naturkundemuseums Stuttgart gehören auch noch große Sammlungen von Moosen, Pilzen, Flechten und Algen.
Aber das ist eine eigene Geschichte …
Kommentare (1)
Aus leidvoller lange zurückliegender Erfahrung:
Man sollte seine Belege nicht erst dann in Plastiksäcken (z.B. Müllbeutel 60 l) eintüten, wenn der Befall bereits da ist, sondern prophylaktisch schon gleich nach dem ersten Gefrieren, was schon im Sammeljahr nach Präparation erfolgen sollte. Dann hat man Ruhe!